Blumenthaler SV

„Für den Sieg das letzte Hemd geben“

"Wer im Endspiel steht und die Chance hat, sich den Traum vom Pokalgewinn zu erfüllen, wird sein letztes Hemd dafür geben“, glaubt der BSV-Trainer Steffen Dieckermann an die Moral seiner Kicker.
20.08.2020, 15:36
Lesedauer: 4 Min
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Von Klaus Grunewald
„Für den Sieg das letzte Hemd geben“

Malte Tietze (links, im Halbfinalspiel gegen Huchting) war aus der jetzigen BSV-Formation dabei, als die Nordbremer beim Bremerhavener Kreisligisten TSV Imsum die Auftakthürde mit einem lockeren 11:0-Auswärtssieg nahmen.

Frank Thomas Koch

„Auf dem Papier ist der FC Oberneuland natürlich klarer Favorit“, sagt Steffen Dieckermann und lässt sofort ein „Aber“ folgen. „Aber wer im Endspiel steht und die Chance hat, sich den Traum vom Pokalgewinn zu erfüllen, wird sein letztes Hemd dafür geben“, glaubt der Trainer des Blumenthaler SV an Willensstärke und Moral seines Teams.

Das Finale soll an diesem Sonnabend um 17.45 Uhr im Stadion am Vinnenweg angepfiffen, und wie in den vergangenen Jahren von der ARD im Rahmen des bundesweiten Finaltags der Fußball-Amateure gezeigt werden.

Der Weg der Burgwall-Elf ins Endspiel des Lottopokals war von ungewöhnlichen Etappen gekennzeichnet. Wegen der Corona-Pandemie mussten die Nordbremer nach ihrem 3:1-Erfolg am 30. Oktober 2019 im Viertelfinale beim Klassengefährten SV Hemelingen fast zehn Monate warten, bevor sie den endgültigen Schritt am 15. August 2020 mit dem 4:1-Auswärtssieg beim Landesligisten FC Huchting vollziehen konnten.

Mit einem im Vergleich zur ersten Pokalrunde am 11. August 2019 stark veränderten Kader. Nur Malte Tietze, Jan-Luca Warm, Alexander Koschek und Dominik Willkomm waren aus der jetzigen Formation dabei, als die Nordbremer beim Bremerhavener Kreisligisten TSV Imsum die Auftakthürde mit einem lockeren 11:0-Auswärtssieg nahmen.

Bereits neun Tage später drohte dem Blumenthaler SV aber bereits das Aus. In der zweiten Pokalrunde traf die Burgwall-Truppe mit ihrem damaligen Trainer-Gespann Denis Spitzer/Rainer Raute auf den ruhmreichen Bremer SV, der gut zehn Minuten vor Spielende durch Yagmur Horata in Führung ging, in der 82. Minute jedoch den Ausgleich durch ein Elfmetertor von Sebastian Kurkiewicz hinnehmen musste.

Im Elfmeterschießen trafen dann Kurkiewicz und Dominik Willkomm für die Nordbremer, während die Gäste leer ausgingen und aus dem Wettbewerb flogen. Der Blumenthaler SV aber marschierte weiter, setzte sich im Achtelfinale 4:1 beim FC Union 60 und im Viertelfinale 3:1 beim SV Hemelingen durch.

Als die Nordbremer dann nach langer Fußball- und Pokalpause am 15. August ihre Halbfinal-Begegnung beim Landesligisten FC Huchting absolvierten, standen sie vor einer großen Bewährungsprobe. Nicht nur der Kader hatte sich stark verändert, waren doch viele junge Spieler auch aus den eigenem Nachwuchs zum Bremen-Liga-Team gestoßen; auch das Trainergespann gehörte zum neuen Gesicht der Mannschaft: Steffen Dieckermann und Steffan Wuttke hatten Denis Spitzer und Rainer Raute abgelöst. In nur wenigen Wochen musste das Tandem den neuen Blumenthaler SV auf die erste große Herausforderung vorbereiten. Mit Erfolg, wie der Einzug ins Pokalendspiel belegt.

Dort ist der frisch gebackene Regionalligist FC Oberneuland im eigenen Stadion Gegner und zugleich Pokalverteidiger. Am 25. Mai 2019 gewann das Team von Coach Kristian Arambasic den Pott durch einen 1:0-Sieg über den Bremer SV. Damals gehörte Malte Tietze noch zum Team der unterlegenen Westbremer, rund 15 Monate später steht er jetzt erneut im Bremer Pokalfinale.

Von der Erfahrung des Spielmachers, der in den Blumenthaler Jugendteams zum Bremen-Liga-Spieler aufwuchs und reifte, kann auch die neue Formation der Burgwall-Elf profitieren. Ebenso wie von den routinierten Rückkehrern Kilian Lammers, Bo Weishaupt und Dominik Willkomm.

Überhaupt dürfte der BSV-Trainer Steffen Dieckermann an diesem Sonnabend zunächst einmal die Elf aufs Spielfeld schicken, die das Erreichen des Endspiels perfekt gemacht hat, also mit Hachem (Tor), Warm, Hesseling, Thiele (Beutelsbacher), Willkomm, Weishaupt (Yavus), Isik, Tietze, Ahlers (Nagel), Chinika und Lammers. Fest steht allerdings schon, dass Kevin Thiele nicht auflaufen kann, weil er sich im Match gegen die Huchtinger einen Muskelfaserriss zugezogen hat. Für ihn rückt der 17-jährige Ben Starke in den Kader, der übrigens gute Erinnerungen an einen Gegner namens FC Oberneuland hat.

Im November 2018 sicherte er in der B-Jugend-Verbandsliga mit seinem Treffer den 1:0-Sieg gegen den großen Favoriten, der damit seine einzige Saisonniederlage kassierte. Auch am Sonnabend ist der Blumenthaler SV im Stadion am Vinnenweg Außenseiter. Aber einer mit Ambitionen, hofft Steffen Dieckermann und nennt die Voraussetzungen für einen Überraschungscoup: „Wie dürfen keine Angst haben, müssen die verständliche Nervosität in den Griff kriegen, wollen möglichst lange kein Gegentor bekommen und die eigenen Chancen optimal nutzen.“ Das kann gelingen, wenn die Nordbremer nach Ansicht ihres Trainers schnell in die Zweikämpfe und in die Grundordnung kommen.

Auch als Amateurspieler, weiß der Blumenthaler Coach, habe man stets zwei große Ziele: die Meisterschaft und/oder den Pokal gewinnen. Das aber könne nur gelingen, wenn die Mannschaft alles in die Waagschale werfe. Gegen den FCO konnte der Blumenthaler SV in den letzten 14 Begegnungen jeweils zwei Mal ein Unentschieden und einen Sieg erringen, während man in zehn Partien als Verlierer vom Platz ging. Aber diese Statistik, sagt Dieckermann, entscheide nicht über den Ausgang des Pokal-Finales am Sonnabend. Und er fügt an: „Das kann man gewinnen, auch wenn es nur eine Chance von 1:99 gibt.“

Eintrittskarten für das Spiel gibt es im Übrigen nicht mehr. Deshalb ist die Tageskasse geschlossen. Wer kein Ticket habe, solle wegen der Coronavirus-Gefahr erst gar nicht zum Vinnenweg kommen, appelliert der Bremer Fußball-Verband an die Vernunft der Zuschauer.

Das Stadion ist ab 16.15 Uhr geöffnet, wobei die Anhänger der Blumenthaler SV durch das Tor 1 gehen und den Block D aufsuchen sollen. Zuvor aber muss das ausgefüllte Kontaktformular als Teil der Eintrittskarte abgegeben werden. Und in den sanitären Anlagen sowie an den Gastronomie-Ständen ist die Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen.

Lange Zeit zum Trauern oder Feiern nach dem Pokalfinale bleibt dem Blumenthaler SV übrigens nicht. Schon am Dienstag, 1. September, soll nämlich die erste Runde im Lottopokal der Saison 2020/21 über die Bühne gehen. Die Burgwall-Elf muss dann bei der SG Marßel aus der Kreisliga A Bremen antreten.

Diese Auftakt-Begegnung der Blumenthaler auf der Sportanlage an der Stader Landstraße wird um 19 Uhr angepfiffen. Ein Freilos in der ersten Runde haben unter anderem der FC Oberneuland und die SG Aumund-Vegesack gezogen.

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