2. Handball-Bundesliga Frauen

Werder macht Nägel mit Köpfen

Obwohl die Mannschaft noch akut abstiegsgefährdet ist, verlängert der Verein den Vertrag mit Trainer Robert Nijdam bis zum Ende der Saison 2021/22. Nach drei erfolgreichen Monaten fiel die Entscheidung leicht.
02.03.2020, 20:00
Lesedauer: 3 Min
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Werder macht Nägel mit Köpfen
Von Jörg Niemeyer
Werder macht Nägel mit Köpfen

Ein erfolgreiches Team für den SV Werder (v.l.): Robert Nijdam, Patrice Giron, Sponsor-Vertreterin Katrin Detring-Pomplun, Hubertus Hess-Grunewald und Martin Lange.

Christina Kuhaupt

Seit knapp drei Monaten ist Robert Nijdam in Bremen. Von der Stadt hat der 48-Jährige bislang noch nicht viel gesehen. Seine Mission ist auch eine andere: Er will und er soll die Zweitliga-Handballerinnen des SV Werder zum Klassenerhalt führen, dafür wurde er im Dezember verpflichtet. Inzwischen ist klar, dass die Zeit des Niederländers bei Werder zum Saisonende nicht ablaufen wird. Egal ob 2. oder 3. Liga, wird er der Trainer bleiben. Das verkündeten die Klubverantwortlichen am Montag, und dabei wirkten sie ebenso glücklich wie der Trainer.

„Es gibt hier viel Potenzial, wir können viel erreichen – und ich möchte ein Teil davon sein“, sagt Robert Nijdam. Er hat in seiner bisherigen, kurzen Amtszeit nicht nur seine Vorgesetzten überzeugt, sondern mit der Mannschaft auch zu einer erfolgreichen Aufholjagd angesetzt. Als Nijdam im Dezember kam, hatte Werder aus elf Begegnungen drei Punkte geholt. In den vergangenen zehn Spielen holte das Team acht weitere Zähler, sodass der Rückstand zum rettenden 13. Tabellenplatz nur noch zwei Punkte beträgt.

Die in Punkten ablesbare Bilanz ist nur ein Kriterium, das zu dem Vertrag mit Laufzeit bis Ende der Spielzeit 2021/22 geführt hat. „Mit Robert ist das Feuer im Team neu entflammt“, sagt Werders Sportlicher Leiter Patrice Giron, „er hat es geschafft, dass die Spielerinnen ihren Spaß am Handball wiederentdeckt haben.“ Eine Wandlung, die dem Vereinspräsidenten Hubertus Hess-Grunewald nicht verborgen blieb. „Ich habe sofort gespürt, dass unter dem neuen Trainer eine andere Mannschaft spielte“, sagt Hubertus Hess-Grunewald. „Robert Nijdam ist ein Toptrainer, bei dem man nicht lange zögern darf, wenn man ihn weiterverpflichten kann.“ So schritt der Klub zur Tat – auch dank der Unterstützung des Sponsors Dachdecker Schmidt.

Werders Handball-Abteilungsleiter Martin Lange ist ebenfalls erleichtert. „Wir haben schnell gemerkt, dass es passt, aber am Anfang unserer Zusammenarbeit hatten wir andere Dinge zu erledigen als schon über den Sommer hinauszugucken.“ Erst einmal habe ja auch Robert Nijdam sehen müssen, ob er sich bei Werder wohlfühlt. „Ich fühle mich hier sehr wohl“, sagt er nun. Das liege gleichermaßen an der Mannschaft wie am Umfeld. Und alle Beteiligten haben nach der frühzeitigen Entscheidung in der Trainerfrage nun genügend Zeit, sich auf die kommende Spielzeit vorzubereiten.

Niemand im Werder-Lager ist so vermessen, vom Klassenerhalt auszugehen. „Es sieht inzwischen ganz gut aus, ist aber nach wie vor sehr eng“, sagt Nijdam. Das Team hat jedoch, zuletzt beim 31:29 gegen den HC Leipzig, bewiesen, dass es den Abstieg aus eigener Kraft verhindern kann. Das sah lange Zeit nicht so aus, hat sich seit Dezember aber entscheidend verändert. „Weil Robert viel härter trainiert“, sagt Patrice Giron. Der 48-Jährige habe es beispielsweise geschafft, dass die U 18-Nationalspielerin Naomi Conze inzwischen 60 Minuten durchspielen kann. „Das Manko war, dass die Spielerinnen nicht so fit waren, um an ihr Limit gehen zu können“, sagt Giron und kritisiert damit, ohne einen Namen zu nennen, indirekt Nijdams Vorgänger Dominic Buttig. „Der Trainerwechsel erfolgte zum richtigen Zeitpunkt“, sagt der Sportliche Leiter, „Robert hat ein starkes Fundament gebaut, und jetzt stehen die entscheidenden Spiele an.“

Aktuell ist die Mannschaft unter Nijdam auf einem guten Weg. Sie hat die Trainings- und Spielphilosophie des Niederländers offensichtlich schon verinnerlicht, außerdem ist das Selbstvertrauen deutlich größer als vor drei Monaten. Bis zum Saisonende gehe es jetzt darum, noch mehr Automatismen auf dem Spielfeld zu schaffen, sagt Robert Nijdam. Perspektivisch, also in den kommenden beiden Jahren und am liebsten natürlich in der 2. Bundesliga, möchte er seine Spielerinnen individuell voranbringen und als Team verbessern. Klar ist für ihn auch: Werders starke Jugend soll künftig mehr eingebunden sein.

Hubertus Hess-Grunewald bezeichnet Nijdam schon jetzt als „Glücksfall für uns“. Mit ihm an der Spitze macht die Vereinsführung tatsächlich deutlich, dass sie auch in schwierigen Zeiten – bei Werder steht und fällt nicht alles, aber sehr viel mit dem Abschneiden der Bundesliga-Fußballer – zu ihren anderen Abteilungen steht. Und Robert Nijdam die Chance gibt, Bremen endlich auch außerhalb der Sporthalle kennenzulernen.

Info

Zur Sache

Einst Nationalspieler, seit 2003 Trainer

Robert Nijdam bestritt während seiner Zeit als aktiver Handballer 152 Länderspiele für die Niederlande. Meistens agierte der Linkshänder als Rechtsaußen. In der deutschen Bundesliga spielte der heute 48-Jährige zwischen 1997 und 2002 für den OSC Rheinhausen, den TuS Nettelstedt und die SG Solingen. Seit 2003 arbeitet er als Vereins- und Nationaltrainer. Von 2014 bis 2018 war Nijdam verantwortlich für die niederländische Juniorinnen-Auswahl. Zur Saison 2018/19 übernahm er die Bundesliga-Handballerinnen von Bayer Leverkusen. Nachdem sich Bayer und Robert Nijdam im November 2019 getrennt hatten, unterschrieb der Niederländer im Dezember einen zunächst bis zum Saisonende befristeten Vertrag beim SV Werder.

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