Affenversuche rechtens

Affenexperimente an der Uni Bremen: Die wichtigsten Fakten zum Urteil

Die Affenversuche an der Bremer Uni sind laut Bundesverwaltungsgericht zulässig. Tierschützer sind empört über das Urteil. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.
05.02.2014, 00:00
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Affenexperimente an der Uni Bremen: Die wichtigsten Fakten zum Urteil
Von Sara Sundermann
Affenexperimente an der Uni Bremen: Die wichtigsten Fakten zum Urteil

Andreas Kreiter erforscht seit mehr als 15 Jahren an der Bremer Uni, was im Gehirn von Makaken-Affen geschieht.

Frank Thomas Koch

Am Dienstag hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschieden, dass die Affenversuche an der Bremer Universität zulässig sind. Die Behörde hätte demnach den Forschern die Erlaubnis für ihre Experimente nicht verweigern dürfen. Tierschützer sind empört und treten aus der Tierschutz-Kommission aus. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

Was ist geschehen?

Das Bundesverwaltungsgericht (BVG) beendet einen jahrelangen Rechtsstreit. Mit seinem Urteil bestätigt es, dass das Bremer Oberverwaltungsgericht 2012 richtig entschieden hat. Das BVG-Urteil kann nicht angefochten werden. Seit 2008 streiten Gesundheitsbehörde und Universität darum, ob Bremer Neurobiologen unter der Leitung von Andreas Kreiter ihre Forschung mit Makaken-Affen fortsetzen dürfen.

Worum wurde gestritten?

Die ersten Anträge für Affenversuche wurden von der Gesundheitsbehörde genehmigt. 2008 lehnte die Behörde einen Fortsetzungsantrag ab. Die Forscher klagten, der Rechtsstreit begann. Zuletzt urteilte das Oberverwaltungsgericht (OVG), dass die Behörde den Antrag nicht hätte ablehnen dürfen. Dem Gericht zufolge sind die Belastungen für die Affen mit Blick auf die große wissenschaftliche Bedeutung der Versuche ethisch vertretbar. Das zitiert auch das BVG.

Wie reagieren die Tierschützer?

„Dieser Beschluss wirft den Tierschutz um 20 Jahre zurück“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Das BVG kippe das in der Verfassung verankerte Staatsziel Tierschutz. Als fatal bezeichnet Schröder, dass der Behörde nach ersten Informationen kein Ermessen bei der Genehmigung von Forschungsanträgen bleibe. Tierschützer sollten deshalb aus Ethik-Kommissionen austreten, fordert der Tierschutzbund. Wolfgang Apel, Vorsitzender des Bremer Tierschutzvereins, kündigte gestern an, mit seinen Vereinskollegen aus der Tierversuchs-Kommission auszutreten. „Die Mitarbeit wird zur Farce“, so Apel. In dem Gremium, das die Behörde berät, sind zwei Tierschützer vertreten.

Was kritisieren die Tierschützer konkret?

„Es ist eine Tragödie, dass die Affen nun offenbar auf unabsehbare Zeit schutzlos der Forschungsneugier ausgesetzt werden sollen“, sagt Apel. Das BVG teile die zynische Sichtweise, dass „das Leid der Tiere, denen der Schädel aufgesägt wird und die nur mit Flüssigkeitsentzug gefügig gemacht werden können, gering sei.“

Was sagt die Bremer Uni zum Urteil?

Die Universität sieht sich durch das BVG bestätigt. Bereits das Oberverwaltungsgericht habe die hervorragende wissenschaftliche Qualität der Affen-Forschung bestätigt und festgestellt, dass die Belastungen für die Makaken höchstens mäßig seien.

Was erforschen die Neurobiologen?

Seit 1998 erforschen die Neurobiologen um Andreas Kreiter an Makaken die Funktion des Gehirns. Den Affen werden Elektroden ins Gehirn gepflanzt. Im Experiment reagieren sie auf optische Reize am Bildschirm und werden für bestimmte Reaktionen mit Saft belohnt. „Die Tiere bekommen ihr tägliches Getränk im Rahmen des Versuchs“, sagt Andreas Kreiter. Für das Experiment wird der Kopf der Affen fixiert. Derzeit werden dafür rund 20 Makaken gehalten.

Was hat man bislang herausgefunden?

Erforscht wird, was im Kopf geschieht, wenn die Affen ihre Aufmerksamkeit auf bestimmte Dinge richten. Ihr Gehirn ähnelt dem des Menschen. „Durch unsere Versuche konnten wir zum Beispiel zeigen, dass unterschiedliche Gruppen von Nervenzellen im Gehirn sehr schnell zusammengeschaltet werden“, sagt Kreiter.

Können diese Versuche Patienten helfen?

Erkenntnisse aus Affen-Versuchen seien nützlich für neue Prothesen, die über das Gehirn gesteuert werden, sagt Kreiter. Das Wissen fließe in die Entwicklung von drahtlosen Schnittstellen zwischen Mensch und Prothese ein. „Auch Mediziner aus dem Bereich Epilepsie interessieren sich für solche Schnittstellen“, sagt Kreiter.

Was geschieht jetzt?

Die Forscher warten noch auf ein weiteres Gerichtsurteil: Das Bremer Verwaltungsgericht muss über einen zweiten Forschungsantrag von 2011 entscheiden. Bis dahin können die Forscher ihre Versuche fortsetzen. Auch künftig müssen sie Anträge bei der Behörde stellen. Der Kampf für Tierrechte wird wieder auf die Straße verlagert, kündigt der Tierschutzbund an. Er fordert, das Tierschutzgesetz zu ändern.

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