Entscheidung am Dienstag

Vereinssport in Bremen: Abbruch der Saison in Aussicht

Die Entwicklung des Infektionsgeschehens führt in Bremen zur Frage, ob der Spielbetrieb in den Amateurligen unterbrochen werden soll. Am Dienstag soll eine Entscheidung im Bremer Fußball fallen.
27.10.2020, 05:00
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Vereinssport in Bremen: Abbruch der Saison in Aussicht
Von Olaf Dorow
Vereinssport in Bremen: Abbruch der Saison in Aussicht

Handball in Habenhausen: Wie lange noch, ist auch hier die aktuelle Fragestellung.

Frank Thomas Koch

An diesem Dienstagabend werden sie sich wieder alle vor den Rechner setzen und einloggen. Je nach beruflicher beziehungsweise auch nebenberuflicher Ausrichtung wird es für viele die x-te Videokonferenz werden. Gleich zwei Meeting-Runden soll es am Dienstag mithilfe der Online-Plattform GoToMeting geben. Eines mit den Vertretern der stadtbremischen Vereine, eines mit denen aus Bremen-Nord und Bremerhaven. Der Bremer Fußball-Verband (BFV) will auf diese Weise abklären, wie es weitergehen soll mit dem Bremer Fußball.

Abwarten oder abbrechen, das ist dabei praktisch die deutlich leichter zu formulierende als zu beantwortende Kernfrage für die Konferenz, zu der der Verband unter dem Titel „Spielbetrieb unter Corona-Bedingungen“ geladen hat. Soll der Spielbetrieb angesichts von steigenden Infektionszahlen und zunehmenden Quarantäne-Anordnungen oder -Risiken, so gut es eben geht, aufrechterhalten werden? Oder soll er unterbrochen werden, und wenn ja, wie lange?

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Der BFV ist nicht allein mit diesen Fragen, sie stellen sich im Grunde fast überall. Wer für einen Spielbetrieb verantwortlich zeichnet, kommt an ihnen nicht vorbei. Auf Landesebene nicht, auf regionaler oder nationaler: auch nicht. Die Zahlen und Strukturen sind unterschiedlich genug, um ein einheitliches und für alle gültiges Sport-Vergehen gegen das eine Virus vielleicht wünschenswert finden zu können – aber letztlich ausschließen zu müssen. Die Dynamik in den Entscheidungen ist enorm.

Erst am Sonntag hat zum Beispiel der Hamburger Fußball-Verband (HFV) beschlossen, den Punktspielbetrieb in seinem Hoheitsgebiet auf unbestimmte Zeit zu unterbrechen. Gründe seien „die aktuelle Entwicklung der Covid-19-Pandemie in Hamburg und die staatliche Verfügungslage im Kreis Pinneberg“, heißt es auf der HFV-Homepage. In Pinneberg sei verfügt worden, dass ab dem Montag dieser Woche nur noch maximal zehn Personen gemeinsam Sport treiben dürfen.

Pause zunächst für zwei Pflichtspieltage

Folgt Bremen dem Hamburger Beschluss? BFV-Präsident Björn Fecker hütet sich, einen Tag vor dem Meeting vorzupreschen. „Die Hamburger Entscheidung macht deutlich, dass wir nicht allein sind mit dem Problem“, sagt er. Am vergangenen Mittwoch hatte der BFV auf einer außerordentlichen Sitzung mit dem Verbandsbeirat festgelegt, zunächst mal für zwei Pflichtspieltage zu pausieren. Weder fanden noch am vergangenen Wochenende Liga-Spiele statt, noch wird an diesem Dienstag sowie am Mittwoch im Lotto-Pokal gespielt.

Zuvor waren etliche Kicker beziehungsweise mehrere Mannschaften gezwungen, in Quarantäne zu gehen. Und hatte sich der OSC Bremerhaven geweigert, zu einem Spiel ins Risikogebiet Bremen zu reisen, mit dem Fall beschäftigt sich seitdem die Sportgerichtsbarkeit. „Ich fände es gut, wenn wir jetzt mal circa vier Wochen Pause machen. Und dann schauen, wie hoch die Infektionszahlen sind“, hatte Christof Frankowski, Abteilungsleiter beim Bremen-Ligisten TuS Schwachhausen, zum WESER-KURIER gesagt.

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Die Suche nach dem richtigen Umgang mit der Pandemie beziehungsweise den Weg durch sie hindurch hält nicht nur im Fußball alle in Trab. In den gängigen Hallensportarten wie Handball, Volleyball oder Basketball, die sowie schon mit begrenzter Frischluft umgehen müssen, sieht die Situation in den verschiedenen Verbänden entsprechend verschieden aus. Einige, wie zum Beispiel der niedersächsische und der Bremer Hanball-Verband oder der für die Hamburger Volleyballer, setzen auf eine Art Freiwilligen-Modell. Die Formel heißt, vereinfacht formuliert: Wer nicht spielen will, braucht das nicht und muss keine Sanktionen fürchten. In anderen Verbänden gibt es noch keine Vorgabe, die über behördliche Auflagen hinausgehen würden – und wünschen sich Vereine, dass es konkretere Vorgaben seitens des Verbandes gibt.

Das Volleyball-Aushängeschild für Bremen

„Wir alle haben Jobs, Eltern, Großeltern oder Kinder“, sagt zum Beispiel Marcus Lentz, Trainer des Bremer Volleyball-Drittligisten TV Eiche Horn. Und alle hätten natürlich ihr Sportlerherz. Er wisse aber nicht, wie verantwortungsvoll es eigentlich sei, dass sein Team weiter durch die Republik tingele und dort in den Hallen antrete. Das müsste das Team, wie am kommenden Samstag im Risikogebiet Köln, aber tun, um keine Sanktionen zu riskieren. Die Damen-Mannschaft sei das Volleyball-Aushängeschild für Bremen und Eiche Horn. Da könne man sich nicht einfach von sich aus zurückziehen und so zumindest indirekt die eigene Sportart bis hin zur Nachwuchsarbeit beschädigen. „Stand jetzt“, sagt Lentz, „fahren wir also hin nach Köln.“ Dass man sich in Horn eine andere Richtlinie des Deutschen Volleyball-Verbandes wünscht, hatte das Team schon vor Tagen via Facebook kommuniziert. Und laut Marcus Lentz Zustimmung von anderen Vereinen bekommen.

„Wir können das Problem nicht zentral und einheitlich lösen“, sagt Mark Schober, Vorstandsvorsitzender beim Deutschen Handball-Bund. Dazu seien allein die Unterschiede von Region zu Region, von Altersklasse zu Altersklasse, von Spielklasse zu Spielklasse, von Professionalisierungsgrad zu Professionalisierungsgrad zu groß. Mannschaften wie der Bremer Drittligist ATSV Habenhausen, deren Spielbetrieb der DHB regelt und die Leistungshandball ohne Profi-Bedingungen versuchen, fühlen sich da gerade „wie im luftleeren Raum“, so drückt es der Trainer Matthias Ruckh aus. Auf die Gretchenfrage – Spielbetrieb abbrechen oder aufrechterhalten – sagt Mark Schober, aufrechterhalten wäre besser. Mit dem Zusatz: „So lange wie möglich“.

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