Schwimmkurse für Fünfjährige 200 Kinder sollen in Blumenthal schwimmen lernen

Durch eine Initiative des Fördervereins Bürgerstiftung Blumenthal sollen 200 Mädchen und Jungen im Alter von fünf Jahren Schwimmen lernen – und das möglichst bald. Noch fehlen aber Trainer und Wasserzeiten.
01.12.2018, 09:22
Lesedauer: 4 Min
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200 Kinder sollen in Blumenthal schwimmen lernen
Von Julia Ladebeck

In Blumenthal soll kein Kind mehr ertrinken. Mit diesem Ziel hat der Förderverein Bürgerstiftung Blumenthal eine Initiative ins Leben gerufen, bei der es darum geht, Kindern bereits im Alter von fünf Jahren das Schwimmen beizubringen. Starten sollen die Schwimmkurse möglichst bald. Wenn es nach Peter Nowack geht, der Vorsitzender des Fördervereins ist, so bald, dass die ersten teilnehmenden Kinder bereits mit Beginn der nächsten Freibadsaison schwimmen können.

Den Anstoß für das Projekt gab eine Bürgerin aus Farge, die nach Angaben von Nowack namentlich nicht erwähnt werden möchte. Nachdem im Juli dieses Jahres ein fünf Jahre alter Junge im Freibad Blumenthal ertrunken war (wir berichteten), hatte sie das Gespräch mit dem Ortsamtsleiter und Fördervereinsvorsitzenden gesucht. „Sie hatte die Idee für die Initiative“, so Nowack, der den Vorschlag gerne aufgegriffen und schnell damit begonnen hat, Geld für die Schwimmkurse zu sammeln.

Los ging es beim E-Day, der Messe zum Thema Elektromobilität auf dem BWK-Gelände, im September. „Die Sparkasse hatte uns 25 Sparschweine zur Verfügung gestellt. Jeder Besucher, der sich an den Ständen gut beraten gefühlt hat, konnte eine kleine Spende geben. 300 Euro kamen so zusammen.“ Weitere 250 Euro hat der Nordbremer Kreisverband des Sozialverbands Deutschland gespendet. Und eine richtig große Summe erhofft sich Nowack von der Stiftung Sparda-Bank Hannover. Dort hat er Fördermittel beantragt und hofft nun, dass 5000 Euro bewilligt werden. „Die Entscheidung fällt voraussichtlich noch in diesem Jahr“, sagt der Vereinsvorsitzende.

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„Im Jahr 2019 werden in Blumenthal 360 Kinder fünf Jahre alt sein.“ Nowack hat sich diese Zahl beim statistischen Landesamt besorgt. Mithilfe der Initiative sollen 200 Mädchen und Jungen im Alter von fünf Jahren Schwimmen lernen. „Das ist das Ziel.“ Um sie beziehungsweise ihre Eltern zu erreichen und das Angebot bekannt zu machen, sollen zunächst Kitas, Kinder- und Familienzentren und das Haus der Familie angesprochen und einbezogen werden. Vor allem steht allerdings noch die Organisation von Schwimmtrainern und von Wasserflächen für die Kurse.

In der kommenden Woche will Nowack sich mit Martina Baden, Geschäftsführerin der Gesellschaft Bremer Bäder, darüber unterhalten, ob Trainingszeiten zur Verfügung stehen würden. „Wir haben sowieso einen Termin, in dem es um das Thema 50 Jahre Freibad Blumenthal im kommenden Jahr geht.“ Nowack weiß, dass das Projekt von der Voraussetzung abhängt, dass Bahnen für den Schwimmunterricht frei sind. In einer Kooperation sieht er auch einen Vorteil für die Bremer Bäder. „Schließlich werden die Kinder durch die Schwimmkurse zu den Kunden von morgen.“ Auch auf die Unterstützung von Eltern zählt er. Nicht für den Unterricht, sondern für die Betreuung der Kinder vor und nach dem Training, wenn die Kleinen beispielsweise Unterstützung beim Umziehen benötigen.

Das Engagement des Fördervereins Bürgerstiftung Blumenthal passt exakt in die Diskussion um die Schwimmfähigkeit von Grundschülern, die seit Monaten in der Politik geführt wird. Unstrittig war nach der Veröffentlichung erschreckender Zahlen zur Schwimmerfahrung von Grundschülern nicht, dass sich etwas ändern muss, sondern was und welche Maßnahmen ergriffen werden sollten.

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Wie berichtet, hat die Deputation für Kinder und Bildung in dieser Woche ein Konzept des Senats beschlossen, durch das mehr Kinder schwimmen lernen sollen. Künftig soll die Schwimmfähigkeit der Kinder systematisch im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung ermittelt werden. Außerdem soll der Schwimmunterricht in die zweite Klasse vorverlegt und die effektive Zeit im Wasser auf 45 Minuten verlängert werden.

Die sportpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Ingelore Rosenkötter, hatte in einer Stellungnahme dazu betont, dass zusätzlich der außerschulische Bereich gestärkt werden müsse, um möglichst viele Kinder zum Schwimmen zu bringen. Die CDU hatte mit der FDP in einem Antrag die Integration der Schwimmausbildung in Kitas, mehr Aus- und Weiterbildung von Schwimmlehrern und eine Ausweisung der Schwimmfähigkeit von Schülern in den Zeugnissen gefordert. Marco Lübke, sportpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, bezeichnete das Konzept des Senats als „Schritt in die richtige Richtung“, die Maßnahmen insgesamt aber als nicht ausreichend. Cindi Tuncel, sportpolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke, kritisierte das Konzept. Es beinhalte lediglich „leere Phrasen und vage Absichtserklärungen“.

Der Förderverein Bürgerstiftung Blumenthal will die Sache im Ortsteil nun selbst in die Hand nehmen und die Schwimmausbildung von Mädchen und Jungen fördern. Nowack betont: „Die Kinder sollen die Kurse mit dem Deutschen Jugendschwimmabzeichen Bronze, also Freischwimmer, abschließen.“ Dieses Abzeichen gilt nach der Definition der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) als Nachweis dafür, dass Kinder sicher schwimmen können.

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Bis zum Beginn der nächsten Freibad-Saison, „wenn viele Eltern mit ihren Kindern auch an die Seen gehen“, sollen nach Nowacks Vorstellung möglichst schon die ersten Kinder schwimmen gelernt haben. Ungeklärt ist bisher neben der Frage, wo die Kurse stattfinden können, wer das Training übernimmt. Nowack würde gerne mit dem Blumenthaler Turnverein (BTV) zusammenarbeiten, der selbst Schwimmkurse anbietet und viel Erfahrung auf diesem Gebiet hat. Das alles, so Nowack, gelte es jetzt möglichst zügig zu organisieren.

Uwe Schnibben, Vorsitzender des BTV, hält das Vorhaben grundsätzlich für eine gute Sache. Er sieht jedoch Schwierigkeiten bei der Realisierung. „Die Idee ist toll. Sie umzusetzen, ist das Problem. Wir würden das Projekt liebend gerne unterstützen. Die Frage ist nur: wo, zu welchen Zeiten und mit welchem Personal?“ Insbesondere nachmittags seien die Bäder sehr ausgebucht, so Schnibben. Hinzu komme, dass es viel zu wenig Übungsleiter gebe, die zu den entsprechenden Zeiten zur Verfügung stehen. „Wir suchen selbst händeringend nach lizenzierten Übungsleitern.“

Frank Domke, der bis vor Kurzem Abteilungsleiter der Schwimmabteilung des BTV war, hat mit Nowack bereits über das Thema gesprochen. Er möchte den Vorsitzenden des Fördervereins ebenfalls unterstützen. „Eventuell könnte man freie Trainer aktivieren“, ist seine Idee. „Ich werde mich umhören.“

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