Schulische Integration in Schwanewede Sprachlernklassen für Flüchtlingskinder geplant

Die Einrichtung von Sprachlernklassen soll Flüchtlingskindern in Schwanewede bei der Integration helfen. Geplant sind solche Klassen an der Deienkamp-Schule und Heideschule. Es gibt dabei aber auch Probleme.
17.12.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Gabriela Keller

Die Einrichtung von Sprachlernklassen soll Flüchtlingskindern in Schwanewede bei der Integration helfen. Geplant sind solche Klassen an der Deienkamp-Schule und Heideschule. Es gibt dabei aber auch Probleme.

215 Flüchtlinge hat die Gemeinde Schwanewede in diesem Jahr neu aufgenommen. Mit weiteren 250 Asylbewerbern rechnet die Kommune für das erste Halbjahr 2016. Auch einige Flüchtlinge aus der Notunterkunft in der ehemaligen Lützow-Kaserne werden dauerhaft in Schwanewede bleiben. Viele der Zugewanderten sind Familien. Ihre Kinder werden Schulen in der Gemeinde besuchen. Auf die Bildungsstätten kommt damit eine große Aufgabe zu: Sie müssen Kinder integrieren, die kein Wort Deutsch verstehen. Die Einrichtung von Sprachlernklassen soll helfen. Manche Schule sieht sich dabei mit Problemen konfrontiert.

Schulleiter Rolf Tigges spricht von einer „riesigen Herausforderung“. Kinder aus Asylbewerber-Familien, die schon länger in Schwanewede zu Hause sind, gehören an der Dreienkamp-Schule längst zum Alltag. „Jetzt aber bekommen wir vermehrt Kinder aus Flüchtlingsfamilien ohne jeglichen deutschsprachigen Hintergrund.“ Die ersten sind bereits da. „Zur Zeit haben wir zehn Kinder.“ Die Schule will deshalb eine Sprachlernklasse für Flüchtlinge einrichten. In einem Vorkurs sollen die neuen ausländischen Mitschüler Deutsch lernen.

„Die Kinder sind von Beginn an einer Stammklasse zugeordnet. Unser Konzept sieht vor, dass sie anfangs täglich vier Stunden in der Sprachlernklasse zusammen sind und allmählich in ihre neuen Klassen reinrutschen.“ Über Fächer wie Musik, Sport und Kunst sollen die Flüchtlingskinder einen ersten Zugang zu ihren deutschen Klassenkameraden finden. Die Lehrkraft der Sprachlernklasse werde in Zusammenarbeit mit den Klassenlehrern individuelle Förderpläne aufstellen. Für die Vorbereitungsklasse erhält die Schule laut Tigges 23 Lehrerstunden. Die Lehrkraft soll nicht nur die Schüler unterrichten. Das Konzept der Schule bezieht auch die Eltern mit ein. Hausbesuche sind vorgesehen. Für den Deutschunterricht der Flüchtlingskinder möchte die Dreienkamp-Schule die Räumlichkeiten des ehemaligen Kindergartens in ihrem Gebäude nutzen.

„Wir haben von der Schulbehörde die mündliche Zusage, dass wir die Sprachlernklasse zum 1. Februar 2016 einrichten können“, so der Schulleiter. Ob das Wunschprojekt zu dem Zeitpunkt tatsächlich umgesetzt werden kann, ist laut Tigges indes noch ungewiss. „Es gibt noch einige offene Fragen.“ Mindestens zehn Kinder seien erforderlich, um eine Sprachlernklasse einrichten zu können. Diese Voraussetzung kann die Schule derzeit zwar erfüllen. Ob das in zwei Monaten auch noch der Fall sein wird, kann Tigges nicht sagen.

Das Problem: „Unsere Flüchtlingskinder kommen überwiegend aus Balkanstaaten, die als sichere Herkunftsländer gelten. Für ihre Familien gibt es keine Bleibeperspektive.“ Der Asylantrag für die meisten Familien sei bereits abgelehnt worden, weiß der Schulleiter. Sie könnten jederzeit in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden.

Ein weiteres Problem laut Tigges: Flüchtlingskinder, die schon ein Jahr oder länger in Schwanewede leben, dürften an dem Vorkurs nicht teilnehmen. Auf einige der Kinder werde das im Februar zutreffen. „Die fallen dann weg.“ Die Gemeinde als Schulträger habe den Schulen zwar mitgeteilt, dass sie mit weiteren Flüchtlingskindern zu rechnen hätten. Wie viele kommen werden und wann, kann dem Dreienkamp-Schulleiter aber keiner verlässlich sagen. „Vielleicht stehen wir zum 1. Februar da und haben für die Sprachlernklasse keine Kinder mehr.“

Damit die zehn Flüchtlingskinder am Dreienkamp in der Zwischenzeit schon mal Deutsch lernen, behilft sich die Schule mit einer Übergangslösung. Eine Förderkraft der Volkshochschule unterrichtet die Kinder einzeln oder in kleinen Gruppen seit Anfang November täglich zwei bis vier Stunden an der Schule. Finanziert wird das Angebot aus dem Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung. Der Verwaltungsaufwand sei zwar enorm, weil für jedes Förderkind ein Antrag zu stellen sei, so Tigges. Andererseits habe die Schule mit dem Projekt eine schnelle Lösung gefunden. „Das ist viel besser als gar nichts“, meint der Schulleiter.

Die Klassen in der Dreienkamp-Schule werden bereits auf künftige neue Mitschüler aus fernen Ländern vorbereitet. Seit Schuljahresbeginn lauft ein freiwilliges Unterrichtsprojekt zum Thema Flüchtlinge. Eine pädagogische Mitarbeiterin spricht mit den Kindern über Fragen wie: Warum sind die Flüchtlinge in Schwanewede? Was haben sie auf ihrer Flucht erlebt? Können die Menschen hier bleiben? Die Schule will damit ein Willkommensklima in der Klasse schaffen. „Die Flüchtlingskinder sollen sich schnell angenommen fühlen“, erklärt der Schulleiter.

Die meisten Flüchtlinge, die in der Gemeinde ankommen, finden in der Ortschaft Schwanewede ein neues Zuhause. Neben dem Wohnheim an der Ostlandstraße stellt die Kommune hier vermehrt angemietete Wohnungen für Familien bereit. Die beiden Grundschulen der Ortschaft müssen sich deshalb besonders auf Flüchtlingskinder einstellen. Das tut auch die Heideschule. Wie die Dreienkamp-Schule will sie zum Februar eine Sprachlernklasse einrichten.

„Unser Antrag befindet sich derzeit im Genehmigungsverfahren“, bestätigt Schulleiter Thorsten Lesemann. Geplant sei zunächst eine Förderklasse. Zum Konzept will er noch nicht viel sagen. Auch in der Heideschule sollen die ausländischen Mitschüler nach und nach aus der Sprachlernklasse in die Regelklassen hineinwachsen. Laut Lesemann hat die Schule schon jemanden in Aussicht, der die geplante Sprachlernklasse mitbetreuen soll. „Wir haben einen Kandidaten, der im Februar zu uns kommen könnte.“

Seit einer Woche lernen zwei syrische Flüchtlingskinder in einer vierten Klasse der Heideschule. Deutsch können sie nicht, einer spricht Englisch. Trotzdem sind sie bereits im Klassenverband integriert. Die Klasse habe die Schüler gut aufgenommen, sagt Lesemann. „Sie bekommen individuelle Aufgaben mit einem speziellen Sprachlernmaterial“, erklärt der Schulleiter. „Zusätzlich erhalten sie vier Stunden in der Woche Förderunterricht in einer Kleingruppe.“ Die Stunden würden je zur Hälfte aus dem Förderstunden-Topf der Schule und aus dem Bildungs- und Teilhabepaket finanziert.

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