Die deutschen Hockey-Damen zeigen sich reif für Olympia und besiegen Südafrika 5:1 / Hillmann überzeugt Wie am Schnürchen

Das Viernationenturnier der Hockey-Damen hat gestern Abend in Bremen mit einem klaren Sieg für Deutschland begonnen. Das Team von Bundestrainer Michael Behrmann besiegte Südafrika 5:1 (3:0). Behrmann lobte anschließend auch die Leistung der jungen Kristina Hillmann, die beim Club zur Vahr groß wurde.
13.07.2012, 05:00
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Wie am Schnürchen
Von Olaf Dorow

Das Viernationenturnier der Hockey-Damen hat gestern Abend in Bremen mit einem klaren Sieg für Deutschland begonnen. Das Team von Bundestrainer Michael Behrmann besiegte Südafrika 5:1 (3:0). Behrmann lobte anschließend auch die Leistung der jungen Kristina Hillmann, die beim Club zur Vahr groß wurde.

Bremen. Am Anfang hakte es. Die deutsche Nationalhymne wollte nicht unfallfrei aus der Lautsprecher-Anlage heraus, sie hatte einen Wackelkontakt. Als dann das Auftaktspiel der deutschen Hockey-Nationalmannschaft der Damen auf dem Gelände des Clubs Vahr gegen Südafrika losging, hätte Deutschland beinahe gleich hinten gelegen. Die Südafrikanerinnen holten sofort eine kurze Ecke heraus, die in diesem Sport oft zum Tor führt. "Ich weiß auch nicht, was da los war", rätselte anschließend Rekordnationalspielerin Natascha Keller, "da waren wir alle ein bisschen schläfrig".

Auch dem Bundestrainer gefiel der Start überhaupt nicht. Michael Behrmann beanstandete hinterher die Körpersprache seiner Spielerinnen zu Beginn der Partie. Was nach ein paar Minuten folge, stimmte ihn hingegen sehr zufrieden. "Ganz ausgezeichnet", fand er es. Die deutschen Damen, die nach dem Olympiasieg 2004 und nach dem tränenreichen Platz vier 2008 von einer Medaille in London träumen, besiegten Südafrika 5:1. Bereits am Tag zuvor hatte Behrmanns Team in einem inoffiziellen Test Neuseeland mit 4:0 geschlagen.

"Wir haben ein System, in dem wir uns sehr wohl fühlen", sagte Keller, die in London ihre fünften Olympischen Spiele erleben, wird. Sie selbst beschrieb ihre Rolle als die einer offensiven Mittelfeldspielerin mit sehr vielen Freiräume. Das käme ihr sehr entgegen. Nach sechs Minuten war sie es, die den Torreigen gegen Südafrika eröffnete. Nur eine Minute später erhöhte Maike Stöckel auf 2:0. Von diesem Zeitpunkt lief es wie am Schnürchen für die deutschen Damen. Sie zeigten sich dem Gegner, dem sie wie auch Neuseeland in der Vorrundengruppe B in London wiederbegegnen werden, deutlich überlegen. "Wir haben als Mannschaft sehr gut funktioniert", lobte Behrmann.

Nach dem 4:0 durch Lisa Hahn (48. Minute) hätte sein Team "ein paar Sachen ausprobieren können". Behrmann prophezeite, dass es sich noch steigern würde. "Wir haben da noch ein paar Sachen im Köcher", sagte er. Das 3:0 ging auf das Konto von Katharina Otte (29. Minute). Deutschland spielte druckvoller, präziser und gefährlicher als Südafrika.

Dazu trug auch eine Spielerin bei, auf die viele der knapp 500 Zuschauer auf der Anlage an der Bürgermeister-Spitta-Allee ganz besonders gespannt waren: Kristina Hillmann, die hier groß geworden ist und bis 2008 für den Club zur Vahr spielte. "Ich muss zugeben, ich war nervöser als sonst", gestand sie hinterher. Vollständig ablegen konnte sie die Nervosität bis zum Abpfiff nicht, sonst hätte sie wohl getroffen bei einer Torchance kurz vor Schluss. "Mein Schuss darf nicht so ein Schieberchen sein", sagte sie.

Aber abgesehen davon hatte sie ein gutes Spiel gezeigt. Sie zeigte, dass der Bundestrainer zuvor nicht umsonst ihre Lauf- und Zweikampfstärke im Mittelfeld gelobt hatte. "Gerade zum Schluss hatte sie tolle Läufe", lobte Behrmann gestern, "sie lernt von Spiel zu Spiel dazu, da werden noch tolle Aktionen kommen von ihr." Hillmann bestätigte das mit dem schnellen Lernen. Am Vortag im Trainingstest gegen Neuseeland hätte sie sich noch nicht so viel getraut, noch nicht so viele Bälle gefordert wie gestern. Hillmann, mit 20 das Küken im deutschen Team, etabliert sich im zentralen Mittelfeld neben den Routiniers Fanny Rinne und Christina Schütze. Rinne hatte in der 63. Minute per Siebenmeter für das 5:0 gesorgt. Vorausgegangen war ein sehenswerter Steilpass von ihr selbst in den Strafraum des Gegners. Adressatin Janne Müller-Wieland konnte nur zu Lasten eines Strafstoßes gestoppt werden.

Die letzte Aktion des Spiels gehörte wie der Anfang dann noch einmal Südafrika. Pietie Coutzee erzielte den Ehrentreffer. Was Natascha Keller vielleicht nicht auf die Palme brachte, aber doch etwas ärgerte. "Wir hatten uns doch vorgenommen, hinten eine Festung zu sein", sagte sie. Aber bis London ist noch etwas Zeit, auch das zu werden.

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