Ultra Valentin seit Mittwoch wieder frei Staatsanwaltschaft will Beschwerde einlegen

Werder-Ultra Valentin S. ist wieder auf freiem Fuß. Der 21-Jährige hatte seit dem 1. Juli in Untersuchungshaft gesessen. Die Staatsanwaltschaft hat am Donnerstag angekündigt, Beschwerde dagegen einzulegen.
12.11.2015, 12:07
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Staatsanwaltschaft will Beschwerde einlegen
Von Ralf Michel

Der Werder-Ultra Valentin S. ist seit Mittwoch wieder auf freiem Fuß. Der 21-Jährige hatte zuvor seit dem 1. Juli in Untersuchungshaft gesessen. Dies bestätigten am Donnerstag sein Verteidiger Horst Wesemann. Ob die wiedergewonnene Freiheit allerdings von langer Dauer sein wird, bleibt abzuwarten. Die Staatsanwaltschaft hat am Donnerstag angekündigt, Beschwerde dagegen einzulegen.

Im September hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Valentin S. erhoben. Sie wirft dem Werder-Fan vor, seit März 2014 in sieben Fällen andere körperlich misshandelt zu haben, wobei er dies jeweils mit anderen Personen gemeinschaftlich getan haben soll. Die Staatsanwaltschaft spricht von überfallartigen Angriffen auf die Geschädigten, die mit Schlägen und Tritten traktiert worden seien. Ziel der Angriffe waren zumeist Angehörige der rechten Szene. Im Zentrum der Anklage steht der Angriff auf einen Hooligan am 19. April nach dem Nordderby zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV vor dem Lokal „Verdener Eck“. Der Mann wurde zu Boden geschlagen, ihm wurde mehrfach gegen den Kopf getreten. Valentin S. soll einer von neun Angreifern gewesen sein, die Staatsanwalt hält ihn für dringend verdächtig, der Hauptaggressor gewesen zu sein. Sein Anwalt bestreitet dies. Daran sei Valentin S. nicht beteiligt gewesen, er sei erst hinterher dazugekommen, habe sich dann allerdings „mit einem Nazi geprügelt“.

Am 1. Juli wurde der 21-Jährige in Untersuchungshaft genommen. Drei Haftprüfungstermine hat es seither ergeben, die ersten beiden blieben für Valentin S. erfolglos, nun bewertete ein Richter die Lage anders und setzte den Haftbefehl außer Vollzug. Was mit einem Wechsel der Zuständigkeit zu tun haben könnte: Der Fall wird nicht mehr vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht verhandelt, sondern am Landgericht, dem Vernehmen nach wegen des Umfangs des Verfahrens. Einen Termin für den Prozess gibt es noch nicht.

Bis zur Verhandlung muss Valentin S. mehrere Meldeauflagen erfüllen, erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Frank Passade. So muss er wieder zu seinen Eltern ziehen und mindestens einmal die Woche an einer Anti-Gewalt-Beratung teilnehmen. Außerdem darf er sich bei Heimspielen von Werder Bremen nicht dem Weser Stadion nähern und nicht zu Auswärtsspielen der Mannschaft reisen.

Zudem habe sein Mandant ein Praktikum begonnen, ergänzt Horst Wesemann. Nicht sicher ist, ob er diese Stelle auch künftig wird antreten können. Die Staatsanwaltschaft ist mit der Bewertung des Richters nicht einverstanden und legt Rechtsmittel gegen die Freilassung von Valentin S. ein. In Untersuchungshaft habe der 21-Jährige vor allem wegen der Wiederholungsgefahr gesessen, erklärt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Frank Passade. „Wir halten die verfügten Auflagen nicht für geeignet, um diese Wiederholungsgefahr auszuschließen.“ Die Entscheidung hierzu fällt das Oberlandesgericht. Vermutlich Anfang kommender Woche.

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