Gartenstadt Süd

Sprayer-Kunstwerk im Tunneldurchgang

Gartenstadt Süd. Aus Alt mach Neu: Der Tunneldurchgang zwischen Gastfeldstraße und den Wohnungen der Bremer Heimstiftung in der Hermannstraße ist von einer toten Ecke in ein Sprayer-Kunstwerk verwandelt worden.
27.06.2013, 05:00
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Von Rainer Kabbert

Gartenstadt Süd. Aus Alt mach Neu: Der Tunneldurchgang zwischen Gastfeldstraße und den Wohnungen der Bremer Heimstiftung in der Hermannstraße ist von einer toten Ecke in ein Sprayer-Kunstwerk verwandelt worden.

Wo zuvor graue Tristesse dominierte, ist jetzt eine bunte Neustädter Silhouette mit Kirchturm und Stadtteilhaus zu bestaunen. Mitte vergangener Woche wurde der neu gestaltete Weg offiziell eingeweiht.

Kirchturm und Stadtteilhaus im Tunneldurchgang-Graffiti in der Gastfeldstraße symbolisieren die Kooperation zwischen Jung und Alt. Elke Munderloh, Leiterin des Hauses in der Neustadt, berichtet von der kreativen Zusammenarbeit der Jugendgruppe der benachbarten Vereinigten Evangelischen Gemeinde Neustadt mit den Senioren der Bremer Heimstiftung. Daraus entstand das bunte Kunstwerk, das mit einer kleinen Feier gewürdigt wurde.

Die Jugendlichen aus dem Gemeindezentrum Zion kamen in Kontakt mit den Bewohnern des Hauses, sie redeten über Schule, Graffiti und Sprayen – bis das Thema für den Tunneldurchgang zwischen Gastfeldstraße und den Wohnungen in der Bremer Hermannstraße entwickelt war. "Erst waren die Senioren beim Spray-Projekt ein wenig skeptisch", erinnert sich Munderloh, "dann aber waren sie einverstanden." Denn sie würden sich ja auch als Bürger des Stadtteils verstehen und am Leben in der Neustadt teilhaben.

Von April bis Ende Mai wurden die Ideen umgesetzt. Müll entsorgt, die Wände vom Förderwerk Bremen verputzt und weiß grundiert. Dann packten die zehn Künstler ihre Spraydosen aus und gestalteten den Tunnel zu einem farbigen Idyll, während die Senioren das leibliche Wohl der Jugendlichen im Auge behielten.

"Wir feiern hier ein Projekt, das von unterschiedlichen Generationen geschaffen wurde", freut sich Munderloh in ihrer Ansprache vor den Festgästen, dankt den Jugendlichen und lobt die Hausbewohner, die sich mit Mut und Elan dem Projekt gestellt hätten. Auch die Leiterin des Ortsamts Neustadt/Woltmershausen, Annemarie Czichon, begrüßte das Engagement der Senioren und ihr Bemühen, sich in den Stadtteil einzubringen. Ebenso freute sich Pastorin Frauke Lieberum über die "tolle Zusammenarbeit von Jungen und Älteren", wobei sie vor allem die Initiativen von Paula, Lisa und Nora hervorhebt.

"Die bisherige Schmuddelecke ist schön geworden", preist Czichon das Werk und weckt so auch Erinnerungen an die Zeit davor. Hausbewohnerin Monika Kramer empfand das frühere Ambiente auch als "grau, schmutzig und ewig vermüllt". Im Durchgang hätten Leute rauchend und trinkend gestanden. Und Peter Jürgensen (Mieterrat Haus Neustadt) setzt einen weiteren Aspekt auf die Negativliste. In seiner mit viel Beifall und Lachen quittierten Büttenrede formuliert er die Aufforderung: "Leute macht einen Knoten, Pipimachen ist fortan verboten."

Auch ein "Geburtstagslied auf den Gang" wird vorgetragen von der "Band ohne Namen" (Sönke Hundt, Manfred Witte, Dieter Meyer und Friedhelm Thömmes, unterstützt von Pastor Thomas Lieberum), die sich speziell für diesen Nachmittag dann doch ein Label gibt: "Die Gang-ster". Sie singen "Wie schön, das er nun fertig ist" und dichten die Hoffnung, dass der Gang weiter bunt und sauber bleibe.

Miteinander leben

Die künstlerische Grundsanierung des Tunneldurchgangs soll allerdings nicht als unterschwellige Beschwerde gegen jene verstanden werden, die das Areal bisher nicht als Weg, sondern Freizeitort verstanden haben. "Wir können und wollen Leute hier nicht verdrängen", beteuert Hausleiterin Munderloh. Ihr geht es um die Frage: "Wie können wir miteinander leben?" Die Hausbewohner der Bremer Heimstiftung wollen unbeschwerten Zugang von der Gastfeldstraße zu ihren Wohnungen und Gärten, Gäste benachbarter Gastronomie und Passanten haben offenbar hier und da andere Interessen.

Im Vordergrund der Graffiti-Einweihung steht aber die Freude über diese Stadtverschönerung. Und als die Haus-Bewohnerinnen Irmgard Bordeaux und Trude Küssler als offiziellen Akt die bunte Papiergirlande zur Freigabe des Weg-Kunstwerks durchschneiden, bleiben die Worte von Pastor Thomas Lieberum im Ohr: "Das ist eine tolle, kreative Geschichte von Älteren und Jugendlichen sowie ein Zeichen gelungener Nachbarschaft." Hausleiterin Munderloh fällt denn auch die Antwort auf die Frage leicht, ob dies hier ein Modell für die gesamte Neustadt sein könnte: "Ja, sicher."

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