Blumenthaler Schützenverein

Und dann hat es Bum gemacht

Anfang des Jahres schloss sich die Schießleistungsgruppe (SLG) Cuxland den Nordbremern an, die Disziplinen nach der Sportordnung des Bundes der Militär- und Polizeischützen (BDMP) ausübt.
01.12.2020, 13:51
Lesedauer: 5 Min
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Von Karsten Hollmann

„Manch einer sieht in uns nur Ballerköppe“, sagt der Abteilungsleiter einer neuen Gruppe innerhalb des Blumenthaler Schützenvereins (SV), Nicolas Küker. Anfang des Jahres schloss sich die Schießleistungsgruppe (SLG) Cuxland den Nordbremern an, die Disziplinen nach der Sportordnung des Bundes der Militär- und Polizeischützen (BDMP) ausübt.

Da die BDMP-Aktiven ihren Sport unter anderem auch mit großkalibrigen Revolvern ausüben, kann man neuerdings auch mal ein lautes Bum auf der Blumenthaler Anlage Am Rosenbusch in Beckedorf vernehmen. Nicolas Küker setzt sich jedoch für einen verantwortungsvollen Umgang mit den einzelnen Sportgeräten ein. „Man fährt ja auch als Fahranfänger nicht gleich ein Auto mit 300 PS. Deshalb sollte man erst einmal mit einer Luftpistole anfangen und sich dann mit einer Neun-Millimeter-Pistole steigern“, erklärt der Kraftfahrzeug (Kfz)-Sachverständige. Bevor ein Sportler auf dem Stand alles „kaputt“ schieße, rate er zu einer weniger großkalibrigen Waffe.

Dem BDMP treu geblieben

Selbst begann Nicolas Küker seine Laufbahn in der Jugend mit dem Luftgewehr (LG) und der Luftpistole (LP). „Es gibt nichts Anspruchsvolleres, als das LG-Schießen“, versichert der 40-Jährige. Im Alter von 20 Jahren wollte er aber auch, dass es einen größeren Knalleffekt beim Abfeuern einer Kugel gibt.

Also probierte er es mit Klein- und Großkaliber-Sportgeräten. „Ich kam dann aber nicht mehr, wie gewünscht weiter“, berichtet Küker. Er hing seine Karriere vorübergehend an den Nagel, erinnerte sich zehn Jahre später aber an sein altes Hobby und traf in der Schießleistungsgruppe Dorfmark im Landkreis Bad Fallingbostel erstmals auf eine BDMP-Abteilung. „Bis heute bin ich auch dem BDMP treu geblieben“, teilt Nicolas Küker mit. Vor drei Jahren gründete er mit ein paar Kollegen die SLG Cuxland, die zunächst im SV Langen-Holssel beheimatet war.

„Die SLG Cuxland haben wir mehr aus einer Laune heraus ins Leben gerufen, weil es in Langen-Holssel, wo ich ab und an Gäste mitgebracht habe, einen Mitglieder-Aufnahmestopp gab“, informiert der Kfz-Meister. Also wechselte die Gruppe nach Bremerhaven-Lehe. Da die Bremerhavener, der aus ihrer Sicht nicht unumstrittenen BDMP-Gruppe, eher misstrauisch gegenüberstanden, suchten Nicolas Küker und Co. sich eine neue Heimat, die sie beim Blumenthaler SV fanden. „Wir haben in Bremerhaven nichts Illegales gemacht und wurden dann sehr freundlich in Blumenthal aufgenommen“, versichert Küker.

Die BDMP-Gruppe umfasst 15 Mitglieder, die mit den unterschiedlichsten Waffen an den Start gehen. „Es gibt bei uns Disziplinen, bei denen zum Beispiel nur Dienstwaffen verwendet werden dürfen. Bei anderen wird nur mit Waffen geschossen, die vor dem Zweiten Weltkrieg hergestellt wurden. Es hat schon etwas, mit 100 Jahre alten Waffen zu schießen“, lässt Nicolas Küker wissen. Einige alte Sportgeräte seien auch noch mit Schießpulver zu füttern.

„Natürlich sind die alten Waffen nicht so präzise wie die heutigen. Es hat dennoch seinen Reiz, da etwas rauszuholen“, schwärmt der Abteilungsleiter. Dieser lobt die im Vergleich zu den herkömmlichen Disziplinen die große Flexibilität. „Unser sportlicher Schwerpunkt liegt im Bereich des dynamischen Großkaliberschießens.

Magazinwechsel, wechselnde Stellungen, Distanzen und Zielmedien bieten erfahrenen Sportschützen neue Herausforderungen und sprechen Interessierte jenseits der klassischen Schießsportdisziplinen an“, betont Nicolas Küker. Vieles geschehe dabei unter Zeitdruck, weil Aufgaben in einer bestimmten Zeit zu erledigen seien.

Zu den wechselnden Zielen dürfen keine menschlichen Darstellungen zählen. Diese sind dem Militär und der Polizei vorbehalten. Auch wenn der Name etwas anderes suggeriert, gehören der Blumenthaler Gruppe der Militär- und Polizeischützen keine Polizeibeamte und auch nur wenige Soldaten an. „Wir haben aber ein paar andere Dienstwaffenträger dabei“, verrät Küker.

Neue Mitglieder würden erst einmal genau unter die Lupe genommen. „Ich möchte zwar kein Blockwart sein. Aber ein neues Mitglied muss vom Typ her einfach zu uns passen“, sagt der in Beverstedt wohnhafte Außendienstmitarbeiter des Technischen Überwachungsvereins (TÜV). Deshalb müsse jeder Interessierte erst einmal eine einjährige Probezeit überstehen. „Wir sind zwar keine Psychologen und können niemandem hinter die Stirn gucken, gucken uns aber dennoch genau an, wie jemand so drauf ist“, so Küker.

Der gelernte Kfz-Mechaniker hat sich selbst auf das Schießen mit einem großkalibrigen Revolver, der Disziplin Super-Magnum, spezialisiert. Während es hier mit Kaliber 44 Magnum erst losgeht, handelt es sich bei diesem Kaliber in anderen Verbänden um eines, das so gerade eben noch zugelassen ist. „Dabei geht es auch darum, den besonders großen Rückstoß abzufangen“, teilt der 40-Jährige mit. In dieser Disziplin sei er auch schon Erster bei überregionalen BDMP-Meisterschaften geworden. Er gehöre hier auch nach der Durchschnittsleistung, die regelmäßig an den Verband gemeldet wird, zu den Top Ten in Niedersachsen/Bremen.

Kein Zwang

Bei Deutschen Meisterschaften reicht es aber meist nur zu einem Mittelfeldplatz. „Ich freue mich zwar immer, wenn auch Kollegen hieran teilnehmen. Aber in dieser Hinsicht herrscht bei uns kein Zwang“, erklärt Nicolas Küker. Einige Mitglieder würden einfach nur zur Entspannung schießen.

Geschossen wird beim BDMP angefangen vom kurzläufigen Revolver bis hin zu den Langwaffen mit den größten Kalibern. Es sind auch Flintenschützen dabei, die auf Tontauben oder auf Klappscheiben zielen. Das können die Blumenthaler allerdings nicht auf ihrem Stand tun. Um mit Gewehren auf bis zu einem Kilometer entfernte Ziele zu schießen, reist eine BDMP-Delegation einmal im Jahr nach Großbritannien.

„Wir haben viele internationale Disziplinen dabei“, so Küker. Angesprochen auf die besondere Faszination, die seinen Sport ausmache, bemüht Nicolas Küker wieder ein Bild aus seiner beruflichen Tätigkeit: „Man kommt auch mit einem 60-PS-Golf bequem von A nach B. Toller ist es aber mit einem Auto mit möglichst großer Maschine.“ Nicolas Küker bildet als Kfz-Meister Lehrlinge aus. „Ich habe mir aber auch in meinem Sport die Ausbildung auf die Fahne geschrieben“, sagt der Beverstedter. Und seiner Meinung nach erlerne man den Schießsport eben nicht mit einem großen Kaliber.

In Zeiten des Lockdowns rät Nicolas Küker zum LG- oder LP-Schießen oder zu Trockenübungen auf dem Dachboden oder im Keller. Er könne es aber dennoch kaum erwarten, dass der Schießsport in der Corona-Krise wieder loslegen darf. „Wir warten auf das Signal, dass es wieder losgeht“, sagt Küker. Dieser wolle es auch nicht kritisch hinterfragen, ob es Sinn macht, seitens der Politik einen Individualsport zu untersagen, bei dem die notwendigen Abstände eigentlich eingehalten werden können. Schon der Start in Blumenthal war holprig verlaufen. „Wir hatten gerade die ersten Schritte gemacht, bevor wir auch schon wieder aufhören mussten“, so der Spartenleiter.

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