Leichtathletik

Zu viel des Guten

Fabian Linne ist voller Kraft und Tempo in die Saison eingestiegen – jetzt plagt er sich mit muskulären Problemen herum.
22.06.2020, 16:15
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Zu viel des Guten
Von Olaf Dorow

Der Körper des Athleten will bisweilen nicht so, wie der Athlet das gerne hätte. Welcher Sportler könnte behaupten, so etwas noch nie erfahren zu haben? In Corona-Zeiten mit ihren verschobenen Trainings- und sehr lückenhaften Wettkampfkalendern ist das Problem nicht eben kleiner geworden. Auch Werder-Sprinter Fabian Linne, Bremens derzeit leistungsstärkster Leichtathlet, war am Wochenende, beim Sprinter-Meeting auf Platz 11, mit fast zweimonatiger Verspätung in eine Saison eingestiegen, über die auch in der Leichtathletik das Wort „Late Season“ kursiert. Das ging über 100 Meter sehr gut, über 200 Meter ging es nicht so gut. Über 100 Meter stieg er mit 10,74 Sekunden ganz nah an seiner Bestzeit ein, über 200 Meter, auf seiner Paradestrecke also, stieg er aus.

Linne berichtet, er sei gerade auf die Zielgerade eingebogen, als sich im oberen linken Oberschenkel die Muskulatur zusammenzog. Eine Ultraschall-Untersuchung habe am Montag ergeben: Es ist nichts gerissen, es hat sich aber etwas Flüssigkeit angesammelt an einer Stelle, an der das nicht so sein darf. Der Sprinter nimmt nun Tabletten dagegen, er hofft, dass er am Mittwoch wieder ins Kraft- und ab nächster Woche wieder ins normale Training zurückkehren kann.

So hat nun Fabian Linnes Sommersaison so begonnen, wie jende zuvor endete. Mit einem muskulären Problem. Damals hatte das zur kurzfristigen Absage des Starts bei der U 20-EM in Schweden geführt. Diesmal ist das betroffene das linke und nicht das rechte Bein. Diesmal spielt womöglich auch die Pandemie eine gewisse Rolle, von der im Vorjahr noch niemand etwas wissen konnte. Normalerweise gehe man schrittweise und in den Schritten quasi aufeinander aufbauend in eine Saison, sagt Linnes Trainer Andriy Wornat. Jetzt sei es quasi von null auf hundert geschehen. Vereinfacht gesagt, gehen die Schritte so: erst die richtige Technik, dann das richtige Tempo. Nun sei aber, zu diesem vergleichsweise sehr fortgeschrittenen Zeitpunkt des Jahres, die Kraft längst da, die Schnelligkeit auch schon, der Wille sowieso. Die Technik aber noch nicht. „Fabian ist sehr auf Frequenz gelaufen und technisch etwas unsauber“, sagt Andriy Wornat. Zu viel des guten Willens führt im Sport nicht automatisch zum Erfolg. Wornat greift zu einem Bild: Beim Hausbau müsse das Fundament stabil sein, sonst könnte es in den Etagen wackeln.

Ähnliches musste schließlich auch Fabian Linne selbst einräumen, der im August 20 Jahre alt wird. „Eigentlich“, sagt er, „habe ich mich bereit gefühlt. Aber vielleicht hatte ich zu viel Power.“ Aber immerhin: Humpelnd und schwer getroffen hat er die Anlage nicht verlassen. Zu wissen, dass ordentlich Power da ist, wenn der Startschuss fällt, wäre dann auch nicht die schlechteste Erfahrung, die ein Athlet machen kann.

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Zur Sache

Test-Wettkampf für Mareike Max

Die sogenannte Late Season in der Leichtathletik kommt allmählich ins Rollen. Auch wenn es von Bundesland zu Bundesland infolge der Corona-Beschränkungen unterschiedliche Hygieneauflagen für die Veranstaltungen gibt, werden immerhin Wettkämpfe angesetzt. Werders Sprungtrainer Roman Fricke will am Sonntag den Start von acht grün-weißen Athletinnen und Athleten beim einem Springer-Meeting in Lübeck betreuen. Dort sind Dreisprung- und Hochsprung-Wettbewerbe angesetzt. Bei dem Lübecker Meeting will laut Roman Fricke auch Werders Hochspringerin Mareike Max erstmals nach anderthalb Jahren wieder an den Start gehen und einen ersten Test-Wettkampf absolvieren.

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