Lotto-Pokal-Finale in Bremen Woltmershauser Fußball-Frauen jubeln doppelt

Bremen. Eine runde Sache zum Abschluss einer langen Fußballsaison: Rund 1100 Zuschauer sind dabei gewesen, als am Sonnabend im Stadion Obervieland die Bremer Lottopokalsieger ermittelt worden sind.
05.06.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Stefan Freye

Bremen. Wenn das mal keine runde Sache war zum Abschluss einer langen Fußballsaison: Rund 1100 Zuschauer waren dabei, als gestern im Stadion Obervieland die Bremer Lottopokalsieger ermittelt wurden. Zwei spannende Spiele gab es zu sehen, einmal - nach dem Elfmeterkrimi bei den Frauen - sogar einen Überraschungserfolg, und all das wurde von strahlendem Sonnenschein begleitet. Obwohl: Das war vielleicht eher ein Nachteil für den sportlichen Wert der beiden Endspiele. Es ist eben nicht so leicht, bei 28 Grad im Schatten zu höchster Form aufzulaufen.

"Die Hitze hat uns übel zugesetzt", meinte Jan de Boer - erschöpft und stellvertretend für die männlichen und weiblichen Kollegen. Er hatte mit dem Bremer SV zuvor wirklich alles versucht, um dem Favoriten FC Oberneuland ein Bein zu stellen. Auch wenn das Spiel von außen betrachtet phasenweise an den berühmten Sommerkick erinnerte. Mehr war nicht drin angesichts der Temperaturen. Beinahe hätte es ja auch gereicht. "So eng war es noch nie", war sich Jan de Boer sicher.

Heute wird er sich bestimmt freuen, dass man dem FCO eine Partie nahezu auf Augenhöhe geliefert hatte. Gestern gleich nach dem Spiel war "kompletter Frust" angesagt. Weil der BSV die Chance vergeben hatte, anstelle von Oberneuland den Cup zu holen und in die erste Runde des DFB-Pokals einzuziehen. Diese Möglichkeit hatte sich nach rund einer Stunde nämlich ergeben. Zu diesem Zeitpunkt führte der FCO mit 1:0 - nur mit 1:0, musste man sagen. Lediglich Mehmet Ali Fidan hatte getroffen, nachdem er von Rubic Ghasemi-Nobakht steil geschickt worden war (27.).

Ansonsten war der Regionalliga-Absteiger ziemlich großzügig mit seinen Chancen umgegangen und regelmäßig auch am starken Michael Mittmann im Tor des BSV gescheitert. Auf der FCO-Bank schwante Uwe Reinders zu diesem Zeitpunkt bereits Böses. Seinen Assistenten Dirk Lellek ließ der Trainer schon mal wissen, dass "die uns bestimmt gleich einen reinmurmeln". Genau so kam es: Dennis Spitzer profitierte von einem Missverständnis in der FCO-Abwehr und traf aus zehn Metern zum umjubelten Ausgleich (65.). Das Stichwort lautete danach: psychologischer Vorteil.

"Da habe ich tatsächlich daran geglaubt, dass wir es diesmal packen", bekannte de Boer nach dem Spiel. Im Anschluss an den Treffer zum 1:1 musste der BSV-Kapitän jedoch feststellen, dass man auch ein bisschen Glück braucht für eine Sensation. Sein Team hatte es nicht. Es wurde jedenfalls längst nicht jedem im neuen Stadion klar, warum Schiedsrichter Carsten Biewig eine Aktion zwischen Jan-Niklas Linde und Marin Mandic abpfiff und de Boer damit die Riesenchance zum 2:1 nahm (69.). Zudem strich ein 20-Meter-Schuss von Spitzer kurze Zeit später nur um Zentimeter am FCO-Gehäuse vorbei (72.). Es kam also, was kommen musste, und es war Johannes Ibelherr, der mit einer Energieleistung für die Entscheidung sorgte.

Nach einer Ecke befand sich der FCO-Kapitän sowieso gerade im Strafraum, also nahm er den Pass von Benjamin Titz auf und brachte den Ball aus zehn Metern irgendwie im Tor des Gegners unter. Danach ging nicht mehr viel, was angesichts dieses Sommertages auch niemanden wunderte. "Wir müssen mit drei, vier Toren führen und kassieren stattdessen das 1:1", meinte Uwe Reinders zu einem für ihn "unnötig spannenden" Finale.

Dramatisches Frauen-Endspiel

Da hätte Reinders erst mal das Duell der Frauen erleben müssen. Dort war es zuvor lange Zeit ähnlich verlaufen. Der spielerisch und körperlich überlegene ATS Buntentor besaß genug Chancen, um die Partie zu entscheiden. Aber er verpasste den verdienten Führungstreffer. Der gelang den engagierten Spielerinnen des TS Woltmershausen durch eine schöne Einzelleistung von Agnes Stania (49.). Es sprach für die Moral des Favoriten, dass er zurückkam in dieses Spiel. Der Kopfball durch Alexandra Karpe überraschte die gesamte TSW-Abwehr inklusive Torfrau Sonja Kreidel und senkte sich als Heber zum 1:1 ins Tor (51.).

Der schnelle Ausgleich schien auf ein Powerplay des ATS hinzudeuten. Schließlich hatte die Offensive um die starke Katrin Wege zuvor schon reichlich Druck entwickelt. Doch mit dem Tor hatten sich auch die Kräfte der Teams erschöpft, und so mussten die Schüsse aus elf Metern entscheiden. Es sollte eine denkwürdige Veranstaltung werden - die Erfindung eines Elfmeterschießens, das in die Verlängerung geht. Denn bereits nach dem sechsten Elfmeter, beim Stand von 2:0 für den TSW, brach der Jubel aus. Über das Stadionmikrofon wurde Pusdorf bereits als Pokalsieger verkündet, und die Offiziellen des Verbandes machten sich auf zur Siegerehrung. Verfrüht, wie sich schnell herausstellte. Schließlich bestand zu diesem Zeitpunkt noch die Chance zum Ausgleich für Buntentor. Alles zurück auf Null. Erst nachdem zwei weitere Kickerinnen angetreten waren, durfte gejubelt werden.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+