Schach

Virtuelle Meisterschaft: ja, reale Meisterschaft: vielleicht

Werder spielt erfolgreich in der Deutschen Schach-Online-Liga mit. Und begrüßt eine Initiative aus Baden-Württemberg für ein einwöchiges Bundesliga-Turnier.
03.07.2020, 12:44
Lesedauer: 2 Min
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Virtuelle Meisterschaft: ja, reale Meisterschaft: vielleicht
Von Olaf Dorow
Virtuelle Meisterschaft: ja, reale Meisterschaft: vielleicht

Dürfen sie sich doch noch in diesem Jahr an die Bretter setzen. Beim SV Werder hofft man, dass Ende September ein Bundesliga-Turnier in Baden-Württemberg zustande kommt.

Christina Kuhaupt

Wer wird Deutscher Meister 2020 im Schach? Die Bundesligisten hatten vor einigen Wochen getagt und beschlossen: erst mal gar keiner. Sie hatten die Sache wegen der Pandemie auf März 2021 verschoben. Das fand nicht überall uneingeschränkte Zustimmung. „Wer sagt uns denn, dass im März wieder alles gut ist?“, fragt zum Beispiel Werders Trainer Jonathan Carlstedt. Sollte man nicht auf die Jetzt-Zeit schauen, wo Covid-19 womöglich weniger wütet als vielleicht in einer zweiten Welle im Spätherbst?

Jedenfalls zählt Carlstedt zu denjenigen, die eine Initiative aus Baden-Württemberg begrüßen. Mit dem schach-affinen Großsponsor Grenke AG im Rücken wollen die Bundesligisten OSG Baden-Baden und SF Deizisau Ende September ein über eine Woche andauerndes Turnier ausrichten. Die nach Lingens Rückzug verbliebenen 15 Bundesligisten würden dabei die restlichen sieben Spieltage nachholen. In einer Rutsche sozusagen, es würde dann doch ein Deutscher Meister 2020 ermittelt werden können. Am kommenden Freitag wollen die Klubs, der Liga-Vorstand und der Deutsche Schach-Bund (DSB) in einer Online-Konferenz darüber abstimmen. „Ich bin vorsichtig optimistisch, dass eine Mehrheit zustande kommt“, sagt Carlstedt. Werder liegt derzeit in der Tabelle auf Rang sieben, mit einem Punkt Rückstand auf den fünften Platz. Rang fünf würde – sollte er ausgetragen werden – zur Teilnahme am Europacup berechtigen. Und bleibt weiterhin Bremens Saisonziel.

Eine Mehrheit für ein Meisterschaftsturnier im September ist laut Carlstedt deswegen vage, weil zu viele Vereine zu große organisatorische, finanzielle oder auch rein medizinisch begründete Bedenken haben könnten. Selbstverständlich stünde die Gesundheit der Spieler an erster Stelle, sagt der Werder-Trainer. Unabhängig von den gesetzlichen Auflagen würden, so sei es geplant, bei dem Turnier ausschließlich Spieler mit einem frischen Corona-Test an den Brettern sitzen dürfen.

So fraglich wie die Ermittlung eines realen Meisters ist, so wahrscheinlich ist die Titelvergabe für einen Online-Meister 2020. Und der könnte durchaus Werder Bremen heißen. Werder gehört zu den wenigen Bundesligisten, die an der vom Verband organisierten Deutschen Schach-Online-Liga (DSOL) teilnehmen, welche auf der Plattform „playchess.com“ läuft. Dabei spielen in acht Ligen mit jeweils vier Staffel insgesamt 246 Manschaften mit, die in einer Haupt- und anschließend K.o.-Runde den Sieger ermitteln. Werder ist gleich mit vier Teams vertreten, darunter zwei aus dem Nachwuchsbereich. Werder I hat in der ersten Liga am ersten Spieltag gewonnen und darf gespannt auf den nächsten Freitag schauen. Dann folgt das DSOL-Duell mit SK Herzogenaurach – und die Abstimmung über ein Bundesliga-Turnier.

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