Blumenthaler SV Aufbruchstimmung

Tradition. Das ist ein Begriff, den Peter Moussalli gerne in Zusammenhang mit dem Blumenthaler SV benutzt.
22.04.2019, 17:34
Lesedauer: 4 Min
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Von Jens Pillnick

Blumenthal. Tradition. Das ist ein Begriff, den Peter Moussalli gerne in Zusammenhang mit dem Blumenthaler SV benutzt. Der Name Peter Moussalli wird später oft erwähnt werden, wenn man über den traditionsreichen Blumenthaler SV berichtet. Schließlich ist der 46-Jährige auf der Jahreshauptversammlung Ende Februar zum ersten Vorsitzenden gewählt worden – und das im Jahr des 100-jährigen Bestehens des Blumenthaler SV. Der neue Boss wird schließlich auch einmal daran gemessen werden, was er im Jahr des großen Jubiläums auf die Beine gestellt hat. Herausforderung und Ansporn für den Neuen zugleich.

Natürlich geht es aber nicht nur darum, im Jahr des 100. Geburtstags sportliche und gesellschaftliche Höhepunkte anzubieten. Es geht auch darum, die Weichen für die Zukunft im Allgemeinen zu stellen – schließlich will Peter Moussalli die von ihm festgestellte Aufbruchstimmung, die sich in großer Bereitschaft zur Mitarbeit ausdrückt, in die richtigen Kanäle lenken. Die Aufgaben des Vereinsoberhauptes, der nicht zur Kandidatur überredet werden musste („Ich hab gesagt, ich mach das jetzt. Als Spieler und Sportwart war ich ja auch schon bereit, Verantwortung zu übernehmen“), sind also zweigeteilt.

Als zweigleisig bezeichnet der Nachfolger des aus gesundheitlichen Gründen nicht zur Wiederwahl angetretenen Holger Bors auch die Planungen für die 100-Jahr-Feier. Der Wunsch ist und war es, die Feierlichkeiten und ein Freundschaftsspiel gegen den Fußball-Bundesligisten Werder Bremen zeitlich zu verknüpfen. Doch da Werder sich wegen des Fragezeichens hinter der Europapokalteilnahme terminlich noch nicht binden will, wurde für die Vereinsfeier der 24. August fixiert. Dann sollen auf dem ehemaligen BWK-Gelände in Blumenthal in einem Festzelt Mitglieder, Freude des Vereins und Interessierte zusammengeführt werden. Wann die Werder-Profis im Burgwallstadion auflaufen, soll laut Moussalli in zwei, drei oder vier Wochen feststehen. Die Modalitäten seien geklärt und zu Frank Baumann (Werders Geschäftsführer Sport) bestehe E-Mail-Kontakt. Einen konkreten Termin gibt es indes für ein national klangvoll besetztes C-Junioren-Turnier, bei dem am Sonnabend, 17. August, Mannschaften wie der HSV, Borussia Mönchengladbach, der SV Meppen und auch Werder erwartet werden. Tags darauf werden die D-Junioren ihr Können im Rahmen eines Turniers zeigen.

Während die 100-Jahr-Feier gewissermaßen die Kür der neuen Führungsmannschaft um Peter Moussalli und den neuen „Vize“ Peter Nowack darstellt, sind die Meisterschaftsrunden von den Minis bis zu den Oldies die Pflicht. Der Alltag also. Und dieses Alltagsgeschäft soll nach dem Willen von Peter Moussalli aufpoliert werden. Ein Unterfangen, das nicht von heute auf morgen zu bewerkstelligen sei, aber natürlich heute beginne. Von der Wurzel an soll an dem Ziel gearbeitet werden, hinter Werder Bremen wieder die beste Jugendausbildung in Bremen zu leisten. „Dafür brauchen wir extrem gute Trainer, denen wir auch die Wertschätzung zukommen lassen müssen“, weiß Moussalli, der leistungsorientierte, vernünftige und nachhaltige Jugendarbeit als Ziel erklärt hat. Moussalli: „Jeder, der ein talentiertes Kind hat, soll sich überlegen müssen, ob es zum Blumenthaler SV kommt.“ Davon, ganze Mannschaften von anderen Vereinen abzuwerben, distanziere er sich, „das ist nicht meine Philosophie.“ Während Peter Moussalli bei seinem Verein die Aufbruchstimmung nutzen will, sieht er auf das Vereinswesen im Allgemeinen einen Umbruch zukommen: „Es wird weniger Vereine, aber dafür größere geben. Ich erwartet Verschiebungen in den nächsten Jahren.“ Dass der Blumenthaler SV von der Bildfläche verschwindet und in eine Gemeinschaft einfließt, schließt der neue Vereinsboss allerdings aus: „Wenn ich sagen würde, wir geben unseren Namen her, würden die Vereinsmitglieder mich lynchen. Aber andere Vereine können sich uns gerne anschließen.“

Einer der in einer offiziellen Funktion hinzugekommenen Unterstützer ist der bereits erwähnte Peter Nowack. Den Blumenthaler Ortsamtsleiter, der schon seit Jahren Stammgast am Burgwall ist, hat Peter Moussalli bei einem Kochkurs kennengelernt und sich mit ihm angefreundet. Schließlich hat Nowack seine Hilfe als Vorstandsmitglied angeboten. Moussalli: „Peter Nowacks Kontakte und politischer Einfluss sind für uns Gold wert.“

Die von Moussalli angekündigte Nachhaltigkeit in der Jugendarbeit soll natürlich nicht als preiswerte Ausbildungsarbeit für andere Vereine geleistet werden, sondern ist als Eigennutz gedacht. „Wir müssen die Jungs von Blumenthal begeistern. Wir müssen eine Identifikation mit dem Verein hinkriegen“, sagt Moussalli. Die Identifikation ist letztlich der Schlüssel zu seiner Vision, die positiven Einfluss auf den Herrenbereich haben soll. „300 oder 400 Euro woanders zu bekommen, ist doch nicht alles“, will Moussalli andere Trümpfe als Geldscheine ausspielen: „Wir wollen den Verein mit Leben füllen.“

Und mit Leistungsstärke. Was den Juniorenbereich angeht, gesteht Moussalli ein, umgedacht zu haben. Hatte er in der Vergangenheit noch darüber spekuliert, ob es sinnvoll sei, sich eine kostenintensive Mannschaft in der A-Junioren-Regionalliga zu leisten, so nennt er jetzt „die Strahlkraft über Bremen hinaus“ als dicken Pluspunkt. Verbunden mit der Hoffnung, dass künftig mehr talentierte Spieler ihre Identifikation damit ausdrücken, aus der A-Jugend in den Herrenbereich des Blumenthaler SV aufzurücken. Einen Herrenbereich, in dem die erste Mannschaft das uneingeschränkte Aushängeschild sein und mittelfristig auch in die Aufstiegsrunde zur Regionalliga einziehen soll.

Als weiteren Traum und als Ziel gleichermaßen nennt er den Pokalsieg und den damit verbundenen Einzug in den DFB-Pokal. Damit die erste Herren Aushängeschild und Anziehungspunkt für den eigenen Nachwuchs sein kann, soll sie schnell wieder zu einem konkurrenzfähigen Teil in der Spitzengruppe der Bremen-Liga gemacht werden.

Ein Dreivierteljahr nach dem großen Umbruch befindet sich die Mannschaft von Trainer Spitzer auf dem Weg dorthin. Aus dem Abstiegskandidaten ist in der Rückrunde ein Anwärter auf die Top acht geworden, die sich bekanntlich am Jahresende beim Amateur-Hallenturnier in der ÖVB-Arena gegenüberstehen. Gespannt darf man darauf sein, in welcher Tabellenregion sich der im Juli 2018 zusammengewürfelte Haufen, der zu einer hoch talentierten Einheit zusammengewachsen ist und mit gestandenen Spielern verstärkt werden soll, im Dezember 2019 befindet.

Dann ist auch der Zeitpunkt gekommen, um Bilanz zu ziehen. Dann wird nicht nur das Jubiläumsjahr enden, sondern auch das erste Jahr von Peter Moussalli als Vorsitzender des Blumenthaler SV.

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