Auffällige Einsätze in der Bremen-Liga

Zweifelhafte Wettgeschäfte

Bremen. Spielsucht ist ein großes Problem im Amateurfußball. In der Bremen-Liga werden laut einer Untersuchung hohe Beträge auch auf Spiele der eigenen Mannschaft gesetzt. Der DFB hat das in einem Verhaltenskodex geächtet.
21.06.2013, 05:00
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Zweifelhafte Wettgeschäfte
Von Olaf Dorow
Zweifelhafte Wettgeschäfte

52,4 Prozent der befragten Vereinsmitglieder haben angegeben, regelmäßig auf Sportereignisse zu wetten.

dpa

Bremen. Spielsucht ist ein großes Problem im Amateurfußball. Zu diesem Ergebnis kommt der Bremer Sucht-Experte Gerhard Meyer in einer neuen Untersuchung. In Bremens höchster Amateurklasse, der Bremen-Liga, würden hohe Beträge auch auf Spiele der eigenen Mannschaft gesetzt. Der DFB hat das in einem Verhaltenskodex geächtet. Meyer sieht "die Integrität des Sports" in Gefahr.

In einer neuen Untersuchung hat sich der Bremer Sucht-Forscher Gerhard Meyer mit Sportwetten im Amateurfußball beschäftigt. Er sollte herausfinden, ob in Sportvereinen überproportional gewettet wird. Mitglieder von 22 Vereinen aus Bremen und Kiel wurden für die Studie befragt. 52,4 Prozent gaben an, regelmäßig auf Sportereignisse zu wetten. Bei 8,8 Prozent diagnostizierten die Forscher ein so genanntes "problematisches oder pathologisches Spielverhalten". Im Schnitt der Bevölkerung soll dieser Anteil lediglich bei einem Prozent liegen.

Auch in der Bremen-Liga wird fleißig gespielt, und zwar im doppelten Sinn. Die Amateurfußballer in Bremens höchster Spielkasse wetten gern und häufig, auch in der eigenen Liga, auch auf Ergebnisse ihres eigenen Vereins. Zu dieser Einschätzung kommt Psychologe Gerhard Meyer: "Es ist ein offenes Geheimnis, dass Spieler in der Bremen-Liga auch auf eigene Spiele setzen, das haben mir Spieler und Trainer mehrfach berichtet."

Konkret nennt er die Partie des FC Oberneuland gegen VfL 07 im Juni 2012. Völlig überraschend siegte drei Spieltage vor Saisonschluss der klare Außenseiter beim hohen Favoriten aus Oberneuland mit 2:1. Der VfL konnte wieder auf den Klassenerhalt hoffen, der FCO musste die Meisterfeier verschieben. Die Quote für einen VfL-Sieg lag beim Wettanbieter "tipico.de" bei 9,5:1. Der Anbieter habe die Annahmen irgendwann stoppen müssen, berichtet Meyer. Zu viel sei bereits gesetzt worden. "Das ging damals ’rum in der Bremer Szene", sagt Meyer.

Ein Trainer aus der Bremen-Liga, der namentlich nicht genannt werden möchte, berichtet im Gespräch mit dieser Zeitung von einem Anruf, der ihn vor einigen Wochen aus Österreich erreichte. Auch dort sitzen Kontroll-Agenturen, die im Rahmen eines Frühwarnsystems von den Fußball-Verbänden und Wettanbietern installiert wurden. Der Kontrolleur nannte dem Trainer ein konkretes Spiel seiner Mannschaft in der Bremen-Liga. Sie hatte es verloren. Aktive Spieler sowie Personen aus dem Umfeld von Aktiven hätten Beträge im vierstelligen Bereich auf den Spielausgang gesetzt.

Dem Trainer war nach eigenem Bekunden nichts aufgefallen. Er hatte eine engagierte Leistung seiner Mannschaft gesehen. Sie war durch Verletzungen erheblich geschwächt, mit einer Niederlage musste gerechnet werden. Der Anruf habe ihn "umgehauen", wie er sagt. Der Kontrolleur habe von einer Art Insiderwissen gesprochen, was die Zahl der Verletzten beim Favoriten anbelangte.

Der DFB hatte vor einiger Zeit seinen Aktiven einen Verhaltenskodex vorgegeben. Er sieht unter anderem vor, dass Spieler nicht auf eigene Spiele oder Spiele im Wettbewerb, in dem sie stehen, wetten sollen. "Es ist doch illusorisch, das über einen Verhaltenskodex zu regeln", sagt Meyer. Er fordert einen Verbot von Plattformen wie Tipico im schwer kontrollierbaren Amateurbereich. Für ihn steht nicht weniger auf dem Spiel als die "Integrität des Sports".

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