Schach

Zäsur am Brett

Werders Schach-Team stellt sich neu auf. Hat neue Spieler verpflichtet – und sucht per Stellenausschreibung einen neuen Trainer. So wie vor sieben Jahren, als Matthias Krallmann kam.
15.08.2019, 15:45
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Zäsur am Brett
Von Olaf Dorow
Zäsur am Brett

Er soll eines der größten holländischen Talente am Schachbrett sein: Lucas van Foreest. Der 18-Jährige verstärkt zur neuen Saison Werders Bundesliga-Team.

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Bremen. Der Arbeitgeber hat, sagen wir mal: einen guten Namen. Die Stelle ist eine hauptamtliche. Also sollte da was kommen. Als Werder das letzte Mal auf seiner Homepage eine Stelle als Schachtrainer ausgeschrieben hatte, trafen immerhin 17 Bewerbungen ein. Drei Bewerber, so erzählt es der Abteilungsvorsitzende Oliver Höpfner, lud man schließlich nach Bremen ein. Darunter sei auch ein Trainer aus Österreich gewesen. 2012 war das gewesen, man entschied sich schließlich nicht für den Mann aus den Alpen, sondern für Matthias Krallmann aus Nordrhein-Westfalen.

Matthias Krallmann hat Werder verlassen, auf eigenen Wunsch. Der 56-Jährige will in seiner Heimat wieder als Lehrer arbeiten. Höpfner sagt: „Das ist schon eine gewisse Zäsur, die jetzt ansteht.“ Zur Zäsur gehören, grob gesagt, ein neuer Trainer plus neue Spieler plus eine neue Ausrichtung. Das sportliche Ziel bleibt das alte. Werder will in der Bundesliga unter die ersten Fünf, damit wäre das Team für den Europacup qualifiziert. Ein ambitioniertes Ziel: In der Summe der sogenannten Elo-Zahlen, die die nominelle Spielstärke eines Schachspielers beziffern, liegt Bremen unter den aktuellen Bundesligisten auf Rang sechs. In der vergangenen Saison wurde Werder am Ende auch Sechster und hatte damit das Europacup-Ziel knapp verfehlt.

Zum Spielerkader gehört zur neuen Saison anstelle des Moskauer Schnellschach-Weltmeisters Daniil Dubov die Nummer eins Israels, Tamir Nabaty. Dubov war zuletzt auch noch Sekundant im Tross des Weltmeisters Magnus Carlsen, er wurde quasi Teil des Hochadels am Brett. Da würden dann Bundesliga-Spiele vergleichsweise ziemlich klein, sagt Höpfner. Dubov bleibe zwar Werder-Mitglied, weswegen eine Irgendwann-mal-Rückkehr ins grün-weiße Bundesligateam derzeit nicht ausgeschlossen werden kann. Aber vorläufig ist er eben kein Mitglied des Teams.

Das ist ab sofort Lucas van Foreest aus den Niederlanden. Er soll den Kaderplatz einnehmen, der durch den Abgang des Finnen Tomi Nybäck frei wurde. Van Foreest, 18 Jahre jung, gilt laut Höpfner als eines der größten holländischen Talente. Und ist um 16 Jahre jünger als Nybäck. Wohl mehr als nur zufällig ist das so, Werders Team verjüngt sich. Es sei, sagt Höpfner, eines der Ziele (und auch Thema in den Vorstellungsgesprächen für den Trainerjob), dass junge Leute im Verein gefördert werden und sich weiterentwickeln können. Am besten noch junge Leute aus der Region, die nach und nach zu Stammspielern in der Bundesliga reifen sollen. So wie Spartak Grigorian und Nikolas Wachinger, die Anfang Oktober bei der Jugend-WM in Mumbai antreten wollen. Ein weiterer (junger) Neuer, der aus dem Bremer Umland kommt, ist Jari Reuker. Er hatte zuletzt das Jahr zwischen Abi und Studium als Schachlehrer in Taiwan verbracht.

Möglichst bis Anfang November soll der neue Coach gefunden sein. Und für das erste Bundesliga-Wochenende Ende November muss noch ein Ausweichquartier gefunden werden. Im Weserstadion ginge das leider nicht, sagt Höpfner. Fußball, Schalke-Spiel. Werders Schach-Abteilung ist quasi auf mehreren Ebenen auf der Suche.

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