Entwicklung des neuen Hulsberg-Viertels Stadtplaner laden zum Ideenwettbewerb ein

Bremen. Über das, was auf dem rund 14 Hektar großen Gelände des neuen Hulsberg-Viertels entstehen soll, sollen die Bürger mitentscheiden. "Wir meinen es ernst mit der Bürgerbeteiligung, wir haben keine fertigen Konzepte", so Senatsbaudirektor Franz-Josef Höing.
13.04.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Bastienne Ehl

Bremen. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt - und sogar draußen vor der Tür drängten sich im Gebäude der Inneren Medizin am Klinikum Mitte noch die Interessenten. Das Thema, das eine solche Magnetwirkung entfaltete: das neue Hulsberg-Viertel. Wenn der Neubau des Klinikums Mitte wie geplant 2014 steht, ist auf knapp 14 Hektar Platz für ein neues Quartier. "Es ist ein ganz wichtiges Projekt für die Entwicklung der Stadt," betont Bausenator Reinhard Loske (Grüne). Für den Andrang im Hörsaal sorgte die Auftaktveranstaltung zur Bürgerbeteiligung.

Über das, was auf den rund 14 Hektar entstehen soll, sollen die Bürger mitentscheiden. Wie das funktionieren kann, darüber diskutierten jetzt Politiker, Planer und Behördenvertreter mit Anwohnern. Man sei erst ganz am Anfang, sagte Senatsbaudirektor Franz-Josef Höing, der gleichzeitig einer der Geschäftsführer der Grundstücksentwicklungsgesellschaft Klinikum Bremen-Mitte ist. "Wir meinen es ernst mit der Bürgerbeteiligung, wir haben keine fertigen Konzepte."

Es sei ein ehrgeiziges und gleichzeitig einmaliges Projekt, ein neues Quartier mitten in der Stadt zu bauen. Zuallererst sei es daher notwendig, den richtigen Ansatz zu finden und zu klären, welche Qualitäten das Quartier überhaupt haben soll. Höing: "Es soll ökologischen Anforderungen entsprechen, womöglich klimaneutral gebaut werden. Es soll bezahlbar aber gleichzeitig vorzeigbar und sozial durchmischt sein, ein tragfähiges Verkehrskonzept haben und gut zu vermarkten sein. Fragen über Fragen, die alle noch zu klären sind."

Was feststeht: "Wir wollen möglichst viel von der vorhandenen Bausubstanz erhalten, nicht nur die denkmalgeschützten Bauten." Dazu gehöre die Front hin zur St. Jürgen-Straße und das Gebäude an der Bismarckstraßeund Friedrich-Karl-Straße. Die Frauenklinik wird laut Höing vermutlich weichen müssen. "Und für die kleineren Häuser werden schrittweise Untersuchungen vorgenommen, ob diese weiterhin sinnvoll nutzbar sind oder nicht."

Was er sich von der Verwendung der Fläche erwarte, fragte der Moderator der Podiumsdiskussion, Otmar Willi Weber, den Geschäftsführer der Gesundheit Nord, Diethelm Hansen. Mit dem Hintergrund, dass sich die Anforderungen an die Gesundheitsversorgung mit einer zunehmend alternden Gesellschaft stark verändern werde, ist für Hansen eine Vernetzung von stationärer und ambulanter Versorgung in Krankenhausnähe denkbar. "Unser Wunsch ist es, dass sich auf dem Gelände ein Angebot von Versorgung, Wohnen und Prävention in unterschiedlichen Facetten entwickelt." Wirtschaftlich gesehen sei es natürlich das Interesse des Klinikums, die frei werdenden Grundstücke zu einem möglichst hohen Preis zu verkaufen.

Es sei zwar kein offener Konflikt, aber doch ein Thema, das zwischen den Zeilen zu lesen sei, sagte der Sprecher des Beirats Östliche Vorstadt, Peter Rüdel (Grüne). "Das finanzielle Interesse des Klinikums ist natürlich ein Maßstab. Doch darf daran nicht alles bemessen werden. Es muss dennoch einen politischen Gestaltungsraum geben."

Rüdel machte nochmals deutlich, welche Punkte dem Stadtteilparlament besonders wichtig sind: "Wir wollen keinen Reichenstadtteil. Er soll sozial gemischt und für verschiedene Altersgruppen sein. Das Quartier soll ökologische Kriterien erfüllen, nachhaltig sein und ein vernünftiges Mobilitätskonzept haben."

An Beispielen aus München oder auch Zürich zeigte Klaus Selle, wie eine Bürgerbeteiligung aussehen kann. Selle hat an der an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen einen Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtentwicklung und begleitet seit 35 Jahren Bürgerbeteiligungsverfahren. "Man kann nun überlegen, welche Elemente dieser Beteiligungsverfahren auf Bremen übertragbar sind. Beispielsweise die Bürgerwerkstätten aus dem Projekt in München oder die Baugemeinschaften aus Freiburg." Baugemeinschaften sind Gruppen, die gemeinsam ein Haus bauen oder umbauen. Ortsamtsleiter Robert Bücking kann sich dies als als reelle Chance vorstellen.

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