Galopprennbahn Vahr

Sportflächen dringend erwünscht

Der Regionalausschuss Galopprenbbahn diskutierte die Zwischenergebnisse der Fachgutachten und schaltet eine Rechtsberatung ein. Besonders zusätzliche Sportflächen werden gewünscht.
27.09.2018, 05:31
Lesedauer: 4 Min
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Sportflächen dringend erwünscht
Von Christian Hasemann
Sportflächen dringend erwünscht

Was passiert mit der Tribüne auf der Galopprennbahn? Noch werden Ideen gesucht.

Petra Stubbe

Ein Wunsch zeichnete sich bei der Diskussion des Regionalausschuss Galopprennbahn der Beiräte Vahr und Hemelingen besonders ab: zusätzliche Sportflächen für die Stadtteile. Untermauert wurde dieser Wunsch mit einem Beschluss, eine Rechtsberatung zum Sportförderungsgesetz einzuschalten. Das Gesetz – eigentlich „Gesetz zur Förderung des Sportes im Lande Bremen“ – sieht Ausgleichsmaßnahmen vor, wenn Sportstätten zum Beispiel durch Baumaßnahmen wegfallen.

Konkret findet sich dieser Passus im fünften Paragrafen des Gesetzes. Dort heißt es: „Die Inanspruchnahme von Sportanlagen für andere Zwecke ist nur zulässig, wenn Ersatzanlagen bereitgestellt werden.“ Ob es sich bei der Rennbahn und der Golfanlage um „Sportstätten“ im Sinne des Gesetzes handelt, darüber herrscht Uneinigkeit. Das Sportressort sah das bisher nicht so, die Beiräte Hemelingen und Vahr hingegen schon.“

Baustellen gibt es genug

Sie wünschen sich für ihre Stadtteile Ausgleichsflächen für Sport in oder mindestens in der Nähe ihrer Stadtteile. „Gibt es eine Möglichkeit dort Sportplätze einzubauen? Oder die Möglichkeit für eine große Turnhalle? Das ist aus unserer Sicht eine ganz wichtige Frage“, fasste Bernd Siegel (SPD), Beiratssprecher Vahr, den Wunsch nach mehr Sportmöglichkeiten zusammen. Die Antwort von Stadtplaner Ronald Risch, Senator für Bau und Umwelt, war eher ausweichend: „Diese Frage muss man diskutieren. Ausschließen möchte ich das nicht.“

Diskutieren, darum wird es in den kommenden Wochen und Monaten gehen. Baustellen jedenfalls gibt es genug, die die Planer zu bearbeiten haben. Die Zwischenergebnisse der Fachgutachten zu Bodenverhältnissen, Ökologie und Hydrologie jedenfalls deuten für die eigentliche Bebauung auf eher unproblematisches Bauland hin. „Es gibt deutlich weniger Weichböden als gedacht“, sagte Jürgen Opielka von der Wirtschaftsförderung Bremen (WfB).

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Es müsse nicht mit Pfahlgründungen gearbeitet werden, sondern es reiche eine ganz normale Baugründung. Auch die Ökologie der Rennbahn steht einem Bauvorhaben nicht im Wege, so jedenfalls das Zwischengutachten. Zwar gebe es in der nordöstlichen Ecke, dort wo schon jetzt ein Baumbestand steht, einige streng geschützte Arten. Diese würden aber von einem Bauvorhaben auf der von Scherrasen dominierten restlichen Fläche nicht berührt, fasste Jürgen Opielka auf Nachfrage zusammen.

Während die Fachgutachten also eher zu einem positiven Ergebnis kommen, ist derzeit noch unklar, was mit der Tribüne der Galopprennbahn geschehen soll. Auf den vergangenen Runden der Bürgerbeteiligung hatte sich herauskristallisiert, dass eine Mehrzahl der Bürger und auch viele Beiratsmitglieder sich einen Erhalt und Umnutzung der hölzernen Konstruktion wünschen.

Viel Platz ist vorhanden

Konkrete Ideen gibt es für die Tribüne noch nicht und die Aussagen von Maya Fischer vom Planungsbüro Baumgart und Partner können auch dahingehend interpretiert werden, dass dies eher schwer und viel Einfallsreichtum erfordern wird. „Die Bühne kommt nur dann zur Geltung, wenn auf der Gegenseite der nötige Raum ist.“ Sprich: Eine engere Bebauung in dem Bereich der Bühne würde den Platz, den die Tribüne braucht, zustellen. „Wir brauchen ein tragfähiges Konzept für die Bühne und das muss wirtschaftlich sein, nicht das am Ende wieder subventioniert werden muss, das kennen wir auf dem Gelände ja schon“, forderte Bernd Siegel.

Viel Platz ist auf der fast 30 Hektar großen Fläche vorhanden, aber ob alle Wünsche berücksichtigt werden können, ist fraglich. Zum einen lautet die Zielmarke 1000 Wohneinheiten. Indes wollte sich Dirk Kühling von der Wirtschaftsförderung Bremen darauf nicht festlegen. „Das muss der Planungsprozess zeigen, es können auch 250 Wohnungen weniger oder 250 Wohnungen mehr sein.“

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Zum anderen soll ein Drittel der Fläche als Grünfläche erhalten bleiben, ein Grundstück wird vorläufig für einen Schulbau reserviert, dann müssen außerdem genügend Wasserrückhalte­becken auf dem Gelände entstehen, denn der Grundwasserspiegel ist hoch und der Mittelkampsfleet, der das Gelände entwässert, kann kein zusätzliches Wasser aufnehmen, das heißt alles Wasser muss auf dem Gelände versickern. Dazu kommt noch der Wunsch nach einer Sportstätte. Für die Planer eine nicht eben leichte Aufgabe.

Auf die besondere Bedeutung der Fläche für die Stadtentwicklung wies Dirk Kühling hin. „Wir haben hier die Möglichkeit, Dinge zu entwickeln, die woanders nicht möglich sind.“ Eines der wichtigsten Kriterium ist, dass das Grundstück in öffentlicher Hand ist. „Wir haben die Möglichkeit, selbstständig und schnell zu verfahren.“

Kein zusätzlicher großer Supermarkt

Der Wirtschaftsförderer gab einen kleinen Fingerzeig, in welche Richtung die Vermarktung eines Teils der Grundstücksflächen gehen könnte. Angesprochen auf eine mögliche Vergabe der Grundstücke in Erbpacht und der Sicherung des Bestandes von Sozialwohnungen, die nach einer bestimmten Zeit aus der Mietpreisbindung rausfallen, sagte er: „Wir arbeiten im Hafen mit Erbpacht, das ist dort üblich und wir müssen schauen, was wir für die Rennbahn für Instrumente entwickeln.“

Gar nicht zur Sprache kam an diesem Abend das viel erwartete Verkehrsgutachten. Anwohner befürchten durch eine Bebauung zusätzliche Belastungen durch Autoverkehr. Voraussichtlich Ende des Jahres soll das Gutachten vorliegen und damit auch erste Ideen, wie die Verkehrsströme geordnet werden können.

Einen zusätzlichen großen Supermarkt wird es auf dem Rennbahngelände nicht geben. „Der Bedarf ist eigentlich mit der Berliner Freiheit und dem Real-Markt gedeckt“, sagte Dirk Kühling. Es stelle sich eher die Frage, ob eine Ladenstruktur notwendig für die Entwicklung des Quartiers sei. Ronald Risch ergänzte: „Wir hätten gerne eine Kleinladenstruktur, wie zum Beispiel Bäcker.“ Dafür könnte die Stadt aber nur die Rahmenbedingungen schaffen. „Wir können es nicht erzwingen.“

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