Asbest und Legionellen

Sportanlagen der Uni Bremen könnten jederzeit geschlossen werden

Die Sportanlagen der Universität Bremen sind in schlechtem Zustand. 15,7 Millionen Euro sind für die Sanierung eingeplant, doch das reicht nicht aus.
08.04.2019, 17:09
Lesedauer: 3 Min
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Sportanlagen der Uni Bremen könnten jederzeit geschlossen werden
Von Pascal Faltermann

Erhebliche Schäden am Gebäude, statische Probleme oder eine hohe Schadstoffbelastung – die Mängelliste für die Sportanlagen der Universität Bremen ist lang. Unter den Fliesen oder in den technischen Anlagen befindet sich Asbestund auch die Legionellenproblematik in den Wasserleitungen ist laut einem internen Bericht von Martin Mehrtens, Kanzler der Universität, nur mit „unverhältnismäßig hohem Aufwand“ in den Griff zu bekommen.

Der Zustand der Sportanlagen und -hallen ist so desolat, dass eine Schließung droht. Im Wissenschaftsplan 2025 sind bislang 15,7 Millionen Euro für die Sanierung eingeplant. Doch das reicht nicht. „Es gibt eine sehr grobe Kostenschätzung für die Grundsanierung der Sportanlagen und des Sportturms mit rund 28 Millionen Euro“, sagt Uni-Kanzler Martin Mehrtens. Bremer Politiker sehen Handlungsbedarf und fordern ein konkretes Sanierungskonzept.

Keine akute Gefährdung durch hohe Schadstoffbelastung

Der Bürgerschaftsabgeordnete Mustafa Öztürk (Grüne) hatte für den Wissenschaftsausschuss der Bremischen Bürgerschaft den schriftlichen Bericht, der dem WESER-KURIER und Radio Bremen vorliegt, angefordert. Im Papier ist von einem „hygienisch bedenklichen“ oder „unzureichenden“ Zustand der Sanitär- und Lüftungsanlagen die Rede. In den Hallen bestehe Unfallgefahr für Sportler, beispielsweise durch einen unkontrollierten Einbruch des Schwingungsbodens oder durch eine teilweise Ablösung des PVC-Bodens. Unzureichender Wärmeschutz oder zahlreiche Defizite beim Brandschutz kommen hinzu.

Eine akute Gefährdung durch die „hohe Schadstoffbelastung im Baukörper“ bestehe zurzeit laut Kanzler Mehrtens nicht. Asbestsei in der Spachtelmasse unterhalb der Fliesen und in Anlagendichtungen festgestellt worden. Handlungsbedarf würde es erst bei einer Reparatur beziehungsweise Sanierung der Anlagen geben. Also dann, wenn der Asbestfreigesetzt wird. Die Sport-, Turn- und Gymnastikhallen, Rasen-, Tennis- und Kunststoffplätze sowie die Bäder seien derzeit ohne Einschränkung nutzbar, sagt Mehrtens.

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Das bestätigt auch Christina Selzer, Sprecherin des Wissenschafts- und Gesundheitsressorts. Seitdem bei den Überprüfungen der Gebäude der Universität erhöhte Werte bei den Sportstätten festgestellt wurden, werde regelmäßig gemessen. „Es sind aber keine Überschreitungen der Schadstoffgrenzwerte gemessen worden. Daher besteht keine akute Gefährdung“, so Selzer. Neben Angeboten des Universitätssports sind in den Sportanlagen auch zahlreiche Vereine und Schulklassen vertreten.

„Die Sanierungsmaßnahmen sind in den kommenden Jahren zügig umzusetzen, um weiterhin eine uneingeschränkte Nutzung der Sportanlagen zu sichern und Ausfallrisiken zu minimieren“, sagt Mehrtens. Einen konkreten Sanierungsplan für den Sportturm und den dazugehörigen Anlagen gebe es noch nicht. Dafür müssten zunächst baufachliche Gutachten erstellt werden, die den Sanierungsbedarf im Detail feststellen und geeignete Maßnahmen zur Sanierung vorschlagen, so Mehrtens.

"Herausfordernde Aufgabe" für die Verantwortlichen

Einen solchen konkreten Plan fordert der Grüne Öztürk ein. „Wir müssen vor allem die Asbest- und Legionellenproblematik ernst nehmen und sehr schnell überprüfen lassen“, so der sportpolitische Sprecher der Grünen. Der Sportturm sei dringend kernsanierungsbedürftig, wofür sicherlich weitere Gelder benötig werden. Für Schüler und Vereine könnte die ganze Situation der Super-Gau sein, eine Schließung von Hallen könne zu einer „Kapazitäten-Katastrophe“ führen. So hingen acht Schulen an den Unisporthallen, allein die Oberschule Ronzelenstraße in Horn mit 100 Stunden. Stadtteilpolitiker aus Horn-Lehe hatten zuletzt häufiger gewarnt, dass der örtlichen Schul- und Vereinssport bedroht werde, wenn die Uni-Sportstätten mittelfristig ausfallen.

Arno Gottschalk (SPD) verweist zudem auf die noch ausstehende Entscheidung für die Wiederaufnahme des Sportpädagogik-Studiums an der Uni. „Wir müssen zuerst klären, wann der Studiengang kommt“, sagt er. Dann solle man zügig sehen, was dafür an Hallen und Plätzen gebraucht werde. Gegebenenfalls müsse man dann Finanzmittel, die erst ab 2028 eingeplant sind, vorziehen. Damit verbunden sei auch, eine Lösung für die Vereine und Schulen zu finden. Gottschalk sieht eine „herausfordernde Aufgabe“ auf die Verantwortlichen zukommen.

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