"Schandfleck" in Rönnebeck

Stadt will Strandhalle abreißen

Es könnte das letzte Kapitel eines ewigen Schandflecks sein: Die stadteigene Liegenschaftsverwaltung Immobilien Bremen will die alte Strandhalle in Rönnebeck kaufen und abreißen. Doch die Verhandlungen gestalten sich derzeit noch schwierig.
26.09.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christina Denker
Stadt will Strandhalle abreißen

Die Strandhalle in Rönnebeck soll nach den Vorstellungen der Bremer Behörden abgerissen werden. Der Zeitpunkt hängt davon ab, ob sich Bremen mit dem zuständigen Insolvenzverwalter einigt.

Christian Kosak

Es könnte das letzte Kapitel eines ewigen Schandflecks sein: Die stadteigene Liegenschaftsverwaltung Immobilien Bremen will die alte Strandhalle in Rönnebeck kaufen und abreißen. Doch die Verhandlungen gestalten sich derzeit noch recht schwierig. Insolvenzverwalter und Stadt haben offenbar unterschiedliche Preisvorstellungen.

Sind die Tage der Strandhalle am Rönnebecker Hafen endgültig gezählt? Nach Auskunft des Pressesprechers der Liegenschaftsverwaltung Immobilien Bremen, Peter Schulz, laufen derzeit Verhandlungen mit dem mittlerweile insolventen Besitzer der Ruine, beziehungsweise mit dessen Insolvenzverwalter. Ob das Geschäft allerdings schnell zustande kommt, gilt als fraglich.

Weil es sich hier um ein laufendes Verfahren handelt, mag Schulz keine Details nennen. Auch Insolvenzverwalter Christoph Peter gibt sich bedeckt. Zum Preis möchte er nichts sagen. Dem Vernehmen nach soll sich seine Forderung aufgrund von finanziellen Belastungen der Immobilie oberhalb des Grundstücks- und Gebäudewertes bewegen. Ortsamtsleiter Peter Nowack hält es für möglich, dass der Insolvenzverwalter das 1,5-fache des realen Werts veranschlage.

Seit den 1990er-Jahren steht die abgebrannte Immobilie zwischen Blumenthaler Fähranleger und Rönnebecker Hafen leer. Der Eigentümer der alten Strandhalle wollte dort an der Rönnebecker Landzunge die Gastronomie wiederbeleben. Für damals 400 000 Mark habe er das Gebäude 1999 ersteigert, berichtete er seinerzeit unserer Zeitung. Open-Air-Veranstaltungen sollten das gastronomische Angebot abrunden. Doch daraus ist nichts geworden. Weil keine akute Einsturzgefahr besteht, durfte die Umweltbehörde das Gebäude zwar nicht einfach abreißen – eine gewerbliche Nutzung ist laut Baubehörde indes nicht möglich.

Wird die Stadt Bremen neue Eigentümerin, soll das verwahrloste Gebäude zugunsten einer Grünfläche abgerissen werden. So wie es der Bebauungsplan vorsieht. Vom Fährzubringer, so war es vor zwei Jahren angedacht, soll ein Fußweg zur Landspitze angelegt werden, um auch das südliche Ufer begehbar und erlebbar zu machen. Die laufenden Verhandlungen jedoch sollen sich dem Vernehmen nach schwierig gestalten und in die Länge ziehen. Jens Tittmann, Sprecher von Bau- und Umweltsenator Joachim Lohse, stellt klar: „Laufende Verhandlungen kommentieren wir bekanntlich nicht. Genauso wie wir uns zu konkreten Preisdiskussionen nicht öffentlich äußern.“

Seit Jahren in der Kritik

Die örtliche Politik versucht seit vielen Jahren, eine Lösung für das Strandhallen-Grundstück zu finden. Den Grünen etwa ist die Strandhalle schon lange ein Dorn im Auge. Sie wollten in den vergangenen Jahren einen Abriss erwirken, um Platz für ein Naherholungsgebiet zu schaffen. Doch der Besitzer dachte zu diesem Zeitpunkt nicht daran, zu verkaufen. Auch die Blumenthaler CDU hat noch im Frühjahr versucht, das Thema voranzubringen. Insgesamt, so lautet die allgemeine Kritik seit Jahren, sei die Strandhalle ein Schandfleck für Blumenthal. Jetzt herrschen Befürchtungen vor, dass aus dem Abriss so schnell nichts wird und das Gebäude weitere Jahre vor sich hin rottet.

Jetzt hieß es in Blumenthal, für dieses Jahr sei in den Bremer Haushalt ein Betrag für die Sanierungsarbeiten eingestellt worden. Ein Betrag, der – so die Befürchtung – verfallen könnte, sollte es der Stadt nicht gelingen, die Immobilie noch vor Jahresende zu kaufen.

Dagmar Bleiker, Sprecherin von Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne), beruhigt aber: „Wir haben gesagt, wir kaufen die Strandhalle, und das tun wir auch.“ Für den Abriss der Strandhalle und für die geplante Grünfläche sei indes kein expliziter Betrag in den Haushalt eingestellt worden. Die Kosten sollten aus einem „Globaltopf“, wie sie sagt, bestritten werden. Jens Tittmann bestätigt, dass es möglich sei, einen Abriss des Gebäudes auch noch in 2015 zu finanzieren. „Aber auch hier bleiben die Verhandlungen abzuwarten. Denn eine abzureißende Immobilie auf dem Grundstück schmälert natürlich wiederum den Wert des Grundstücks“, sagt er.

Auch die Nordbremer Grüne Maike Schaefer, Mitglied der Bremischen Bürgerschaft, betont, dass selbst wenn es zu Verzögerungen kommen sollte, es auch im kommenden Jahr noch Mittel für den Abriss und die Herstellung einer Grünfläche geben werde. Mittel dafür würden unter den laufenden Kosten zur städtischen Grünpflege veranschlagt. Die Grünen-Politikerin: „Ich finde, dass dieser Standort damit aufgewertet werden sollte.“

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