Pläne für die Überseestadt

Vier neue Häuser für den Europahafen

Der Bremer Unternehmer Kurt Zech baut ein Ensemble aus vier Gebäuden am Europahafen in der Überseestadt. Es soll eine Gesamtfläche von 100.000 Quadratmetern umfassen.
23.02.2018, 18:51
Lesedauer: 4 Min
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Vier neue Häuser für den Europahafen
Von Jürgen Hinrichs
Vier neue Häuser für den Europahafen

So soll das Ensemble am Kopf des Europahafens nach den Plänen der Architekten aussehen. Die vier Häuser umfassen eine Gesamtfläche von etwas mehr als 100.000 Quadratmetern.

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Die Senatsbaudirektorin spricht vom „Zech-Haus“. Es ist das höchste Gebäude in einem Ensemble von vier Häusern, die demnächst am Kopf des Europahafens entstehen. „Das ist ihr Begriff“, wehrt Kurt Zech ab, „hört sich wie Trump-Tower an, das möchte ich nicht.“ Ein kurzes Geplänkel zwischen zwei Menschen, die sich bei dem Projekt, das sie am Freitag vorgestellt haben, ansonsten sehr gewogen sind. Sie strahlen sich an, finden überaus freundliche Worte und schwelgen einfach nur: so etwas Schönes, so urban, so modern, charaktervoll und charismatisch! „Das hat uns extrem elektrisiert“, sagt Iris Reuther, Chefin der Stadtentwicklung.

Blick von oben auf den Europahafen in der Überseestadt, wie er zurzeit aussieht. Auch Kurt Zech will mit Firmen aus seiner Unternehmensgruppe in die neuen Gebäude einziehen.

Blick von oben auf den Europahafen in der Überseestadt, wie er zurzeit aussieht. Auch Kurt Zech will mit Firmen aus seiner Unternehmensgruppe in die neuen Gebäude einziehen.

Foto: Christina Kuhaupt

Am Tag zuvor hatte es eine Entscheidung gegeben. Sechs Büros, die sich an einem Wettbewerb beteiligt hatten, darunter mit Jost Westphal auch ein Bremer Architekt. Sie alle konnten bis zuletzt mit diskutieren und sich dem Gespräch mit der Jury stellen, die von Jörn Walter angeführt wurde, dem langjährigen und fast schon legendären Oberbaudirektor von Hamburg, der jetzt als freier Städteplaner arbeitet. Walter ist gebürtiger Bremer. Den Zuschlag bekamen am Ende die Planer von Cobe aus Kopenhagen. „Mit großem Fingerspitzengefühl, mit Empathie und meisterhaften Ideen haben sie die Besonderheiten des Standorts, die Belange der Beteiligten und den Geist des kreativen Dialogs am besten eingefangen“, heißt es in einer Mitteilung aus dem Hause Zech.

Vier Charaktere

Das Büro Cobe hat sich mit den vier geplanten Baukörpern an den Stadtmusikanten orientiert: vier individuelle Charaktere, die als Gruppe zusammengehören und gemeinsam stark sind. So formulieren es die Presseleute von Kurt Zech. Mit Bezug zu den Speichern und Schuppen der Umgebung seien Backstein und rötlicher Beton die vorherrschenden Materialien. „Auf Straßenebene sind die vier Häuser als öffentliche Hallen gestaltet, in denen es einen Streetfood-Markt, Ausstellungsbereiche, Fahrradstationen und vieles mehr geben soll.“

Vorstellung Baupläne Kopf Europahafen - Zechbau

Bremens Senatsbaudirektorin Iris Reuther und Unternehmer Kurt Zech.

Foto: Christina Kuhaupt

Zech wird gefragt, wie viel Geld er in das Projekt investiert. Seine Antwort: „200 bis 300 Millionen Euro. So genau haben wir das noch nicht kalkuliert.“ 200 bis 300 Millionen Euro, kein kleiner Unterschied, für jemanden wie Zech offenbar aber nicht entscheidend. Er ist geradezu euphorisiert von seinen Plänen, eine Herzensangelegenheit.

Dass es bei der Nutzung der vier Häuser, die eine Gesamtfläche von etwas mehr als 100 000 Quadratmeter auf sich vereinen, eine Mischung gibt, zu der mit rund 400 Einheiten auch das Wohnen gehört, hat mit einer einerseits traurigen Geschichte zu tun, die andererseits aber auch ihr Gutes hat. Kellogg musste seine Produktion einstellen und zieht aus Bremen weg. Das 15 Hektar große Areal direkt an der Weser wird freigeräumt und in Zukunft ebenfalls mit Wohnen und Arbeiten belegt. Das erst hat möglich gemacht, dass in der unmittelbaren Nachbarschaft am Europahafen Wohnungen gebaut werden können. Vorher war das wegen der Emissionen bei Kellogg nicht erlaubt.

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Im September vergangenen Jahres hatte Zech nach eigener Darstellung das erste Mal bei der Stadt vorgesprochen. Er geht bei den Behörden zurzeit sowieso aus und ein, weil unter seiner Ägide in Bremen ein noch größeres Projekt in der Planung ist: der Umbau der Innenstadt. Beim Europahafenkopf ließ sich der Unternehmer auf Drängen der Senatsbaudirektorin auf eine „Ideenmeisterschaft“ der Architekten ein. „Ich hatte ein mulmiges Gefühl“, gestand Zech. Zu viele, die mitreden wollen. Doch so, wie der Prozess dann ablief, hat es ihn begeistert. „Als ich die ersten Entwürfe sah, war der spätere Sieger für mich auf dem letzten Platz.“ In der Diskussion mit den Fachleuten habe sich dann nach und nach eine andere Sichtweise herausgeschält.

Zech wird aus seiner Unternehmensgruppe, die mittlerweile auf 7000 Mitarbeiter angewachsen ist, nach eigener Darstellung fünf oder sechs Firmen in dem neuen Gebäude am Europahafen unterbringen. Er sucht schon lange nach einer Zentrale, hatte in der Überseestadt in den vergangenen Jahren auch zwei Anläufe unternommen, einen an der Konsul-Smidt-Straße, wo Zech ein Bürohaus errichtet hat. Eingezogen sind dort schließlich andere Unternehmen. Dieses Mal muss Zech aber Wort halten, sagte er. „Das würden mir meine Leute sonst nicht verzeihen.“

Zur Sache:

Zusammengezimmert aus alten Bauteilen war das „Golden City“ bewusst ein Gegenentwurf zur Glasfassaden-Architektur der Überseestadt: Seit 2013 öffnete die temporäre Hafenbar jeweils für drei Monate im Sommer am Kopf des Europahafens. Das „Golden City“ war Kneipe, Theater, Konzertsaal, Diskussionsforum und Ausflugsziel. Hier lebte die Erinnerung an die alten Hafenquartiere und die mehr als 50 Kneipen und Lokale wieder auf, die in den 1950er- und 1960er-Jahren entlang der „Küste“ im oberen Teil der Nordstraße Hafenarbeiter, Seeleute, Halbwelt und Rotlichtmilieu anlockten. Im April zieht das „Golden City“ ins Lankenauer Höft auf der anderen Weserseite.

Ein Grund dafür ist die Großbaustelle, die demnächst direkt oberhalb des bisherigen Standortes am Europahafen eingerichtet wird. Am anderen Weserufer gebe es außerdem verbesserte Fördermöglichkeiten und frische künstlerische Schubkraft, sagt Golden-City-Initiatorin Frauke Wilhelm: „Das ist noch mal eine neue Inspiration, um die Hafengeschichten, die wir schon als thematisches Grundmaterial haben, zu erweitern und gemeinsam mit den Woltmershausern in eine positive Richtung weiterzuentwickeln.“ Am 22. April geht es los, die Fähre „Pusdorp“ pendelt parallel zu den Öffnungszeiten immer am Wochenende.

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