Bremer Basketballteam

"Weser Baskets" haben ein großes Ziel

Bremen. Mit der kommenden Saison wird der Bremer Basketball nicht mehr das sein, was er einmal war. Kein erbitterter Kampf um die sportliche Vorherrschaft mehr. Stattdessen arbeiten die drei größten Bremer Klubs Hand in Hand. Mit einem großen Ziel.
30.05.2014, 16:30
Lesedauer: 4 Min
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Von Tobias Dohr

Mit der kommenden Saison wird der Bremer Basketball nicht mehr das sein, was er einmal war. Kein erbitterter Kampf um die sportliche Vorherrschaft in der Hansestadt. Kein rivalisierendes Ringen mehr um die größten Talente und die besten Trainer. Stattdessen arbeiten die drei größten Bremer Klubs Bremen 1860, Lesum Vegesack und die BTS Neustadt künftig Hand in Hand. Mit einem großen Ziel: Der Bundesliga-Basketball soll zurück nach Bremen kommen.

Die Sache mit den Oldenburgern hat Spuren hinterlassen. Als Erkan Sahbaz vor einigen Jahren mit seiner BTS Neustadt in die Basketball-Oberliga aufgestiegen war, und bei der zweiten Mannschaft des Oldenburger TB antrat, musste er sich spöttische Kommentare gefallen lassen. Sätze wie schmerzende Peitschenhiebe waren das: „Die haben uns damals ausgelacht, dass wir als so große Stadt keinen einzigen Regionalligisten hatten“, erinnert sich Sahbaz, ehe er hinzufügt: „Und das zu Recht.“

Damals, in der Saison 2011/2012, tummelten sich mit dem Vegesacker TV, TSV Lesum-Burgdamm, 1860 Bremen und der BTS Neustadt gleich vier Bremer Vereine in der sechsten Liga. Jeder kochte sein eigenes Süppchen, jeder hatte seine eigene Idee von der persönlichen Basketballzukunft. Zwei Teams waren eigentlich zu stark für die Oberliga, eines war gespickt mit talentierten Nachwuchskräften. Das letzte schließlich bestand aus Routiniers, die sich in der Oberliga genau richtig aufgehoben fühlten. Gemeinsam, dass war damals schon allen Beteiligten klar, würde man auf Anhieb eine regionalligataugliche Truppe auf die Beine stellen können.

Rivalitäten aus einer früheren Zeit

Dieser Gedanke ließ Sahbaz keine Ruhe mehr. Im Januar stellte er deshalb seinen Posten als Trainer bei der BTS Neustadt zur Verfügung, um sich voll und ganz seiner großen Vision zu widmen. Ein Team für Bremen wollte er formen, den Bremer Basketball mit all seinen Protagonisten auf und abseits des Platzes an einen Tisch bringen, um etwas zu realisieren, was zuvor noch niemandem gelungen war: Die großen Vereine endlich zu vereinen – um unter einer gemeinsamen Führung die Strukturen neu zu ordnen.

Vier Monate und unzählige Gesprächstermine später kann Sahbaz Vollzug melden. Er war erfolgreich. Die Vision hat sogar schon einen Namen: Die Bremen Weser Baskets sollen den Bundesliga-Basketball zurück in die Hansestadt bringen. Gemeinsam mit Kim Dauber (Bremen 1860), Malte Haedecke (Lesum/Vegesack) und Dejan Stojanovski (Basketballakademie Bremen Süd) hat Sahbaz mit seinem Neustädter Abteilungsleiter Olaf Wendler ein Konzept erarbeitet. Eines, in dem kein Raum mehr für Konkurrenzdenken ist.

„Das waren Rivalitäten aus einer früheren Zeit, mit der wir alle gar nichts mehr zu tun haben“, sagt Kim Dauber. Die 1860-Abteilungsleiterin und frisch gewählte Vize-Präsidentin des Bremer Basketballverbandes ging mit Malte Haedecke zur Schule, kennt Dejan Stojanovski schon aus frühesten Jugendauswahl-Zeiten. Auch deshalb rannte Sahbaz bei den meisten offene Türen ein und konnte am Ende auch diejenigen überzeugen, die der Idee zunächst kritisch gegenüber standen. „Niemand gibt etwas auf, jeder macht erst einmal genau so weiter wie bisher“, erläutert Dauber den Grundgedanken der Zusammenarbeit.

Alle vier Klubs sollen zukünftig von der U10 bis zur U18 durchgängig Jugendteams an den Start bringen, möglichst in der Landesliga. Im Erwachsenenbereich soll es zwei Bezirksoberliga-Teams geben, eines bei Lesum Vegesack (trainiert von Efrim Demir), eines bei Bremen 1860 (trainiert von Hardy Hinrichs). Hier sollen die jungen, ambitionierten Spieler aus der U18 integriert werden und sich für höhere Aufgaben empfehlen. Die zweite Formation von der BTS Neustadt, die gerade in die Oberliga aufgestiegen ist und künftig von Dejan Stojanovski gecoacht wird, stellt den Unterbau für die erste Mannschaft dar. Mittelfristig darf und soll dieses Team auch in die 2. Regionalliga aufsteigen, wo derzeit noch die BTS-Erste spielt. Diese Truppe wird künftig nicht mehr als Neustädter Team fungieren, sondern als Weser Baskets auflaufen. Es ist das Aushängeschild, ein Team für alle Bremer Basketballer, das irgendwann einmal in die ProB-Bundesliga aufsteigen soll.

Suche nach Sponsoren beginnt

Abgekoppelt von diesem leistungsbezogenen Konzept sind die Oberliga-Teams von Bremen 1860 und Lesum Vegesack, die künftig keine Regionalligaambitionen mehr hegen. Für die übernächste Spielzeit sollen dann möglichst noch ein NBBL- und JBBL-Team gemeldet werden. Es sollen Schul- und Sozialprojekte möglichst mit allen Bremer Vereinen durchgeführt sowie eine Grundschulliga etabliert werden.

Um all das personell und finanziell abbilden zu können, wird sich Sahbaz nun auf die intensive Suche nach Sponsoren machen. Von etwaigen Geldern sollen alle Kooperationsvereine gleichermaßen profitieren. „Es wird allerdings zwei bis drei Jahre dauern, bis das alles so ins Rollen kommt, wie wir uns das vorstellen“, sagt Sahbaz. Dazu gehöre auch die Suche nach einer passenden Halle, in der die Weser Baskets, die auch kommende Saison von Cai Kaiser trainiert werden, künftig spielen könnten.

Absolute Transparenz soll also zum Erfolgsgeheimnis der neuen Bremer Basketballwelt werden. Spieler und Trainer kennen den Aufbau der Teams sowie die gemeinsam vereinbarten Ziele. Die Kommunikationswege zu den anderen Mannschaften sind kurz, die Coaches stimmen sich untereinander regelmäßig ab und tauschen sich über Spielerentwicklungen aus – soweit die Theorie.

Bremer Derbys in der Oberliga oder Bezirksoberliga werden künftig jedoch eher vom freundschaftlichen Miteinander, denn von neidvoller Rivalität geprägt sein. „Im Prinzip gab es ja gar keine Alternative zu diesem Schritt“, fasst Kim Dauber zusammen. „Denn die besten Spieler hätten wir sonst sowieso verloren. Entweder an die BTS Neustadt oder an ambitionierte Klubs in Niedersachsen.“ Jetzt sollen diese Talente endlich in der Hansestadt bleiben - und spätestens dann dürfte sich das mit dem spöttischen Gelächter ein für alle Mal erledigt haben.

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