Erstes Spiel mit Abstand

Park & Ride-Service beim Werderspiel

Für die 8500 Fußballfans, die ins Weserstadion dürfen, werden keine extra Straßenbahnen eingesetzt, dafür gibt es einen Park-and-Ride-Service. Noch keine Regeln gibt es bislang für Gastwirte im Stadionumfeld.
15.09.2020, 13:52
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Pascal Faltermann und Christoph Bähr

Treffen im Viertel oder am Brommyplatz, ein kühles Pils oder eine Bratwurst auf die Hand bevor es dann runter zum Stadion geht – so sieht für viele Fußball-Anhänger der Weg aus, wenn sie ein Heimspiel des SV Werder Bremen besuchen. Seit Sonntag ist klar, dass 8500 Fans am Sonnabend (15.30 Uhr) ins Weserstadion dürfen, wenn für das Team von Trainer Florian Kohfeldt die Bundesliga-Saison gegen Hertha BSC startet. Das hat der Senat bekannt gegeben (wir berichteten). Doch wie läuft eine coronakonforme Anreise zu Bremens größter Veranstaltung seit Beginn der Pandemie ab? Und wie sieht es mit Hygiene und Abstandsregeln aus?

Während die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) zusammen mit Werder Bremen einen Plan aufgestellt hat, laufen die Absprachen und Gespräche zwischen Innenbehörde, Polizei und Ordnungsdienst noch. Einigen Gastronomen im Stadionumfeld fehlen hingegen die entsprechenden Informationen. Sie klagen über mangelnde Kommunikation. „Wir werden den Park-and-Ride-Service am Hemelinger Hafen einrichten“, sagt Jens-Christian Meyer, Sprecher der BSAG. Statt bislang etwa 32 Busse setzt das Verkehrsunternehmen zwölf Busse auf der Strecke bis zur Pauliner Marsch ein.

Lesen Sie auch

Das entspricht 37,5 Prozent der eingesetzten Fahrzeuge im Vergleich zum Normalzustand bei einem Werder-Spiel. Das sei angeglichen an die zugelassenen 8500 Zuschauer, die einer Auslastung von etwa 20 Prozent entsprechen. Das Weserstadion fasst maximal 42 100 Besucher. Damit soll laut Meyer ausreichend Platz für Abstand gewährleistet sein. Weil der Einlass am Weserstadion in sogenannte Time-Slots (Zeitfenster) unterteilt ist, startet die BSAG ihr Angebot aus Hemelingen etwas früher als sonst üblich, nämlich um 12 Uhr. Weitere Park-and-Ride-Stellen wie an der Universität oder am Roland-Center werden am Sonnabend nicht bedient.

Was die Straßenbahnen angeht, setzt die BSAG nicht mehr Fahrzeuge ein. „Unsere Taktung ist zu der Zeit hoch, was für die Fans, die Bahn fahren, ausreichen sollte“, sagt Meyer. Grundsätzlich habe sich nichts geändert: Im öffentlichen Nahverkehr gilt Maskenpflicht und wer ein Stadionticket hat, kann damit das Angebot der BSAG nutzen. „Wir appellieren an die Fahrgäste, dass sie sich besonnen verhalten und genügend Abstand halten“, so Meyer. Soll heißen: Nicht alle Fans sollten versuchen, zeitgleich in eine Bahn oder einen Bus zu kommen. Mit mehr Personal oder Sicherheitsdienst werde der ÖPNV nicht ausgestattet. Aber: „Unsere Verkehrsmeister sind vor Ort, um Erfahrungen zu sammeln“, so Meyer.

Lesen Sie auch

„Wir werben dafür, individuell anzureisen aufgrund der besonderen Gegebenheiten: mit dem Pkw, mit dem Fahrrad oder zu Fuß„, sagt Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald. “Man muss aber davon ausgehen, dass die Parkplätze am Stadion nicht für alle ausreichen.„ Es werde in einer ausreichenden Zahl Shuttlebusse für Park-and-Ride-Nutzer geben, damit die Busse nicht zu voll würden. Das im Alltag gelernte AHA-Prinzip (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) müsse konsequent beim Stadionbesuch umgesetzt werden. “Es kommt entscheidend auf unsere Fans an, dass sie sich daran halten und sich sehr diszipliniert verhalten“, so Hess-Grunewald.

Werder Bremen wird laut eigenen Angaben bei dem Spiel insgesamt 600 Ordner im Stadion im Einsatz haben – so viele wie sonst bei ausverkauftem Haus. Wie Ordnungsdienst und Polizei sich aufstellen war am Montag noch unklar. Gespräche über die genaue Abstimmung laufen laut Rose Gerdts-Schiffler, Sprecherin des Innenressorts. Aktuell gehe es dabei um die Kontrollen von Abstands- und Hygieneregeln außerhalb des Stadions.

Lesen Sie auch

Die Bremer Wirte, die in Nähe des Stadions Fußball-Kneipen betreiben, kritisieren die Informationspolitik der Behörden und Ämter. „Werder Bremen hatte mehrere Monate Zeit, um ein Konzept zu entwickeln, wir wahrscheinlich nur ein paar Tage“, sagt Kim Döhling vom „Taubenschlag“. Genau wie die Betreiber vom „Hopfen und Schmalz“, vom „Wirtshaus“ und von der „Union Brauerei“ weiß Döhling noch nicht, was er in der Außengastronomie überhaupt anbieten darf.

Vor der Pandemie hatte der „Taubenschlag“ bei Spielen zwei Tresen vor der Tür, um Getränke zu verkaufen. Klar sei, dass sich die Fußballfans zwei bis drei Stunden vor und drei bis vier Stunden nach dem Spiel im Umfeld des Stadions aufhalten. „Der Zu- und der Ablauf sind ganz entscheidend“, sagt Döhling, der am vergangenen Wochenende darauf verzichtet hatte, das Werder-Pokalspiel im Außenbereich zu zeigen.

„Wir sind erst einmal froh, dass mit Hygiene- und Sicherheitskonzepten Großveranstaltungen wieder möglich sind“, sagt Thorsten Lieder, Geschäftsführer der Bremer Gastro-Gemeinschaft. So könnten Gastwirte und Veranstalter zeigen, dass ihre Konzepte funktionieren. Leider habe es noch keine Informationen der Stadt zur Außengastronomie gegeben. „Wenn diese komplett verboten wird und es weitere Auflagen gibt, müssten wir eine Kompensation bekommen“, sagt Lieder.

Info

Zur Sache

Fans in Bundesliga-Stadien

B und und Länder streben schneller als geplant eine einheitliche Lösung für die Fan-Rückkehr in die Fußball-Stadien an. Die Chefs der Staatskanzleien der Länder wollen am Dienstag erneut über Zuschauer auch in Sport-Hallen beraten. Demnach halten Schleswig-Holstein und auch andere Länder es für nötig, bereits bis Mitte September zu Ergebnissen über Kapazitäten zu kommen. Schleswig-Holsteins Regierung will den Vereinen bereits vor Saisonstart Klarheit über die Zuschauersituation verschaffen.

Teilweise gibt es bereits örtliche Zulassungen für Veranstaltungen mit Fans. So erhielt der RB Leipzig die Freigabe der Stadt, am kommenden Sonntag beim Bundesliga-Auftakt gegen den FSV Mainz 05 bis zu 8500 Zuschauer ins Stadion zu lassen. Der Bremer Senat erlaubte Werder Bremen, sein erstes Saison-Heimspiel am Sonnabend gegen Hertha BSC vor 8500 Zuschauern austragen zu dürfen. Auch Eintracht Frankfurt (6500 Besucher) und der 1. FC Union Berlin (5000) erhielten grünes Licht.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+