Polizeieinsatz beim Gottesdienst Pastor Latzel spaltet Bremens Kirche

Bremens Landeskirche ist gespaltener denn je: Erst distanziert sich ihre Führung von einer Predigt des umstrittenen Pastors Latzel. Jetzt geht der Geistliche auf Abstand zu einer Erklärung der Kirchenoberen.
04.02.2015, 20:00
Lesedauer: 2 Min
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Pastor Latzel spaltet Bremens Kirche
Von Christian Weth

Bremens Landeskirche ist gespaltener denn je: Erst distanziert sich ihre Führung von einer Predigt des umstrittenen Pastors Olaf Latzel. Jetzt geht der Geistliche auf Abstand zu einer Erklärung der Kirchenoberen: Er entschuldige sich einzig für drei Passagen, nicht aber für die Predigt.Pastorinnen und Pastoren forderten gestern Konsequenzen, genauso wie Mitarbeitervertreter der Kirche. Sie verlangen disziplinarische Schritte. Weil Proteste angekündigt sind, wird die Polizei bei Latzels nächster Predigt im Einsatz sein.

So viele Geistliche auf einmal sind sonst nur beim Kirchentag anzutreffen: Rund 70 Pastorinnen und Pastoren haben gestern symbolisch auf den Stufen des Doms zusammengestanden – für ein buntes Bremen und gegen Fundamentalismus jedweder Art. Die Versammlung ist eine Reaktion auf eine Predigt , die Olaf Latzel, Pastor der St.-Martini-Gemeinde, am 18. Januar gehalten hat. Darin hatte er das islamische Zuckerfest als „Blödsinn“, Buddha als „dicken, fetten Herrn“ und die Verehrung von Gegenständen in der katholischen Kirche als „Reliquien-Dreck“ bezeichnet. Seine Amtskollegen werfen ihm zudem vor, „Jahrtausende alte biblische Texte mutwillig aus ihrem historischen Zusammenhang“ gerissen zu haben. Bernd Klingbeil-Jahr, Pastor der Friedensgemeinde und Mitinitiator der Veranstaltung, hält Latzels Äußerungen für unerträglich. Er fordert Konsequenzen.

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Das verlangen die Mitarbeitervertreter der Bremischen Evangelischen Kirche schon länger. Sie wollen, dass ihre Führung disziplinarische Schritte gegen den 47-jährigen Geistlichen einleitet. Laut Christian Gloede, der eine Resolution gegen Fremdenfeindlichkeit in der Landeskirche verfasst hat, unterstützen inzwischen mehrere Hundert Angestellte der Kirche die Forderung. Für ihn ist der Handlungsdruck sogar noch größer als zuvor: „Es kann nicht sein, dass sich ein Geistlicher erst öffentlich entschuldigt, um dann nach und nach seine Entschuldigung zurückzuziehen.“

Pastor entschuldigt sich lediglich für drei Passagen

Wie Latzel gegenüber dem WESER-KURIER bestätigt, bitte er lediglich für drei Passagen seiner Predigt um Verzeihung. „Das mit dem Zuckerfest, das mit Buddha und das mit den Reliquien war nicht gut.“ Wenn er jemanden mit seinen Worten verletzt haben sollte, tue es ihm leid. Zu der Predigt selbst stehe er aber. „Die werde ich nicht zurücknehmen.“ Die Erklärung, die von der Landeskirche nach einem Gespräch mit ihm verschickt wurde, sei weder mit dem Vorstand seiner Gemeinde noch mit ihm abgestimmt worden. Der leitende Theologe der Landeskirche, Pastor Renke Brahms, erklärte die Debatte über die Predigt noch längst nicht für beendet.

Latzel kündigte gestern an, eine eigene Erklärung abgeben zu wollen, und zwar bei seinem Gottesdienst am Sonntag. Im Internet, wo es mittlerweile Seiten von Latzel-Befürwortern wie -Gegnern gibt, wird auf die kommende Predigt bereits hingewiesen. Im sozialen Netzwerk Facebook gibt es Aufrufe zu Protestaktionen. Die Polizei will deshalb im Einsatz sein, wenn der Prediger auf der Kanzel steht. Wie viele Beamte den Gottesdienst begleiten werden, lässt Polizeisprecherin Ines Roddewig offen. „Wie groß die Gefahr ist, dass es zu einem Zwischenfall kommt, wird noch ausgewertet.“ Noch am Auswerten ist auch die Staatsanwaltschaft. Sie prüft, ob sich Latzel der Volksverhetzung strafbar gemacht hat. Sprecher Frank Passade: „Wir haben die Predigt jetzt schriftlich vorliegen.“

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