Manager des Club zur Vahr

Wie der älteste Rummenigge-Bruder nach Bremen kam

Bremen. Etwas ältere Freunde des Fußballs im ostwestfälischen Lippstadt sind noch heute überzeugt: 'Eigentlich hatte Wolfgang das meiste Talent.' Wenn Wolfgang Rummenigge heute so etwas hört, grinst er erst, dann sagt er seine Standard-Antwort: 'Kalle war viel ehrgeiziger. Deswegen ist er auch ein Großer des Fußballs geworden. Dafür bin ich der beste Golfer in der Familie.'
07.07.2010, 14:47
Lesedauer: 3 Min
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Von Heinz Fricke
Wie der älteste Rummenigge-Bruder nach Bremen kam

Glücklich in Bremen: Wolfgang Rummenigge, der ältere Brude der Fußball-Stars Karl-Heinz und Michael.

FRANK THOMAS KOCH

Bremen. Etwas ältere Freunde des Fußballs im ostwestfälischen Lippstadt sind noch heute überzeugt: 'Eigentlich hatte Wolfgang das meiste Talent.' Wenn Wolfgang Rummenigge heute so etwas hört, grinst er erst, dann sagt er seine Standard-Antwort: 'Kalle war viel ehrgeiziger. Deswegen ist er auch ein Großer des Fußballs geworden. Dafür bin ich der beste Golfer in der Familie.'

Das ist allerdings nicht weiter schwer. Denn weder Karl-Heinz Rummenigge, heute Vorstandschef des FC Bayern München, noch Bruder Michael, der auch zwei Länderspiele auf dem Konto hat und inzwischen gutes Geld mit Fußball-Schulen verdient, haben es jemals als Golfer versucht. Während der älteste der drei fußballspielenden Rummenigge-Brüder, der heute 51-jährige Wolfgang, irgendwann seine Leidenschaft für das komplizierte Spiel mit dem ganz kleinen Ball entdeckte. Und auch deswegen seit gut drei Jahren Manager des Clubs zur Vahr in Bremen ist.

Der Weg bis ins Geschäftszimmer des Bremer Country-Clubs (Golf, Tennis, Hockey, Tontaubenschießen) an der Bürgermeister-Spitta-Allee verlief nicht unbedingt gradlinig. Doch er begann dort, wo alle Rummenigges ihre sportlichen Begabungen entdeckten - auf dem Fußballplatz. Genauer: Bei Borussia 08 Lippstadt, wo schon Vater Rummenigge gekickt hatte und seine Kinder, kaum dass sie geradeaus laufen konnten, auch anmeldete. Alle waren gut - das sprach sich schnell im Ostwestfälischen und später auch in der Bundesliga herum.

Beruf statt Fußball

'Ich war ein ziemlich schneller Linksaußen', erzählt Wolfgang Rummenigge. So stürmte er bald für den Zweitligisten DJK Gütersloh, wenngleich ohne Aussicht auf größere Gagen. 'So um die 500 Mark haben wir so im Monat bekommen', erinnert er sich. Doch immerhin: Auch auf den schnellen Wolfgang hatten die Bundesliga-Späher ein Auge geworfen, was zum Beispiel dazu führte, dass es Anfang der 70er-Jahre kurzfristig so aussah, als sollten gleich zwei Rummenigges in einer Mannschaft spielen. 'Max Merkel hat Karl-Heinz und mich bei 1860 München getestet und dann entschieden: Ich nehme beide', erzählt Wolfgang Rummenigge. Auch der 1. FC Köln (Trainer 'Tschik' Cajkovski) und Standard Lüttich waren damals interessiert. 'Aber ich sollte erst einmal als Amateur anfangen. Ich hatte jedoch schon einen guten Job als Industrie-Kaufmann, dem habe ich dann den Vorzug gegeben.'

So trennten sich die Wege der Rummenigge-Brüder, zumindest sportlich. Erst Karl-Heinz und dann auch Michael wurden Bayern-Profis. Doch die familiären Kontakte blieben eng, einige Jahre lang wurden sie auch geschäftlich: Wolfgang und Karl-Heinz eröffneten gemeinsam im heimischen Lippstadt ein Sportgeschäft, das Wolfgang einige Jahre später allein übernahm, als der 'kleine Bruder' Karl-Heinz 1984 für die damalige Rekordsumme von zehn Millionen Mark zu Inter Mailand zog und ein Weltstar des Fußballs wurde: 95 Länderspiele mit 42 Toren, Weltpokal, Champions League, Europameister- und deutsche Meisterschaft - es gab kaum etwas, das Karl-Heinz Rummenigge nicht gewann.

Golfturnier mit Boris Becker

Der große Bruder hatte derweil mit dem Golfspielen begonnen, zog in den Vorstand des Golfclubs Lippstadt ein und wurde 2003 - nach dem Verkauf des Sportgeschäfts - dessen Manager. Vorher hatte er auch noch einen Tennisklub gegründet, der jahrelang mit einem Turnier der Challenge Serie großen Sport bot. Rummenigge: '1984 hat bei uns noch Boris Becker gespielt.' Doch Golf wurde zum Hauptsport des einstigen Fußballtalents, was ihn letztlich nach Bremen führte. Als der Club zur Vahr 2006 einen neuen Manager suchte, empfahl ein 'Headhunter' den Lippstädter Golf-Manager Rummenigge. Seit dem 14. Februar 2007 stellt er nun die Weichen in der Vahr. Und findet, dass er in seinem Leben alles richtig gemacht hat, trotz der vielleicht verpassten Fußball-Karriere. 'Ich wollte im Sport immer etwas bewegen, das kann ich hier hervorragend', sagt der 51-Jährige. Die familiären Kontakte zu den Brüdern und deren Familien sind nach wie vor eng, seit über 30 Jahren ist

Wolfgang Rummenigge - als Ostwestfale eigentlich Schalke oder Dortmund verpflichtet - bekennender Bayern-Fan. Und freut sich, dass die sportlichen Begabungen der Familie offenbar weitergereicht wurden: Sohn Nicolas, 23 Jahre, ist Golf-Pro beim Nobel-Klub München-Eichenried.

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