Schatzmeister der SAV wird zum Rücktritt gedrängt / Vorsitzender will noch ein Jahr dranhängen Sportgemeinschaft in Unfrieden

Weil er eigenmächtig Stromverträge für die Hallen der 2000 Mitglieder starken Sportgemeinschaft Aumund-Vegesack (SAV) abgeschlossen hat, musste der Vereins-Kassenwart, der SPD-Ortsvereinschef Björn Wehrs, jetzt seinen Hut nehmen. Der Vorstand zwang ihn während der Jahreshauptversammlung am Montagabend zum Rücktritt. Wehrs selbst sieht sich als Bauernopfer der geplatzten Fusion seines Vereins mit dem Vegesacker Turnverein.
16.05.2012, 05:00
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Sportgemeinschaft in Unfrieden
Von Patricia Brandt

Weil er eigenmächtig Stromverträge für die Hallen der 2000 Mitglieder starken Sportgemeinschaft Aumund-Vegesack (SAV) abgeschlossen hat, musste der Vereins-Kassenwart, der SPD-Ortsvereinschef Björn Wehrs, jetzt seinen Hut nehmen. Der Vorstand zwang ihn während der Jahreshauptversammlung am Montagabend zum Rücktritt. Wehrs selbst sieht sich als Bauernopfer der geplatzten Fusion seines Vereins mit dem Vegesacker Turnverein.

Vegesack. Fast 100 SAV-Mitglieder erscheinen in der Strandlust. Es werden die Sportler des Jahres mit Urkunden geehrt und Nadeln für jahrzehntelange Treue zum Verein verteilt. Die Stromverträge des Björn Wehrs stehen nicht auf der Tagesordnung. Dass Ärger droht, wissen an dem Abend nur Eingeweihte. Unter Tagesordnungspunkt sieben der Jahresversammlung steht die Wahl des ersten Rechnungsführers. "Eine Neuwahl muss es nicht geben, weil ich nicht zurückgetreten bin", sagt Wehrs noch zu Beginn des Abends. Später wird er doch zurücktreten. Der Druck ist einfach zu groß.

Der Vereinsvorsitzende Volker Beringer hat die Zwistigkeiten eigentlich unter dem Deckel halten wollen. Sagt er. Er hatte Wehrs im Vorfeld schriftlich aufgefordert, möglichst noch vor der Sitzung freiwillig zurückzutreten. Doch dies tat Wehrs nicht. "Wir haben uns deshalb entschlossen, den ersten Rechnungsführer freizustellen", erläutert Beringer der Versammlung. "Der geschäftsführende Vorstand ist nicht gewillt, weiterzumachen, wenn der Rechnungsführer weitermacht."

Gründe nennt Beringer nicht, droht Wehrs aber vor den Mitgliedern damit, an diesem Abend gewisse Papiere offenzulegen. Der Vorstand wirft Wehrs nach Informationen dieser Zeitung vor, ohne Rücksprache neue Stromverträge abgeschlossen zu haben. Damit soll er das Vertrauensverhältnis im Vorstand verletzt haben. Zumal mit den neuen Verträgen eine Provision für Wehrs fällig geworden wäre.

Björn Wehrs bestätigt am Rande der Veranstaltung, diese Verträge abgeschlossen zu haben. Die Verträge hätten den Verein zwar monatlich fünf Euro mehr gekostet, räumt er ein – "aber dafür wäre uns Preisstabilität bis 2014 garantiert worden. Ich hatte zudem noch vier Wochen Rücktrittsgarantie." Die zugesagte Provision habe er für Weißrussland spenden wollen. "Ich wollte ein Zeichen setzen", betont Wehrs. In Anlehnung an ein Sportprojekt mit Jugendlichen aus Minsk, das er 2004 mit Beringer für die SAV organisiert hatte.

Björn Wehrs zeigt sich enttäuscht. Er hätte sich gewünscht, dass der Rechtsausschuss des Vereins die Sache überprüft: "Ich bin widerrechtlich als Schatzmeister entfernt worden." Er empfindet seinen erzwungenen Rücktritt als Retourkutsche Beringers für seine Kritik an der Fusion. Der Vereinschef sei im Verein isoliert gewesen, nachdem bekannt geworden ist, dass aus der Fusion mit dem Vegesacker Turnverein nichts werden würde. Wehrs will auch am Versammlungsabend etwas zur Fusion vortragen. Doch er wird zurückgepfiffen. Vereinsfreund Alfred Buggel redet ihm übers Mikro ins Gewissen: "Björn – wir haben eineinhalb Stunden zusammengesessen. Du hattest uns versprochen, dass du dich auf der Jahreshauptversammlung zurückhältst."

Der Vorstand um Vereinschef Volker Beringer hat noch 70 Prozent aller Mitglieder hinter sich. Das zeigt sich, als an dem Abend die Vertrauensfrage gestellt wird. Der Vorstand wird auf Antrag von Wehrs in geheimer Abstimmung entlastet. Beringer kommt selbst ebenfalls kurz auf die Fusion zu sprechen. "Es war einen Versuch Wert", sagt er. "Deswegen aufgeben tue ich aber nicht", kündigt er nach dem Scheitern seiner Pläne an. Ein Jahr werde er als Vorsitzender noch "dranhängen", meint Beringer, dann soll der SAV ein Nachfolger präsentiert werden. Ein Ersatz für Wehrs findet sich während der dreistündigen Versammlung nicht. Den Posten will augenscheinlich niemand haben. Und auch andere Funktionen bleiben unbesetzt.

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