Geförderte Projekt in Lüssum 383 soziokulturelle Projekte in 20 Jahren

Seit 20 Jahren werden in Lüssum Projekte durch das Programm „Wohnen in Nachbarschaften“ (WiN) gefördert. In einer Feierstunde wurden jetzt auch neue Vorhaben vorgestellt.
05.04.2019, 18:29
Lesedauer: 3 Min
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Von Iris Messerschmidt

Der Applaus wollte gar nicht mehr enden, als Jutta Wedemeyer vom Bewohnerrat der fast schon dankbaren, weil heiseren Heike Binne ins Wort fiel und erst einmal eine große Grünpflanze überreichte. 20 Jahre „Wohnen in Nachbarschaften“ (WiN) in Lüssum: Das sollte während dieser Quartierssitzung in einer kleinen Feierstunde gewürdigt werden. Da war der Treffpunkt im Mehrgenerationenhaus an der Lüssumer Heide laut Heike Binne „so voll wie noch nie“, waren Vertreter verschiedener Einrichtungen, unter anderem Blumenthals Ortsamtsleiter Peter Nowak sowie Hans-Hermann Schrader von der Gewoba, und Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) vor Ort.

„Wenn wir hier schon von Konstanten sprechen, dann ist insbesondere Heike Binne so eine Konstante in diesem Haus“, machte die Senatorin deutlich und unterstrich damit den Dank der Bewohner an die Quartiersmanagerin, den Jutta Wedemeyer durch ihr Präsent sichtbar gemacht hatte. 383 soziokulturelle Projekte sind durch das „Wohnen in Nachbarschaften“-Programm in zwei Jahrzehnten in Lüssum-Bockhorn gefördert worden. „Das ist eine Erfolgsgeschichte“, machte Anja Stahmann deutlich.

Das Mehrgenerationenhaus beziehungsweise die hier Agierenden zeichneten sich als eine Denk- und Ideenwerkstatt aus, Lüssum-Bockhorn sei ein „Ankommensstadtteil“, so die Sozialsenatorin. Viele Menschen ziehen ihren Worten nach gerne hierher. Zum einen, weil es günstigen Wohnraum gebe, zum anderen, weil sie Vertrauen in das Engagement der Menschen vor Ort setzten: „Vertrauen ist die Basis für soziale Arbeit.“

Stahmann lobte in diesem Zusammenhang auch den verlässlichen Partner, die Gewoba. Gleichzeitig wünschte sie sich eine Verdopplung der finanziellen Mittel für das WiN-Programm und machte deutlich, dass sie sich für Lüssum-Bockhorn eigentlich in finanzieller Hinsicht eine Zusammenarbeit der beiden Ressorts soziale Arbeit und Bauen wünsche.

Der so gelobte „verlässliche Partner“, die Gewoba, sprach durch den 60-jährigen Hans-Hermann Schrader, der nach eigenen Angaben seit 25 Jahren für die Wohnungsbaugesellschaft arbeitet und für circa 12 000 Wohnungen in Lüssum, Marßel, Huchting und Kattenturm zuständig ist.

Aus Sicht der Wohnungswirtschaft könne er nur in die Runde geben: „Machen Sie so weiter.“ Der Zusammenhalt im Quartier sei hervorragend, es gebe beste Zusammenarbeit auch mit der Gewoba, viele Ideen kämen von Anwohnern beziehungsweise aus dem Mehrgenerationenhaus, viele Projekte – auch im Rahmen des Programmes Soziale Stadt – konnten umgesetzt werden, und „die Gewoba steht zu Lüssum, sie wird hier bleiben. Wenn es um Projekte geht, kann ich nur betonen, sprechen Sie uns an, soweit möglich, sind wir dabei.“ Schrader räumte gleich noch mit einem Gerücht auf: „Die Gewoba hat die Wohnungen an der Lüssumer Heide noch nicht übernommen, sondern ein Angebot abgegeben. Meines Wissens nach wird das derzeit noch von der Venovia geprüft.“

Quartiersmanagerin Heike Binne hatte nach Jazz-Klängen von zwei Lehrern der Oberschule Sandwehen („die Saxophone wurden mit WiN-Mitteln angeschafft für die musikalische Bildung des Nachwuchses“) noch eine Bitte in Richtung Sozialsenatorin: „Mit Blick auf die Bürgernähe wünsche ich mir eine Vereinfachung der Förderung der Gesundheitsprogramme.“ Die Anträge seien teilweise so kompliziert, dass es kaum verwundere, dass sie von den eigentlichen Zielgruppen nicht gestellt würden, „oder sind Juristen die ,schwer erreichbare Zielgruppe‘?“, fragte Binne rhetorisch in die Runde.

Darüber hinaus verriet die Quartiersmanagerin, dass sie immer wieder auf die Aktion „Marktplatz für gute Geschäfte“ angesprochen werde. Die Aktion gab es 2011 und 2014. Im Herbst 2014 seien die ersten Geflüchteten in Lüssum eingetroffen, „bis heute hatten wir so viel damit zu tun, dass für zusätzliche Aktivitäten bislang keine Zeit blieb“. Das heiße allerdings nicht, dass es die Aktion, in der Ehrenamtliche und Unternehmen besondere Vereinbarungen treffen können, nicht noch einmal in Zukunft geben werde.

Zum Ende dieser besonderen Stadtteilgruppen-Sitzung wurden noch zwei WiN-Projekte vorgestellt. Zum einen „Soziokultur fördert das Zusammenleben“ von Trude Redecker und Dorothea Sander. In dem Projekt geht es um bildende Kunst für Kinder durch verschiedene Mitmach-Aktionen, um Kindertheater, aber auch um Theater für Erwachsene. Als Impulsgeber für die Aktionen, die 2019 und 2020 angeboten werden, sollen die Bronzeskulpturen „Adam und Eva“ aus dem Gerhard-Marcks-Haus ins Café des Mehrgenerationenhauses kommen. „Wir möchte damit eine Art Orientierung bieten rund um das Thema Adam und Eva beziehungsweise Haltung“, erklärte Trude Redeker. Für das Projekt sind 15 100 Euro angesetzt, die nach Zustimmung der Stadtteilgruppe jetzt beantragt werden sollen.

14 200 Euro sollen nach Wunsch der Stadtteilgruppe in das Projekt „Wegweisende Freundlichkeit“ fließen. Das heißt zehn Wochenstunden lang kümmert sich im Haus der Zukunft ein Ansprechpartner formlos um sämtliche Belange der Lüssumer, von der nicht verstandenen Telekom-Rechnung bis hin zu Anschreiben aus der Schule. Heike Binne: „Und glauben Sie mir, zu den jeweiligen Sprechstunden bildet sich hier auf dem Flur eine lange Warteschlange.“

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