Acht Fragen, acht Antworten

Wie geht es im Bremer Amateurfußball weiter?

Im Bremer Amateurfußball gibt es derzeit nur eine Frage: Wie geht es mit der Saison 2019/20 weiter? Der WESER-KURIER beleuchtet die wichtigsten Fragen und gibt, soweit es möglich ist, auch die Antworten.
30.04.2020, 10:32
Lesedauer: 5 Min
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Von Mario Nagel
Wie geht es im Bremer Amateurfußball weiter?

Nichts geht derzeit im Amateur-Fußball in Deutschland.

Björn Hake

Welche Szenarien zur Fortsetzung der Saison gibt es?

Es gibt im Bremer Fußball-Verband (BFV) drei Szenarien, wie mit der aktuellen Saison umgegangen werden kann. Im ersten Szenario würde die Saison 2019/20 bis spätestens zum 15. Juli 2020, dem Start der Sommerferien, beendet werden. Das setzt aber voraus, dass die staatlichen Behörden den Spielbetrieb ab Mitte Mai freigeben. Sollte das erste Szenario aus terminlichen Gründen nicht mehr funktionieren können, gibt es zwei Alternativen: Die Saison wird abgebrochen oder eingefroren und zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt.


Wer entscheidet, wann und wie es mit der Saison weitergeht?

Wann der Spielbetrieb im Bremer Amateurfußball wieder aufgenommen werden kann, geben zunächst die staatlichen Behörden vor. Im Worst-Case-Szenario kann es daher auch passieren, dass im gesamten Kalenderjahr 2020 nicht mehr gespielt werden kann. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat verlauten lassen, den Spielbetrieb mit einer Vorlaufzeit von zwei Wochen wieder aufnehmen zu wollen. Dies hat auch der BFV erklärt. Die Entscheidung, welches Szenario zum Tragen kommt, ist also davon abhängig, wann die Saison fortgesetzt werden kann. Wird die Saison nicht bis zum 15. Juli 2020 beendet, müssten sich die Vereine und der Verband auf eine der beiden oben genannten Alternativen verständigen. Wird die Saison abgebrochen, müsste diese Entscheidung auf einem außerordentlichen Verbandstag getroffen werden. Wird die Saison eingefroren und später fortgesetzt, müssten die Regularien geändert werden.


Muss sich der Bremer Fußball-Verband an den Entscheidungen anderer Verbände orientieren?

Nein. Es gibt keine zentrale Vorgabe des DFB, wie die Landesverbände mit der Saison 2019/20 umzugehen haben. Während die Saison in Bayern eingefroren und zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt werden soll, ist der Westfälische Fußball-Verband für einen Abbruch. Es gilt aber als sinnvoll, dass zumindest in Bremen und in Niedersachsen dieselben Regularien gelten. Der Niedersächsische Fußballverband (NFV) hatte seinen Vereinen bereits einen Vorschlag gemacht, die Saison einzufrieren und später fortzusetzen, eine Entscheidung steht allerdings noch aus (siehe Meldung rechts).


Welches Szenario wird von den Bremer Vereinen favorisiert?

Im Gegensatz zum NFV hat sich der Bremer Fußball-Verband für einen anderen Fahrplan entschieden. Der BFV stellte den Vereinen die möglichen Szenarien in zwei Video-Konferenzen vor, will nun aber bis zum 30. April die weiteren Entscheidungen der staatlichen Behörden abwarten. In erneuten Video-Konferenzen soll dann mit den Vereinen das weitere Vorgehen besprochen werden. Besonders in den sozialen Medien wird über die Szenarien diskutiert, ein offizielles Meinungsbild der Vereine wie in Niedersachsen gibt es aber nicht.


Was geschieht bei einer so genannten „Bruchstelle“?

Bereits jetzt ist klar, dass es im Übergang der verschiedenen Ligen eine so genannte „Bruchstelle“ geben wird. Als solche wird der Fall bezeichnet, dass sich die Verbände bundesweit nicht auf ein Szenario einigen können. So könnte es zum Beispiel zu einer „Bruchstelle“ zwischen der Bremen-Liga und der Regionalliga Nord kommen, wenn der BFV die Saison ab September fortsetzt, der Norddeutsche Fußballverband (NFV) die Saison in der Regionalliga Nord jedoch abbricht und zum nächstmöglichen Zeitpunkt die neue Spielzeit beginnt. Eine „Bruchstelle“ könnte alternativ auch zwischen der Regionalliga (NFV) und der dritten Liga (DFB) oder der dritten Liga (DFB) und den beiden Bundesligen (DFL) auftreten.


Was geschieht mit der Kündigung meiner Vereinsmitgliedschaft?

Hat ein Spieler seine Vereinsmitgliedschaft unter Einhaltung der Fristen zum 30. Juni 2020 gekündigt, ist sie auch zum 30. Juni 2020 beendet. Um den Zeitpunkt eines Vereinsaustrittes nach hinten zu verschieben, kann der Verein, wenn es seine Satzung hergibt, aber eine so genannte Sonderkündigung einräumen. Hier sind jedoch noch juristische Fragen zu klären.


Was geschieht mit einem Spieler, der zu einem neuen Verein wechseln will?

Hat ein Spieler seine Vereinsmitgliedschaft zum 30. Juni 2020 beendet, erlischt die Spielberechtigung. Der Spieler kann nicht mehr für den Verein spielen, auch wenn die Saison verlängert wird. Das Spielrecht liegt weiterhin bei dem Verein. Tritt das Szenario ein, in dem die Saison eingefroren und zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt wird, würde der Bremer Fußball-Verband auch die Wechselperiode an das neue Saisonende anpassen. Der DFB änderte vor diesem Hintergrund den Paragrafen „Wechselfristen“ in seiner Spielordnung: „Normalerweise gilt, dass Amateure, die mindestens sechs Monate kein Spiel bestritten haben, den Verein ohne Zustimmung des abgebenden Klubs wechseln können. Zum Schutz der Vereine können die zuständigen Verbände nun festlegen, dass Zeiträume, in denen aufgrund der Corona-­Pandemie kein Spielbetrieb durchgeführt werden konnte, bei der Berechnung des Sechs-Monats-Zeitraums nicht berücksichtigt werden.“ Hat ein Spieler letztmals Anfang März für seinen alten Verein gespielt, braucht er in den ersten sechs Monaten nach der Wiederaufnahme des Spielbetriebs dessen Zustimmung für einen Vereinswechsel. Wird die Saison 2019/20 abgebrochen, tritt der geänderte Paragraf nicht in Kraft.


Wie wird die Saison im Jugendbereich fortgesetzt?

Wie im Seniorenbereich gibt es für die Junioren die drei bekannten Szenarien. Sollte die Saison eingefroren und später fortgesetzt werden, müssen die zuständigen Verbände jedoch zahlreiche Regularien ändern. Der DFB hat deshalb die Grundlagen gelegt und seine Jugendordnung in fünf Punkten geändert, um den Verbänden jedes Szenario zu ermöglichen.

Während der geänderte Paragraph „Wechselfristen“ dem des geänderten Paragraphen der DFB-Spielordnung entspricht, stellt sich bei den Junioren vor allem die Frage nach der Mannschaftszugehörigkeit. Ein Spieler des älteren Jahrgangs rückt im Normalfall nach dem 30. Juni 2020 in die nächste Altersklasse auf, im Fall der A-Junioren also in den Herren-Bereich. Wird die Saison erst nach dem 30. Juni 2020 beendet, wäre ein Spieler des älteren Jahrgangs aber nicht mehr für seine Mannschaft spielberechtigt.

Der DFB änderte daher seinen Paragraphen „Altersklassen“ in der Jugendordnung: „Juniorinnen und Junioren bleiben auch dann noch für ihre Altersklasse der Spielzeit 2019/2020 spielberechtigt, sollten Meisterschaftsspiele ihrer Mannschaft nach dem 30. Juni 2020 stattfinden. Für den jeweils ältesten spielberechtigten Jahrgang können die Landesverbände des DFB allerdings ein Datum festlegen, an dem das Spielrecht für die jeweilige Altersklasse verfällt.“ Soll die 2019/20 fortgesetzt werden, im Kalenderjahr 2020 aber kein Fußball mehr möglich sein, würde sich die Durchführung bis ins Jahr 2021 ziehen. Die Saison 2020/21 würde dann ersatzlos gestrichen werden. Das hätte jedoch zur Folge, dass dem derzeit jüngeren Jahrgang ein Jahr in ihrer Altersklasse geraubt wird. Wird die Saison 2019/20 abgebrochen, tritt der geänderte Paragraph nicht in Kraft und die Spieler des älteren Jahrgangs rücken wie üblich eine Altersklasse nach oben.

Weitere FAQ`s hat der Bremer Fußballverband unter https://www.bremerfv.de/verband/corona/ zusammengestellt.

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