Werder profitiert von besonderem Paragrafen

Bremer Amateursportler dürfen noch nicht wieder trainieren

Die Profis von Werder Bremen dürfen wieder trainieren, aber für alle anderen Athleten wird es vorerst keine Sonderrolle geben.
08.04.2020, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Amateursportler dürfen noch nicht wieder trainieren
Von Mathias Sonnenberg
Bremer Amateursportler dürfen noch nicht wieder trainieren

Die Zweitliga-Hockey-Damen des Bremer HC (hier Laura Lippmann, r.) wollen ihren Trainingsbetrieb wieder aufnehmen. Der Bremer Landessportbund (LSB) prüft den Antrag.

Frank Thomas Koch

Die Anrufe kamen mit Anlauf. Schon am vergangenen Freitag, als der Antrag von Werder Bremen auf Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs öffentlich wurde, meldeten sich die ersten Bremer Vereinsvertreter auf der Geschäftsstelle des Bremer Landessportbundes (LSB). Der Tenor der Anrufe war stets gleich: Wieso darf der Fußball trainieren und wir nicht? Fragen, mit denen sich LSB-Geschäftsführerin Karoline Müller und LSB-Präsident Andreas Vroom sehr detailliert auseinandersetzen müssen.

Am Montag stellte Vroom deshalb eine offizielle Anfrage an den Bremer Innensenator Ulrich Mäurer (SPD), der am gleichen Tag den Werder-Antrag unter großen Beschränkungen wieder erlaubt hatte. Am Dienstag kam dann die Antwort Mäurers: Soweit Sport als Beruf betrieben wird, ist keine Genehmigung erforderlich. Das Ordnungsamt kann dann jedoch Auflagen verfügen oder Verbote aussprechen. So geschehen im Fall Werder Bremen, die beispielsweise nur in Vierergruppen üben dürfen. Das würde womöglich auch für die Eishockeyspieler von den Fischtown Pinguins (DEL) gelten oder die Basketballer der Eisbären Bremerhaven (ProA), wo der Sport ebenfalls professionell ausgeübt wird. Da jedoch der Spielbetrieb in beiden Ligen bereits vorzeitig beendet ist, muss auch kein Antrag auf Trainingsbetrieb mehr gestellt werden.

Werder Profis trainieren dank gesonderten Paragrafen

Für Werders Profi-Kicker aber greift im Gegensatz zu den Bremer Amateursportlern ein gesonderter Paragraf in der Corona-Verordnung. Dort heißt es unter anderem: „Ansammlungen von Menschen sind abweichend zulässig für die Berufsausübung, soweit diese nicht gesondert eingeschränkt ist; auch für den Publikumsverkehr geschlossene Einrichtungen dürfen aus beruflich bedingten Gründen betreten werden“. Und weiter steht in der Verordnung: „In anderen sportbezogenen Fallkonstellationen wird zunächst geprüft, ob es sich um eine berufliche Betätigung handelt. Erst wenn dies verneint wird, wird geprüft, ob eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden kann.“ Saunen, Saunaklubs, Solarien, Fitnessstudios, öffentliche und private Sportanlagen, Schwimm- und Spaßbäder dürfen nicht für den Publikumsverkehr geöffnet werden. Nur in besonders begründeten Einzelfällen könne der Betrieb auf Sportanlagen durch schriftliche Genehmigung der Ortspolizeibehörde zugelassen werden.

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Neben Werder Bremen hatten auch andere Bremer Vereine eine Ausnahmegenehmigung beantragt. Auf Anfrage des WESER-KURIER erklärte Rose Gerdts-Schiffler, Sprecherin der Bremer Innenbehörde: „Aktuell liegen im Ordnungsamt insgesamt drei Anträge nach dieser Vorschrift vor: ein Fußballverein der Bremen-Liga, ein Hockey-Club der zweiten Frauen-Bundesliga, beide zur Gestattung des Trainingsbetriebes. Sowie ein Antrag eines Breitensportvereins aus der Leichtathletik zur Genehmigung des Ablegens des Deutschen Sportabzeichens.“ Noch befänden sich alle Anträge in der Prüfung, gegebenenfalls unter Beteiligung der Sportfachverbände, der Senatorin für Sport sowie des Gesundheitsamtes. Aber eine Ablehnung, darauf weist auch der LSB hin, gilt als wahrscheinlich – es ist eben kein Profisport.

Lockerungen nach dem 19. April?

Am 14. April wollen die Länderchefs die Lage in der Corona-Krise neu bewerten und entscheiden, ob es Lockerungen nach dem 19. April geben kann. LSB-Präsident Vroom hat Verständnis, dass bis dahin der Amateursport ruht. Dem WESER-KURIER sagte er: „Der Sport soll da keine Sonderrolle einnehmen. Mir war nur wichtig, dass es keine Lex Fußball gibt.“ Björn Fecker, Präsident des Bremer Fußball-Verbandes, erklärte: „Beim Profifußball handelt es sich um Berufsausübung. Unter welchen Auflagen derzeit die Berufsausübung stattfindet, muss durch Experten beraten und abschließend durch den Staat entschieden werden.“ LSB-Präsident Vroom aber will wissen, wie es nach dem 19. April im Sport weitergeht. „Sport und Bewegung sind extrem wichtig für die Gesundheit, die Entwicklung der Menschen und ein Ventil auch in Zeiten der Corona-Pandemie.“ Der LSB sei mit Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne) in enger Abstimmung, welche Öffnungsklauseln im Kontext einer Bundesstrategie für die Sportvereine im Lande Bremen dann vertretbar sein werden.

Dass der Profi-Fußball dabei eine Sonderrolle einnimmt, hält Vroom für nicht gut. „Ich teile das Unverständnis vieler Vereine und frage mich, ob es sinnvoll war, hier eine Vorreiterrolle einzunehmen, offenbar ausgelöst von kommerzgetriebenen Zwängen.“

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