Hood-Training in Vegesack

Sportprojekt mit Hindernissen

Das Bauressort geht davon aus, dass ein Fitnesspark für Kinder und Jugendliche im Innenhof der Grohner Düne gebaut wird. Die Eigentümerin der Wohnblöcke spricht aber noch von ungeklärten Fragen.
27.08.2018, 17:45
Lesedauer: 4 Min
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Von Sylvia Wörmke

Grohn. Auf dem Gelände der Sportgemeinschaft Aumund-Vegesack (SAV) in der Nähe des Bahnhofs sollte – wie berichtet – eine sogenannte Hood-Anlage entstehen. Eine Art Fitnesspark, um Jugendlichen ein niedrigschwelliges Sport- und Freizeitangebot zu machen. Im Frühjahr 2018 ging es nur noch um organisatorische Fragen. Nun scheint das Projekt aber wieder in der Schwebe zu hängen. Als Standort ist jetzt allerdings die Grohner Düne im Gespräch.

Alles schien im Februar eingetütet zu sein. Der Standort war abgesprochen. Die Stiftung „Aktion Hilfe für Kinder“ wollte sich als Betreiberin der Anlage mit ihren Trainern um Kinder und Jugendliche kümmern. Städtebaumittel sollten bewilligt werden. Es ging nur noch um organisatorische Fragen. Nun ist dieser Plan aufgegeben worden. Inzwischen soll die Anlage im Innenhof der Grohner Düne entstehen. Die Stadt sei sich einig mit Grand City Property (GCP) heißt es aus dem Bauressort. Die Eigentümerin des Wohnkomplexes weiß aber gar nichts von einer Entscheidung.

Die Idee für das Jugendprojekt steht im Integrierten Entwicklungskonzept des Senats für Grohn. Darin heißt es unter der Überschrift „Dünen-Unterstützung“, dass es Bedarf für Sport- und Bewegungsangebote auch „deutlich außerhalb der Grohner Düne“ gibt. Konkret wird vorgeschlagen, eine offene Kleinspielstätte für Jugendliche ohne Vereinsbindung auf dem Sportplatz nördlich des Vege­sacker Bahnhofs durch die SAV zu prüfen. Auch ein Street-Work-out-Park der Hood Training Initiative sei in Prüfung.

Im Frühjahr dieses Jahres konkretisierten sich diese Ideen. SAV-Vorstand und die Behörden einigten sich auf eine Hood-Anlage auf dem Vereinsgelände. Die Stiftung „Aktion Hilfe für Kinder“ bestätigte, dass sie das Training in die Hand nehme, das aus Sport und einem pädagogischen Konzept besteht. Hood ist die Verkürzung des englischen „Neigh­bourhood“, also Nachbarschaft. Über den Sport an speziellen Geräten sollen junge Menschen dazu gebracht werden, soziale Kompetenzen zu erlangen, sich an Regeln zu halten und Gewalt abzulehnen. Das Konzept ist als Beitrag zur Gewaltprävention anerkannt.

Doch offenkundig haben sich im Hintergrund Probleme aufgetürmt. Zu einer unüberwindbaren Hürde. Es ging um Zuständigkeiten, um die Trägerschaft, um das Aufstellen der Geräte, um Haftpflicht, um Wartung, Instandhaltung und irgendwann einmal Abbau der Hood-Anlage. „Es ist kein böser Wille“, begründet Bernd Schneider die Ablehnung. Er ist Sprecher von Anja Stahmann (Grüne), Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport. „Es kostet Geld, die Geräte in Ordnung zu halten und für Wartung und Versicherungen.“

Das Sportressort stelle nur das Gelände zur Verfügung, nichts weiter. Auch andere Ressorts winkten beim Thema „Bedarfsträgerschaft“ ab. Das Vorhaben wurde darum gestrichen. Es war – so der Stand vor einigen Wochen – schlichtweg versandet. Das erfuhr der stellvertretende SAV-Vorsitzende Wilhelm Asmus vor gut vier Wochen nur nebenbei, weil er sich bei der Liegenschaftsverwaltung Immobilien Bremen nach dem Stand der Dinge erkundigen wollte. „Wir wurden aber noch nicht offiziell informiert.“

Inzwischen wird Plan B ausgelotet und damit keimt neue Hoffnung auf. Demnach „läuft alles“, so lautet jedenfalls die Auskunft von Arne Sünnemann, Leiter der Regional- und Stadtentwicklung im Bauressort. Gemeinsam mit Dorothea Haubold, Referatsleiterin für Städtebauförderung, zeigt er sich sehr erfreut über die Entwicklung. „Wir sind heilfroh, dass es geklappt hat“, sagt er über Plan B.

Konkret sieht der wie folgt aus: Die Hood-Anlage soll nun in den Innenhof der Grohner Düne. „GCP bekommt die Städtebaumittel und kann dann bauen“, sagt die Referatsleiterin. Der Antrag auf Städtebauförderung sei konkret besprochen worden und man sei sich einig. Den Vorteil dieser Lösung schildert sie auch: „Es werden keine konkreten Träger benötigt, weil die Flächen privat sind.“ Um neue Dinge auf die Schiene zu bringen, brauche es länger, um alles zu klären, begründet Dorothea Haubold das lange Prozedere und den Kurswechsel.

Auch bei der Stiftung „Aktion für Kinder“ gibt diese Informationen den aktuellen Stand wieder. Pressesprecherin Hanna Focken „weiß zwar noch nicht, wann gebaut wird“, rechnet aber mit Eröffnung der Anlage Ende des Jahres. Sie kann sogar schon konkrete Angaben darüber machen, wie und wann das Training ablaufen soll, über das Konzept berichten und erzählt: „Die Eröffnungsfeier wird schon geplant.“

Doch wieder könnten Probleme auftauchen. Denn mit Grand City Property sind die neuen Pläne offenkundig noch nicht abgestimmt. Nach intensiver Überprüfung bei Verantwortlichen im Konzern sagt Sprecherin ­Katrin Petersen: „Es gibt keine Entscheidungen und keine Zusagen.“ Der aktuelle Stand sei, dass die Stadt angefragt habe, ob es Möglichkeiten gebe, den Plan in der Düne umzusetzen. Es gebe keine fundierte schriftliche Projektbeschreibung, keinerlei Informationen über Betreiber, Laufzeit, gar nichts.

Dem Konzern sei lediglich das Blankoformular für den Antrag auf Städtebauförderung zugeschickt worden. „Auf dieser Basis kann man keine Entscheidungen treffen, „sagt ­Petersen, „wir können doch nicht einfach so fix einen Förderantrag unterschreiben.“ Die Frage sei auch, ob die Hood-Anlage im Innenhof der Grohner Düne überhaupt Sinn mache, schon wegen der möglichen Geräuschkulisse für die Mieter. Dort gebe es ja auch noch den Spielplatz. Sie fasst zusammen: „Es ist noch viel zu viel ungeklärt.“

Info

Zur Sache

Konzept für die Hood-Anlage

Die Stiftung „Aktion Hilfe für Kinder“ möchte laut Sprecherin Hanna Focken das Hood-Training mit zwei Trainern dreimal in der Woche ­anbieten. Es handelt sich um ein „niedrigschwelliges Sportangebot unter professioneller Anleitung“. Man arbeitet mit „Trendsportarten“, um die Zielgruppen, Kinder ab sechs Jahren und Jugendliche, zu erreichen. Die Trainerinnen und Trainer seien zugleich Sporttrainer und Pädagogen oder man kooperiere mit Streetworkern. Die Aus- und Fortbildungsprogramme erfolgen beim Paritätischen Bildungswerk. Hood-Anlagen gibt es bereits in Tenever und Gröpelingen. Wenn über den Sport ein Vertrauensverhältnis entstanden sei, setze die Pädagogik ein. Bei dem Angebot handelt es sich um offene Jugendarbeit, um Kinder und Jugendliche von der Straße zu holen, Respekt vor anderen Menschen und Regeln und Alternativen zur Gewalt als Konfliktlösung zu vermitteln.

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