Martinsclub organisiert eigenes Cheerleader-Team für die Special Olympics

'Wir feuern unsere Sportler an'

Bremen. Bei den Special Olympics in Bremen werden die Athleten des Martinsclubs in der kommenden Woche von einem eigenen Cheerleader-Team angefeuert. Seit März wird trainiert, drei kurze Schlachtrufe und zwei Choreografien haben sie einstudiert.
12.06.2010, 10:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Arno Schupp

Bremen. Noch sitzt nicht jeder Schritt, aber noch ist auch Zeit zum Üben. 'Wir fangen an mit ,Schießt ein Tor!?', sagt Trainerin Jasmin Asendorf, stellt sich vor ihre kleine Mannschaft und lässt die Pompoms fliegen. Die 23-Jährige ist Trainerin des Cheerleader-Teams, das in der kommenden Woche bei den Special Olympics in Bremen die Athleten des Martinsclubs anfeuern wird.

Seit März trainiert die kleine Cheerleader-Gruppe bereits. Drei kurze Schlachtrufe und zwei Choreografien haben sie einstudiert. Es ist ein einfaches Programm, mehr ist in der Kürze der Zeit kaum umzusetzen, 'doch es macht unglaublichen Spaß', sagt Detlef Köglin. Er ist der Hahn im Korb der vierköpfigen Cheerleader-Gruppe, und die Rolle scheint ihm durchaus zu gefallen.

Vier Mitglieder - das ist nicht gerade ein großes Team, aber Cheerleading ist als Sportart und Kursangebot auch noch neu im Martinsclub. 'Und etwas Neues braucht bei uns immer eine Weile', sagt Jessica Volk, die im Martinsclub den Bereich Bildung und Freizeit leitet. 'Gerade am Anfang haben viele eine Hemmschwelle, etwas Neues auszuprobieren oder sich auf einen neuen Lehrer oder Trainer einzulassen', ist ihre Erfahrung. Und dann ist da noch der Begriff Cheerleading - ein Wort, mit dem ein großer Teil der geistig behinderten Martinsclub-Kunden erst einmal wenig anfangen kann. 'Deswegen haben wir im Programm dazu geschrieben ,Wir feuern unsere Sportler an?.'

Insgesamt 50 Athleten schickt der Martinsclub zu den Nationalen Spielen der Special Olympics, der größten Sportbewegung für Menschen mit geistiger Behinderung. Weltweit trainieren mehr als 2,8 Millionen Menschen in 180 Ländern im Rahmen der verschiedenen Trainingsprogramme. 4500 Sportler werden in Bremen erwartet, wo sie vom 14. bis 19. Juni in 17 Einzel- und Teamsportarten gegeneinander antreten. Außerdem gibt es drei Demonstrations-Wettbewerbe von Sportarten, die noch nicht in die Special Olympics aufgenommen worden sind.

Heute kommt das Feuer an

Der sportliche Reigen beginnt am Montag mit der großen Eröffnungsveranstaltung in der Bremen Arena, zu der annähernd 10000 Besucher erwartet werden. Einen kleinen Vorgeschmack auf die Nationalen Spiele gibt es allerdings schon am Sonnabend, wenn von 11.55 Uhr bis 12.30 Uhr die olympische Fackel in Bremen zu sehen ist, bevor sie von Bürgermeister Jens Böhrnsen in Empfang genommen wird. Der nächste öffentliche Programmpunkt ist dann am Sonntag, wenn die Sportler zum ersten Mal auftreten: Sie werden sich im Foyer der Bremen Arena bei der Willkommensveranstaltung 'Bremen begrüßt' präsentieren, zu der die Special Olympics von 17 bis 18.30 Uhr gemeinsam mit dem Landessportbund alle Aktiven, ihre Betreuer sowie alle Interessierten einladen. Während dieser Feier werden zudem Bremer Sportvereine ihr Repertoire bei Showeinlagen vorstellen.

Spannend wird es dann am Dienstag, wenn die einzelnen Wettbewerbe ausgetragen werden. Dann kommt es auf die Leistungen der 4500 Athleten an. In der Leichtathletik werden sich Sportler des Martinsclubs dem Vergleich stellen, im Fußball, beim Tischtennis, Schwimmen und Bowling. Keiner von ihnen musste lange gebeten werden, sich an den Special Olympics zu beteiligen, sagt Jessica Volk. Ganz im Gegenteil: 'Für unsere Sportler ist es völlig normal, bei Wettkämpfen dabei zu sein.'

Das trifft besonders auf die Martinsclub-Fußballer zu, die regelmäßig gegen Betriebsmannschaften spielen. Das gilt aber auch für das Schwimmteam, das sich im Herbst vorigen Jahres bei einem Vorentscheid in Rüdesheim für die Special Olympics qualifiziert hat. 'Dieses Team war es auch, das bei uns allen das olympische Fieber entfacht hat', sagt Jessica Volk.

Dass dieses Fieber auch den ganzen Wettkampf über anhält, dafür werden im Martinsclub die Cheerleader mit ihren Schlachtenrufen und Choreografien sorgen. Doch auch Sportler, die ohne derartige Team-Unterstützung auskommen müssen, werden bei den Special Olympics sicherlich sicherlich lautstark bejubelt - und das liegt zum Teil an der AOK. Die Krankenkasse hat gemeinsam mit dem Organisationsteam der Special Olympics das Projekt 'Be a fan' (Sei ein Fan) angeschoben. 'Bisher haben sich rund 1000 Schüler bei uns gemeldet, die an den Wettkampftagen die Sportler mit Plakaten, Transparenten und Jubel unterstützen werden', sagt Alexey Dietz, der bei der AOK das Fanprojekt koordiniert.

Die Idee hinter dem Fanprojekt ist, den geistig behinderten Sportlern so viel Publikum und Unterstützung wie möglich an die einzelnen Wettkampfstätten zu bringen. Nach Möglichkeit sollen sich Schülerinnen und Schüler zu Fan-Gruppen zusammenschließen und ordentlich für Stimmung sorgen. Die AOK stellt Fan-Utensilien wie die aus dem Fußball bekannten 'Bang Bangs', Rasseln, Fahnen und einiges mehr bereit, 'aber viel wichtiger ist, dass die Fangruppen selber kreativ werden, dass sie sich Gedanken machen', sagt Dietz.

Selbstgebastelte Banner aus Bettlaken schweben ihm beispielsweise vor, oder besondere Fan-Shirts, Schlachtenrufe oder Sprechchöre. Was auch immer sich die Fangruppen überlegen, es soll dokumentiert - mit Fotos, als Video oder in Form eines Tagebuches - und anschließend bei der AOK eingereicht werden. Eine Jury wird dann die besten Fan-Ideen prämieren.

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