Gute Aussichten für Mehrkämpferinnen

Werders Leichtathleten auf dem Weg zu Deutschen Meisterschaften

Werders Leichtathleten versuchen mit unterschiedlichem Erfolg, fit zu werden für die nationalen Titelkämpfe. Besonders vielversprechend sieht es derzeit bei zwei jungen Siebenkämpferinnen aus.
21.07.2020, 05:00
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Werders Leichtathleten auf dem Weg zu Deutschen Meisterschaften
Von Olaf Dorow
Werders Leichtathleten auf dem Weg zu Deutschen Meisterschaften

Die Werder-Mehrkämpferin Wiebke Oelgardt hat auf Platz 11 ein Siebenkampf mit deutlich mehr als 5000 Punkten hingelegt – ihr winkt die Qualifikation zur Deutschen U-20-Meisterschaft im Mehrkampf Ende August in Vaterstetten.

Frank Thomas Koch

Stillstand im Sport? Für die Leichtathletik, immerhin seit jeher die Kernsportart olympischer Spiele, kann das nicht mehr gelten, was aus Corona-Gründen für zahlreiche Sportarten noch immer gilt: kaum Wettkampfbetrieb. Es ist ordentlich Betrieb auf den Anlagen des Landes, auch wenn sich auch der Leichtathletik-Sommer 2020 sehr von jedem anderen Jahrgang unterscheidet. Die Werfer, Sprinter, Läufer präparieren sich für die Deutschen Meisterschaften am zweiten August-Wochenende in Braunschweig, auch in den Nachwuchs-Leistungsklassen soll es mit Verspätung zu nationalen Titelkämpfen kommen. Die Werder-Leichtathleten sind zuletzt an gleich mehreren Schauplätzen an den Start gegangen. Um sich in Form zu bringen, um sich für eine Meisterschaft zu qualifizieren, und sowieso, um sich zu steigern. In Wetzlar, in Delmenhorst, in Bremen. Ein Überblick, wie es gelaufen ist:

Die Mehrkämpferinnen

Um eine Möglichkeit zu geben, sich vor Ort für Meisterschaften qualifizieren zu können, hatte Werder auf Platz 11 ein Mehrkampf-Meeting angesetzt.Und nicht nur das Wetter spielte dann mit. Die Wahrscheinlichkeit, dass die beiden jungen Mehrkämpferinnen Wiebke Oelgardt, bald 19, und Hannah Fricke, gerade erst 14, bei Deutschen Meisterschaften starten werden, ist nach ihren Ergebnisse von Platz 11 sehr hoch. Beide erreichten im Siebenkampf eine Punktzahl, die sie noch nie erreicht hatten. Wiebke Oelgardt steigerte sich auf 5179 Punkte. Das sollte nach Aussage ihres Trainers Roman Fricke gut genug sein, um am Wochenende 22./23. August dabeizusein. Dann wird in Vatersteltten die Deutsche Meisterin der Altersklasse U 20 ermittelt. Hannah Fricke verbesserte sich auf 3715 Punkte, was im Vergleich zum Vorjahr einen ordentlichen Sprung darstellt. Hannah Fricke darf sich damit einstellen auf einen weiteren Siebenkampf, am letzten August-Wochenende in Halle an der Saale: deutsche Mehrkampf-Meisterschaften in der U 16.

„Endlich mal wieder ein verletzungsfreier Wettkampf, der richtig Spaß gemacht hat“, sagte Wiebke Oelgardt. An den beiden Tagen vor einer Prüfung im zweiten Semester Jura an der Bremer Uni hatte sie sich quasi auch dafür noch einmal eine Portion Schwung geholt. Sie stellte gleich mehrere persönliche Bestleistungen auf. Und wie das im richtigen Leben einer Mehrkämpferin so ist: Manchmal ging es haarscharf zu, dass noch ein gültiger Versuch herauskam, manchmal blieben Punkte hängen und wäre deutlich mehr drin gewesen, aber insgesamt kam etwas richtig Zufriedenstellendes heraus.

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Bestwert im Kugelstoßen und über 200 Meter. Erstmals über elf Meter weit gestoßen (11,20 Meter), erstmals unter 26 Sekunden gerannt (25,73 Sekunden). 5,81 Meter weit gesprungen und den Speer 44,68 Meter weit geworfen. Was in den beiden letzteren Disziplinen ausreichen könnte, noch bei einer zweiten deutschen Meisterschaftsveranstaltung starten zu dürfen. Jener in den Einzeldisziplinen der U 20, die am ersten September-Wochenende in Heilbronn abgehalten werden soll.

Welche Platzierung könnte beim Meisterschafts-Siebenkampf in Vaterstetten drin sein? Darüber zu spekulieren, lohnt sich nicht. Jedenfalls nicht aus Sicht von Wiebke Oelgardt. Das Teilnehmerfeld steht noch nicht fest, und überhaupt gilt für einen Wettkampf, der über zwei Tage geht, erst recht der alte Wettkampf-Spruch: Titelkampf ist Titelkampf, da zählt das Vorher nix. In jeder einzelnen Disziplin in einer Rutsche jeweils so dicht wie möglich an den jemals irgendwo erzielten Bestwert herankommen, oder gar darüber hinaus, das macht auch für die Bremer Jura-Studentin den Reiz aus. Sie freut sich sehr auf Vaterstetten und will zuvor noch bei einem Abendsportfest in Verden (Hürden und Speerwerfen) sowie am 1. August beim Einladungs- und Qualifikationssportfest des Bremer LT in Arsten die Form überprüfen.

Die Springerin

Monat für Monat, um nicht zu sagen: Jahr für Jahr musste von der Verletzungsmisere der Hochspringerin Mareike Max berichtet werden. Im Bericht über ihren Wettkampf von Delmenhorst kann darauf verzichtet werden. Es war der zweite nach der ewig langen Durststrecke mit Fußschmerzen und Fußoperationen. In der Reflexion über Delmenhorst ging es mehr um hochsprungspezifische Dinge, es ging um die Frage: Wie war's in der Luft? Statt: Wie ging's dem Fuß? In der Luft von Delmenhorst war es so, dass das Gefühl beim Einspringen über 1,70 Meter richtig gut war, wie die BWL-Studentin Mareike Max erzählt. Im Wettkampf gelang dann der erste Sprung über 1,68 Meter, die nächsten drei über 1,74 Meter gelangen nicht. Die nötige Höhe habe sie gehabt, das rechte Timing über der Latte aber nicht.

Die sogenannte Brücke, das Hohlkreuz über der Latte, kam nicht. Beziehungsweise: Sie kam nicht in jenen Millisekunden, in denen sie gebildet werden musste. „Ehrlich gesagt, habe ich nicht wirklich gespürt, was ich da tue“, gestand Mareike Max. Das Gefühl müsse sich erst noch einstellen. Die Gelegenheit dazu gibt es eventuell am 1. August in Arsten. Eventuell wird dort der Hochsprung noch ins Programm aufgenommen. Die Deutschen Meisterschaften kommen für Mareike Max noch zu früh. Die besten zehn Athletinnen einer Rangliste aus den Jahren 2019 und 2020 sind startberechtigt. Stichtag ist der 27. Juli, der kommende Montag. 1,68 Meter reichen dafür nicht. 2019 war Mareike Max, Bestleistung 1,85 Meter, verletzt.

Die Sprinter

Fabian Linne, Werders national erfolgreicher Leichtathlet der vergangenen Saison, muss es in diesem Sommer etwas gedämpfter angehen lassen. Was nicht nur an der Pandemie und ihren Folgen liegt. Er hatte sich zum Saisoneinstieg vor gut einem Monat eine Zerrung im Oberschenkel eingefangen. Folge: Trainingsausfall und Vorsicht bei den ganz schnellen Läufen. Mit einem Doppelstart in Delmenhorst und Bremen ist das knapp 20-jährige Sprinttalent, das im vergangenen Jahr eine Ausbildung bei Lürssen angefangen hat, in den Wettkampfmodus zurückgekehrt. Allerdings auf eine Art, die man bildhaft als angezogene Handbremse beschreiben könnte, wenn man seinem Trainer Andriy Wornat zuhört. „Er ist sehr kontrolliert gelaufen“, sagt der Trainer über seinen Athleten. In Delmenhorst waren das über seine Spezialstrecke 200 Meter bei starkem Gegenwind 22,03 Sekunden, tags darauf in einem Einladungsrennen auf Platz 11 dann 21,89 Sekunden. Nicht eben förderlich war dabei, dass Linne quasi ohne Konkurrenz gelaufen ist. Am kommenden Wochenende will er mit Blick auf Braunschweig in Zeven weiter Fahrt aufnehmen. Nach aktuellem Stand wäre er mit seiner Bestzeit von 21,04 Sekunden aus dem Vorjahr für die Meisterschaften qualifiziert. Über 100 Meter Hürden der U 20 schaffte auf Platz 11 auch Zoe Gercken mit 14,49 Sekunden den Zugang zur DM-Liste für die Nachwuchsmeisterschaften in Heilbronn.

In Wetzlar lief es unterdessen für die Sprinterin Sandra Dinkeldein nicht wie gewünscht. Sie war nach 11,87 Sekunden über 100 sowie 24,66 Sekunden über 200 Meter im Ziel und verfehlte – einer vielversprechenden Vorbereitung im Training zum Trotz – ihre Bestleistungen deutlich. Vielleicht habe das daran gelegen, mutmaßt ihr Trainer Andrei Fabrizius, dass sie anders als sonst gleich gegen starke Konkurrenz in die Saison einsteigen musste – und dadurch zu sehr verkrampfte. Ein ganz persönliches Corona-Ding sozusagen.

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