Park links der Weser

Naherholungsgebiet inmitten der Marschenlandschaft

Im Naherholungsgebiet Park Links der Weser wurde ein Netz aus Rad- und Wanderwegen angelegt, mit Rast- und Picknickplätzen, die teils auf Hügeln liegen und Aussichten in die grüne Marschenlandschaft bieten.
31.08.2020, 08:04
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Hildebrandt
Naherholungsgebiet inmitten der Marschenlandschaft

Das Naherholungsgebiet Park Links der Weser.

Roland Scheitz

Das fließende Wasser der Gräben durchzieht die Wiesen und Weiden, das Wasser von Teichen liegt still in der weiträumigen, offenen Landschaft des Parks Links der Weser. Bereits seit dem zwölften Jahrhundert ist die Ochtumniederung zwischen Obervieland und Strom von Landwirtschaft in einer feuchten Niederung geprägt. Als im Jahre 1967 in diesem Gebiet eine Autobahn gebaut werden sollte, leisteten engagierte Bürger Widerstand und gründeten den Verein „Park Links der Weser“, dem 1991 von der Stadt Bremen die Entwicklung und Pflege des Parks übertragen wurde.

Im gesamten Naherholungsgebiet Park Links der Weser wurde ein Netz aus Rad- und Wanderwegen angelegt, mit mehreren Rast- und Picknickplätzen, die teilweise auf Hügeln liegen und schöne Aussichten in die grüne Marschenlandschaft bieten. Der rund 200 Hektar große Park ist so groß, dass er sich als Ganzes am besten mit dem Fahrrad erkunden lässt. Wir beschränken uns für den Spaziergang auf einen westlichen Teil des Parks mit einem neu entstandenen Naturerlebnisbereich. Dort markiert das Huchtinger Fleet den Übergang von der Marsch in einen etwas höher gelegenen Geestbereich. Besonders reizvoll ist das Ineinander von feuchten Wiesen mit kleineren trockenen Sandhügeln – Extreme, die für eine große Artenvielfalt sorgen.

Der Stadtspaziergang startet am Vereinshaus des „Parks Links der Weser“ am Ende des Hohenhorster Wegs. Auf dem gekiesten Weg, gesäumt von hohen Brennnesseln, fallen in diesen Wochen die bereiften, mattblauen Früchte der zahlreichen Schlehen (1) auf. Die Beeren sind erst nach einigen Frostnächten genießbar, allerdings sollte man sich hüten, den Kern mitzuessen, da er die giftige Blausäure enthält.

Natur ist Leben – diesem Motto von der Rückseite des Geländesteins wird der Park Links der Weser mit seiner Abwechslung gerecht.

Natur ist Leben – diesem Motto von der Rückseite des Geländesteins wird der Park Links der Weser mit seiner Abwechslung gerecht.

Foto: Roland Scheitz

Nach wenigen Schritten biegen wir links ins offene Gelände ab, wo ein Infoschild auf den neu geschaffenen Naturerlebnisbereich „Huchtinger Fleet“ hinweist. In diesem Bereich des Parks schieben sich Ausläufer der Wildeshauser Geest in die feuchte Marschenlandschaft.

Rechts des Weges wurde eine Naturwiese (2) angelegt, in der es auch im Spätsommer noch vielfältig blüht: Gewöhnliche Schafgarbe steht neben der Sumpf-Schafgarbe, und Klatschmohn, Kamille und Rainfarn bringen Rot, Weiß und Gelb in die hochwüchsigen Wiesen. Besonders auffällig sind die himmelblauen Kornblumen, die von zahlreichen Insekten besucht werden: Neben der Dunklen Erdhummel und Ackerhummel werden die Blüten derzeit besonders von Gamma-Eulen angeflogen. Sie sind an dem silbrig-weißen Fleck im Flügel, der an den griechischen Buchstaben „Gamma“ erinnert, leicht bestimmbar. Immer wieder kommt es zu Einwanderungswellen dieses tagaktiven Nachtfalters aus dem Mittelmeerraum, wie wohl auch in diesem Jahr, in dem die Art im Park auffällig häufig ist.

Gleich hinter der Naturwiese zeigt ein kleiner Sandhügel (3) den Kontrast zur Feuchte liebenden Vegetation der Niederung: Auf der Erhebung blüht eine Pflanzenwelt, die an Trockenheit angepasst ist: das bereits verblühende Berg-Sandglöckchen, aber auch weiß blühende Wilde Möhre und die himmelblauen Wegwarten. Auf dem Sand hat sich in vielen kleinen Horsten das Silbergras ausgebreitet. Es wimmelt von trockenheitsliebenden Heuschreckenarten, die schon wenige Meter weiter, im feuchten Grünland fehlen.

Geht man links weiter, folgt ein Plankenweg, der über den nassen Boden führt. An ihm liegen zwei Teiche (4), die in einem ökologisch hervorragenden Zustand sind. Denn im Gegensatz zu vielen Bremer Kleingewässern sind sie recht nährstoffarm. Auch im Spätsommer sitzen an den flachen Ufern noch Grünfrösche in Mengen, die bei der kleinsten Störung einen rettenden Satz ins Wasser machen. Die nährstoffarmen Teiche locken besonders die rot-leuchtend gefärbten Heidelibellen an, die Paarungsräder aus Weibchen und Männchen bilden.

Schwer zu erkennen

Im vorderen Teich fallen die braunen Fruchtstände des Rohrkolbens auf, unscheinbar und schwerer zu entdecken liegt die seltene Krebsschere im Wasser, die mit ihrer trichterförmigen Wuchsform an eine Aloe erinnert. Sie steht auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten, ist aber im Bremer Feuchtwiesenring noch recht häufig. Im hinteren Teich sind die letzten Blüten der Seerosen zu bewundern, während die Gelbe Teichrose mit ihren kreisrunden, flach auf dem Wasser liegenden Schwimmblättern bereits verblüht ist.

Hinter den Teichen bietet ein Aussichtshügel (5) mit einer Sitzbank einen schönen weiten Blick über das Grünland, das von Pferden beweidet wird, mit dem Bremer Flughafen im Hintergrund. Die vor Kurzem sanierte Brücke über das Huchtinger Fleet (6) führt direkt in die offene Wiesen- und Weidenlandschaft, durchzogen von Gräben, die teils mit Schilf bewachsen sind, teils aber auch eine üppige blütenreiche Vegetation aus Hochstauden bieten.

Wer heimische Gehölzarten kennenlernen möchte, wird auf dem Rest des Weges mit einem Baumlehrpfad (7) gut bedient: Kleine Schilder mit Namen weisen auf die Gehölze hin, die in großer Artenzahl frisch gepflanzt wurden. Nicht zuletzt bieten die letzten Meter des Rundwegs auch Kunstvolles in Form von zwei Holzplastiken: die Bremer Stadtmusikanten und den Park-Drachen „Hedu“ (8) – eine umgestürzte Pappel, in die Bildhauerin Ragna Reusch Kopf und Schuppen eines Kriechtiers geschnitzt hat.

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