Ohne muslimische Zuwanderer und etablierte Medien wäre Frank Magnitz bedeutend wohler. Um diesen Eindruck zu gewinnen, muss man noch gar nicht mit ihm gesprochen haben. Es reicht ein Blick auf seine Facebook-Seite. Dort macht der 65-Jährige seiner Abneigung regelmäßig Luft. Man findet dort zum Beispiel eine Karikatur, die eine als „Wahrheit“ gekennzeichnete Figur zeigt.
Davor hat ein Erschießungspeloton Aufstellung genommen, bestehend aus Vertretern von ARD, ZDF, Spiegel Online und Bild-Zeitung. Ein anderes Bild zeigt eine Moschee mit Gläubigen und daneben eine rote Taste, verbunden mit der Frage: „Wenn Sie diesen Knopf drücken und den Islam von der Welt verschwinden lassen könnten – würden Sie?“
Man muss nicht lange rätseln, wie Frank Magnitz sich entscheiden würde. Der Bremer Spitzenkandidat der Alternative für Deutschland (AfD) hat ein klares Weltbild, und darin kommt der Islam nicht als Religion, sondern als Bedrohung vor. Dass immer mehr Menschen muslimischen Glaubens nach Deutschland kommen und die Regierung es geschehen lässt, war für Magnitz einer der wesentlichen Gründe, sich von seiner ursprünglichen politischen Heimat zu verabschieden.
Jahrzehntelang sah er sich als Stammwähler der CDU. Heute ist ihm deren Bundesvorsitzende ein Graus. Magnitz‘ Abwendung begann jedoch schon, bevor Angela Merkel klassische konservative Positionen einebnete. „Schwierig wurde es für mich bereits, als Übervater Kohl uns in den Euro trieb“, sagt Magnitz. Der Euro sei ein Experiment, „dessen Folgen nicht abschätzbar sind. Das Volk wurde nicht gefragt“.
2013 wurde zum Wendepunkt
Das Jahr 2013 sollte für Frank Magnitz zum Wendepunkt werden. Ein heute fast vergessener Wirtschaftsprofessor namens Bernd Lucke gründete eine Partei, die sich explizit gegen den Euro wandte und auch gegen die – von vielen konservativ denkenden Menschen so empfundene – Zahlmeisterrolle Deutschlands in der Europäischen Union.
Magnitz begann sich in der Alternative für Deutschland zu engagieren. Er stieg zum Bremer Landesvorsitzenden auf und blieb es auch, als die Abspaltung des wirtschaftsliberalen Flügels den Bremer Landesverband im Sommer 2015 in eine tiefe Krise stürzte. Von den gerade erst gewählten vier Bürgerschaftsabgeordneten sprangen damals drei ab.
Im vergangenen Jahr fehlte nicht viel, und auch das letzte verbliebene Mandat wäre der Partei verloren gegangen. Magnitz betrieb ein Ausschlussverfahren gegen den Abgeordneten Alexander Tassis. Mit politischen Differenzen hatte das nichts zu tun. Beide denken stramm nationalkonservativ.
Vater von sechs Kindern
Bei den Händeln in der Bremer AfD, von denen inzwischen nicht mehr so viel nach außen dringt, geht es meist um persönliche Zerwürfnisse und Führungsansprüche. Inzwischen haben Tassis und Magnitz eine Art Burgfrieden geschlossen, Magnitz‘ Stellung als AfD-Landeschef gilt als unangefochten.
„Er ist alternativlos, wir haben keinen anderen“, sagt ein Funktionär aus dem Kreisverband Links der Weser. Magnitz selbst formuliert es so: „Ich habe es geschafft, den Hühnerhaufen zusammenzuhalten.“ Dem Privatmann Frank Magnitz näherzukommen, ist nicht einfach. Der Vater von sechs Kindern spricht wenig über Dinge, die nichts mit Politik zu tun haben.
Seine Freizeit werde fast komplett von der Parteiarbeit aufgezehrt, sagt Magnitz am Kaffeetisch in seinem Haus in St. Magnus. Nett hat er’s dort ganz in der Nähe von Knoops Park. Offenbar rentiert sich seine selbstständige Tätigkeit als Immobilienverwalter.
Ursprünglich hatte Magnitz Pädagogik studiert, damals übrigens noch als DKP-Mitglied. Danach arbeitete er kurzzeitig für die Bremer Sozialbehörde. Beruflich ging es wechselvoll weiter. Magnitz brach ein Jurastudium ab und gründete eine Gewerbebaufirma. „Es tat mir gut, abends zu wissen, was ich geschaffen hatte“, blickt der 65-Jährige zurück.
Die Chancen stehen nicht schlecht
Als seine Firma auf Rechnungen der untergehenden Vulkan-Werft sitzen blieb, musste er erneut umsatteln. Frank Magnitz wechselte ins Bankgewerbe, von dort schließlich in den Immobiliensektor. Und demnächst in den Bundestag? Die Chancen stehen nicht schlecht.
In Umfragen liegt die AfD bundesweit bei neun Prozent gleichauf mit der Linken, in Bremen dürfte sie kaum weniger Zuspruch haben. Und das, obwohl die Partei in der Stadt kaum mit Wahlkampfaktionen in Erscheinung tritt – erzwungenermaßen, wie Magnitz beklagt. AfD-Plakate hätten „eine Halbwertszeit von vier Stunden“, bevor sie von linken Aktivisten abgerissen würden.
Großveranstaltungen seien aufgrund von Sicherheitsbedenken kaum möglich. Sogar Häuser wie die Vegesacker Strandlust vermieteten nicht mehr an die AfD, weil sich dort in der Vergangenheit Gäste über Lärm und Blockaden durch Gegendemonstranten beschwert hätten.
"Das geht mich nichts an"
Da muss es für Magnitz eine wahre Wohltat sein, im Osten Deutschlands auf AfD-Kundgebungen in vorderster Reihe zu stehen. Auf Fotos im Internet sieht man ihn Seit an Seit mit den Parteigrößen André Poggenburg (Sachsen-Anhalt) und Björn Höcke (Thüringen), beide bekannt für ihre Avancen gegenüber der offen rechtsradikalen Szene.
Mit Höcke soll ihn auch persönlich eine enge Beziehung verbinden. Zumindest wird das von Magnitz‘ innerparteilichen Kritikern in Bremen kolportiert. Spricht man ihn auf Höcke und dessen Anschlussfähigkeit ins braune Milieu an, reagiert Magnitz schmallippig. „Das geht mich nichts an, damit haben wir nichts zu tun“, beteuert er.
Wer ihm das glauben möchte, sollte besser nicht auf seine Facebook-Seite schauen.
Serie: "Bremer Spitzenkandidaten"
In unserer Serie "Spitzenkandidaten der Bremer Parteien" stellen wir die Kandidaten von SPD, CDU, FDP, Linken, Grünen und AfD in persönlichen Porträts vor:
- 29. August: Sarah Ryglewski (SPD)
- 2. September: Doris Achelwilm (Linke)
- 5. September: Kirsten Kappert-Gonther (Grüne)
- 9. September: Frank Magnitz (AfD)
- 12. September: Elisabeth Motschmann (CDU)
- 16. September: Lencke Steiner (FDP)