Stadtbeleuchtung

Neues Lichtsystem für Hauptbahnhof und Umfeld

Die SWB Beleuchtung GmbH will den Bremer Hauptbahnhof samt Umfeld zu einem Vorzeigemodell für moderne Städtebeleuchtung machen. Das lässt sie sich 500.000 Euro kosten.
18.07.2018, 19:40
Lesedauer: 3 Min
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Neues Lichtsystem für Hauptbahnhof und Umfeld
Von Silke Hellwig
Neues Lichtsystem für Hauptbahnhof und Umfeld

Lichtkünstler Michael Batz (links) und Lichtplaner Carsten Zieseniß haben ein Beleuchtungskonzept für den Gustav-Deetjen-Tunnel, die Discomeile und den Hauptbahnhof entworfen.

Kuhaupt

„Es werde Licht“ ist ein Zitat aus der Bibel, „und es ward Licht“ soll sich im November zunächst am Hauptbahnhof bewahrheitet haben. Die SWB Beleuchtung GmbH wird in den nächsten Jahren 500.000 Euro in die Hand nehmen und sich der professionellen Hilfe Michael Batz‘ und Carsten Zieseniß‘ bedienen, um den Hauptbahnhof, den Gustav-Deetjen-Tunnel und die Discomeile ins rechte Licht zu rücken.

Zuerst ist das Bahnhofsgebäude dran. „Wo man tolle Architektur hat, soll man sie auch zeigen“, so Batz. Michael Batz ist Lichtkünstler. Er ist unter anderem für die Licht-Inszenierung der Hamburger Speicherstadt und des Berliner Reichstags verantwortlich und hatte in Bremen die Kräne der City-Gate-Baustelle zu einem beliebten Fotomotiv werden lassen. Carsten Zieseniß ist Lichtplaner und Architekt.

Ihr Auftrag: Grob zusammengefasst soll das neue Lichtsystem die Schönheit des Bahnhofsgebäudes unterstreichen, die Sicherheit im Gustav-Deetjen-Tunnel und auf der Discomeile erhöhen, Flaneuren und bereiften Verkehrsteilnehmern räumliche Orientierung bieten sowie aus ästhetischen Gründen Lichtpunkte setzen. Zudem sollen die unterschiedlichen Beleuchtungsformen miteinander korrespondieren und sich ergänzen.

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Die Beleuchtung im öffentlichen Raum ist laut Zieseniß und Batz nicht nur dazu da, sich sicher, sondern auch sich wohl zu fühlen. Licht dürfe nicht blenden, aber auch keine „Angsträume“ entstehen lassen. Von alldem könne um den Hauptbahnhof derzeit im Grunde nicht die Rede sein, so die Fachmänner. Die Leuchtanlagen seien alt, ineffektiv, unwirtschaftlich und teilweise unschön anzusehen.

Die SWB Beleuchtung GmbH habe sich aus mehreren Gründen entschieden, sich finanziell zu engagieren, sagt Pressesprecher Christoph Brinkmann. Das Vorhaben sei für sein Unternehmen ein Modellprojekt und eine Art Visitenkarte, mit der es sich auch andernorts empfehlen könne.

Lokalpatriotismus spiele eine Rolle, zumal die SWB aus den Erleuchtungswerken hervorgegangen sei und damit schon seit Jahrhunderten und bis heute für die Illumination des Hauptbahnhofs zuständig sei. „Wir wollen zeigen, was wir können“, so Brinkmann. Dabei könne sich das Unternehmen auch auf das Entgegenkommen von Herstellern moderner Beleuchtungstechniken stützen, die ebenfalls Interesse an einem Prestigeprojekt hätten.

Die Ansprüche sind hoch

Von einem „avancierten Projekt“ spricht auch Batz. „Das hat schon Modellcharakter“, auch für andere Städte. Zum einen handele es sich um ein sogenanntes Smart-City-Projekt, das sich in die bremischen Vorstellungen von digitaler Vernetzung einfügen soll. Zum anderen seien die Ansprüche aus mehreren Gründen hoch: Der Hauptbahnhof samt Umfeld sei Aufenthalts-, Durchgangs-, Erlebnis- und Verkaufsraum zugleich.

Die Anforderungen seien daher unterschiedlich, die Polizei habe naturgemäß andere Interessen als die angrenzenden Händler oder das Überseemuseum. „Die Frage ist also: Welches Licht brauche ich wo, welche Aufgaben hat es und wie lange?“ Bremen sei überwiegend noch gelb beleuchtet, zudem könne man die Straßenlaternen im Grunde nur an- und ausschalten. Das neue LED-Lichtsystem werde sparsam und langlebig sein.

Es soll mit weißem Licht erhellen, digital steuerbar und dimmbar sein, je nach Anforderung: von etwas weniger Licht beim stimmungsvollen Weihnachtsmarkt bis hin zu einer Art Flutlicht bei einem Polizeieinsatz. Selbst die Jahreszeiten könnten berücksichtigt werden. Mitgedacht würden auch Vernetzungsaspekte: Kann die Straßenbeleuchtung WLAN-Router in sich aufnehmen, können sie als Elektroladesäulen dienen?

Einfache Mittel

Vor dem Hauptbahnhof sei die Aufgabe, „das stadträumliche Areal angemessen zu beleuchten“. Da ein großer Teil des Raums aus Verkehrsflächen bestehe, hätten die Funktions- und Sicherheitsbeleuchtung eindeutig Priorität. „Aber es muss nicht aussehen wie im Knast“, sagt Batz. Die derzeitige Anordnung der Lampen vor dem Bahnhof sei ungünstig, in dem Areal gebe es eher helle Lichtflecken mit schummerigerem Umfeld anstatt bewusster Lichtkorridore oder -akzente, die den Passanten einen Weg wiesen.

An einigen Stellen könne schon mit einfachen Mitteln viel erreicht werden – beispielsweise, wenn Leuchten nicht mehr direkt am Mast säßen, sondern weiter abgerückt angebracht werden. Andernorts müsse mehr passieren, sollten beispielsweise „leichtere und elegantere“ Leuchten und Laternen installiert werden.

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Für den Gustav-Deetjen-Tunnel sei zu prüfen, ob weiter in der Mitte LED-Leuchten installiert werden können, ohne Lkw und Straßenbahnen zu behindern. Die Licht-Experten schlagen auch vor, farbige Akzente im rechten Winkel zur Fahrtrichtung zu setzen. Die Discomeile samt Raum unter der Hochstraße brauche deutlich mehr Licht. Die Säulen unter der Straße böten sich als Lichtpunkte an. Auf der Bracke könnten paarig aufgestellte Laternen für angenehmere Atmosphäre sorgen.

Der Stadt komme das Engagement der SWB Beleuchtung GmbH gewissermaßen gerade recht, sagt Jens Tittmann. „Es handelt sich um Bereiche in der Stadt, die sicherheits- und beleuchtungstechnisch von herausragender Bedeutung sind.“ Dass die jetzige Beleuchtung nicht das Optimum darstelle, sei unbestritten. Die Initiative der SWB „hat Vorteile für beide Seiten“: Das Unternehmen könne Erfahrungen mit moderner Lichttechnik sammeln, der Hauptbahnhof, der Platz davor und die Umgebung würden aufgewertet.

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