Eishockey

Wie die neu formierten Fischtown Pinguins die DEL aufmischen wollen

Am heutigen Freitag starten die Fischtown Pinguins in ihre erste DEL-Saison. Auftaktgegner ist der Vize-Meister Grizzlys Wolfsburg. Die Euphorie vor dem ersten Spiel ist groß, sagt Pinguins-Trainer Thomas Popiesch.
16.09.2016, 00:00
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Wie die neu formierten Fischtown Pinguins die DEL aufmischen wollen
Von Marlo Mintel
Wie die neu formierten Fischtown Pinguins die DEL aufmischen wollen

Für die Fischtown Pinguins beginnt mit dem Spiel gegen die Grizzlys aus Wolfsburg eine neue Zeitrechnung. Es ist die erste DEL-Partie der Vereinsgeschichte.

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Am heutigen Freitag starten die Fischtown Pinguins in ihre erste DEL-Saison. Auftaktgegner ist der Vize-Meister Grizzlies Wolfsburg. Die Euphorie vor dem ersten Spiel ist groß, sagt Pinguins-Trainer Thomas Popiesch.

Noch sind die Plätze in der Eisarena verwaist. In der Heimstätte der Fischtown Pinguins herrscht trotzdem Leben – auf dem Eis. Thomas Popiesch, der Trainer, spricht. Er steht am Taktikbrett, es hängt auf Höhe des Mittelkreises, an der Plexiglasscheibe des Spielfeldes. Popiesch erklärt die Spielzüge auf Deutsch. Seine Spieler hören ihm zu, sitzen im Halbkreis. Dann ergreift Andrew McPherson, der älteste Spieler im Team, das Wort. 37 Jahre alt, seit 2012 ein Pinguin, Deutsch-Kanadier. McPherson übersetzt die Spielzüge ins Englische – für die ausländischen Spieler im Team. Die Mannschaft hat im Vergleich zur Vorsaison ein internationaleres Gesicht bekommen. Die Pinguins, die an diesem Freitagabend um 19.30 Uhr gegen Wolfsburg in ihr lang ersehntes DEL-Abenteuer starten, stehen vor der Herausforderung, die Zugänge sportlich sowie menschlich in den Verein zu integrieren.

Die Partie gegen Wolfsburg ist ausverkauft – kein Wunder. Erstmalig sind die Bremerhavener in ihrer Vereinsgeschichte in der höchsten deutschen Eishockey-Liga vertreten. Pinguins-Trainer Thomas Popiesch spürt die Euphorie rund um die Eisarena. Im Supermarkt oder auf der Straße werde er von den Fans angesprochen, sagt er. „Dass das ein historischer Tag sein wird, das wissen die Fans und die Spieler.”

Popiesch lässt Kapitänsfrage offen

Einer der erfahrensten Spieler ist Marian Dejdar. Seit zwölf Jahren geht der Außenstürmer für die Pinguins auf Torejagd. Er ist die Identifikationsfigur des Klubs. An diesem Freitagabend wird auch für ihn ein Traum wahr. „Das ist etwas ganz Besonderes für mich, mit dem Verein, mit dem ich so viel durchgemacht habe, die Möglichkeit zu bekommen, in der ersten Liga zu spielen”, sagt der langjährige Kapitän des Klubs. Ob Dejdar das Amt auch in der kommenden Saison ausübt wird, ließ Trainer Popiesch allerdings offen.

Dejdar ist einer von neun Spielern, die aus dem DEL2-Kader der vergangenen Saison noch übrig geblieben sind. Insgesamt 18 neue Spieler stehen im Pinguins-Kader. „Die Integration ging schnell”, sagt Dejdar. Innerhalb der Mannschaft existiert eine Whatsapp-Gruppe, über die sie miteinander kommuniziert. Außerdem absolvierten die Pinguine in der Saisonvorbereitung Testspiele in Dänemark und Nordirland: Bei diesen Reisen lernte man sich untereinander besser kennen. „Da rückt man näher zusammen. Wir haben auch Ausflüge gemacht. Der erste Stein ist gelegt, was das betrifft“, sagt Dejdar. Viele haben keinen deutschen Pass, was mit dem Ausländerkontigent in der DEL zusammenhängt. In der höchsten deutschen Spielklasse dürfen die Klubs elf Legionäre im Kader haben, von denen sie neun im Spiel einsetzen dürfen. In der DEL2 sind dagegen nur vier ausländische Spieler pro Klub erlaubt.

Ex-NHL-Profi Matt Moore ist Bremerhavens Königstransfer

Dementsprechend haben sich die Pinguins um Manager Alfred Prey auf dem Markt umgeschaut und vor allem nordamerikanische Spieler verpflichtet. So wie Jeremy Welsh und Matt Moore. Beide haben sich bereits in der nordamerikanischen Profi-Liga NHL bewiesen. Vor allem der Transfer von Matt Moore gilt bei vielen Pinguins-Fans als Königstransfer. „Wenn ich so etwas höre, fühle ich mich natürlich geehrt”, sagt der 31-jährige Kanadier, der sich als Stabilisator der Abwehr sieht.

Auch mit Kevin Lavallée haben die Pinguine einen erfahrenen Spieler hinzugewonnen. Der 34 Jahre alte Verteidiger hat eine lange DEL-Vergangenheit, er hat bei den Kölner Haien und dem EHC München gespielt, zuletzt für die Iserlohn Roosters. Er hat den Eindruck, dass „sich in Bremerhaven etwas bewegt”. Trainer Popiesch hält seinen neuen Schützling für einen „ganz wichtigen Baustein. Er ist ein robuster starker Verteidiger, der junge Spieler führen kann. Der denen auch sagen kann, was auf sie zukommt.” Das sieht auch Marian Dejdar so. „Für die jungen Spieler ist er sicherlich Ansprechpartner Nummer eins.”

Arbeiter-Eishockey bleibt der Spielstil

Mit den Verpflichtungen zeigt sich Popiesch zufrieden. „Wir haben eine höhere Qualität im Kader als letztes Jahr”, ist der Trainer überzeugt. An seiner Spielausrichtung hält er, der seit Januar im Amt ist, fest: „Zielstrebiges hartes Arbeiter-Eishockey.” Dafür stehe das Bremerhavener Eishockey weiterhin. Neu ist allerdings, dass Popiesch mehr Geschwindigkeit im Spiel seiner Mannschaft fordert. Das sei in der DEL auch nötig, glaubt er. „Dort ist das Spiel schneller. Man hat weniger Raum, weniger Zeit.“

Wie schnell das Spiel in der ersten Eishockey-Liga wirklich ist, erfahren die Fischtown Pinguins gegen die Grizzlys aus Wolfsburg, den Vizemeister der vergangenen Saison. Popiesch erhofft sich Emotionen und Leidenschaft seines Teams, und er hofft auf die Unterstützung der Zuschauer in der Bremerhavener Eisarena. „Alles muss passen”, sagt Popiesch. Er wünscht sich, dass die Fans noch in „fünf, sechs Jahren” an das Spiel denken und sagen: „Kannst du dich noch an das erste DEL-Spiel erinnern? Das ist geil gewesen.”

Kader der Fischtown Pinguins

Tor: Josef Lala, Jerry Kuhn, Jani Nieminen
Verteidigung: Dominik Tiffels, Kevin Lavallée, Steve Slaton, Steven Bär, Bronson Maschmeyer, Cody Lampl, Wade Bergmann, Gino Blank, Mike Moore, Atte Pentikäinen
Angriff: Cory Quirk, Marius Stöber, Jeremy Welsh, Brock Hooton, Marian Dejdar, Jason Bast, Jordan George, Sami Venäilänen, Jordan Owens, Tobias Kircher, Andrews McPherson, Jack Combs, Rob Bordson, David Zucker, Christoph Körner
„Hier in Bremerhaven bewegt sich etwas.” Kevin Lavallée
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