Denkort Bunker Valentin

Gegen Rassismus und Ausgrenzung

In den Sommerferien haben Kinder und Jugendliche zum Abschluss eines Projekts des Vereins für Turn und Tanz Farge-Rekum im Denkort Bunker Valentin Bilder zu den Themen Ausgrenzung und Rassismus gestaltet.
03.09.2020, 07:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Hildebrandt
Gegen Rassismus und Ausgrenzung

Die Bilder, die Zuge des Projekts im Denkort Bunker Valentin entstanden sind, werden nun in einer Ausstellung gezeigt.

Christian Kosak

Farge. Eines der vielen Gemälde, die im Bunker Valentin hängen, ist nur auf den ersten Blick ein abstraktes Bild: Bei näherem Hinsehen lassen sich Dutzende von Handabdrücken erkennen. Die breiten Linien von Fingern und die Flächen von Handballen setzen sich zu einem bizarren, vielfarbigen Muster zusammen – ein Bild des Protestes gegen Rassismus und Ausgrenzung.

In den Sommerferien schufen Kinder und Jugendliche im Alter zwischen vier und 15 Jahren zahlreiche Gemälde in großen Formaten – zum Abschluss eines Projekts, das der Verein für Turn und Tanz Farge-Rekum im Denkort Bunker Valentin durchgeführt hat. Es befasste sich mit der NS-Vergangenheit vor Ort, aber auch, eng damit zusammenhängend, den aktuellen Themen Ausgrenzung und Rassismus. In verschiedenen Altersklassen besuchten die Teilnehmer in Kleingruppen Seminare zu diesen Themen und brachten später in einer Kreativphase ihre Gedanken und Gefühle in Kunstwerken zum Ausdruck.

„Manche Bilder drücken mit ihren von oben nach unten laufenden Farben Trauer aus, andere lassen mit grellen Tönen Wut heraus. Die Kinder und Jugendlichen konnten mit den Bildern ihren Emotionen freien Lauf lassen“, sagt Jugendleiter Eric Wagner, der zusammen mit Jana Marten und Isabell Pfeiffer das Projekt begleitet hat. „Viele Teilnehmer waren durch die Seminare im Bunker Valentin vom Thema stark berührt, und einige hatten auch Rassismus am eigenen Leib erfahren oder in ihrer Umgebung beobachtet“, erzählt Eric Wagner.

Die Bilder werden nun in einer Ausstellung unter dem Titel „Unsere bunte Welt“ gezeigt. Bei der Eröffnung wird im Dunkel des Bunkers zunächst mit einer Schweigeminute stehend der Opfer von Rassismus und Ausgrenzung gedacht. Thomas Köcher, Leiter der Landeszentrale für Politische Bildung Bremen, betont in seiner Ansprache, dass diese Themen leider heute wieder sehr aktuell seien. Denkorte wie der Bunker Valentin seien auch für die Hinterbliebenen der Opfer wichtige Erinnerungsstätten, zugleich aber auch Orte, an denen Fragen aufkommen, wie: Was habt ihr aus dem Geschehenen gelernt?

„Um Rassismus zu verstehen, muss man sich mit dem Kolonialismus befassen“, sagt Gastredner Elombo Bolayela (SPD), Abgeordneter der Bremischen Bürgerschaft. Die Versklavung von Menschen, die während der Kolonialzeit stattfand, sei mit dem europäischen Menschenbild der Aufklärung nicht vereinbar gewesen, das Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit fordere – was immer noch im Widerspruch zur Realität stehe. Auch in Bremen würden bis heute Standbilder und Straßennamen die Kolonialgeschichte teilweise verklären.

„Kein Mensch wird als Rassist geboren“, sagt Bolayela, von daher komme Bildung und Erziehung ein enormer Stellenwert zu. „Und wo Rassismus herrscht, ist die Demokratie bedroht“, sagt er. Der Politiker weist dabei auf die große Bedeutung von Bildern bei der Entstehung von Rassismus und Ausgrenzung hin.

Carsten Meyer-Heder, Bürgerschaftsabgeordneter und Landesvorsitzender der CDU Bremen, betont, wie wichtig es ist, dass Jugendarbeit trotz der Corona-Pandemie fortgeführt wird. In den Sommerferien seien Klassenfahrten und Ausflüge, zum Beispiel mit der Kirche oder mit Sportvereinen, ausgefallen. Umso wichtiger sei ein Projekt wie dieses, so Meyer-Heder. „Ich komme beruflich aus der digitalen Welt“, sagt er, „und dort findet besonders viel Ausgrenzung und Rassismus statt – ich bitte darum, sofort aktiv zu werden, wenn so etwas beobachtet wird.“ Oliver Fröhlich, Ortsamtsleiter in Blumenthal, lobt, dass sich der Turn- und Tanzverein Farge-Rekum Gedanken darüber gemacht hat, was Integration an Inhalten vermitteln könne und diese auch umgesetzt habe.

Während der Eröffnungsfeier zur Ausstellung „Unsere bunte Welt“ hängt direkt vor dem Publikum ein ungewöhnlich großes Bild an der Wand, das während des Sommerferienprojekts von mehreren Teilnehmern gemeinsam geschaffen wurde. Es zeigt Puzzleteile in vielen Farben, durch die eine weiße Taube fliegt – es könnte Sinnbild sein für das bunte Leben in friedlichem Miteinander.

Info

Zur Sache

Versteigerung der Bilder

Die Ausstellung „Unsere bunte Welt“ kann bis Mittwoch, 9. September, im Denkort Bunker Valentin, Rekumer Siel, zu den Öffnungszeiten des Bunkers kostenlos besichtigt werden. Alle Bilder der Ausstellung können bis Donnerstag, 10. September, in einer Versteigerungsaktion erworben werden. Die eine Hälfte der Einnahmen fließt in soziale Einrichtungen sowie Kinder- und Jugendprojekte aus Blumenthal, die andere Hälfte in die sportliche Entwicklung Blumenthals und die Planung für ein Kinderbewegungszentrum für ganz Blumenthal. Gebote für die Bilder können direkt im Bunker Valentin oder unter der E-Mail vtt-farge-rekum@t-online.de eingereicht werden. Weitere Informationen gibt es unter Telefon 01 73 / 2 18 87 05.

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