Kanu-Club Rönnebeck

Wie Wandern, nur mit den Armen

Kanu-Club Rönnebeck freut sich seit Jahren über ein stabiles Gerüst von rund 80 Mitgliedern
06.05.2021, 16:26
Lesedauer: 4 Min
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Von Karsten Hollmann
Wie Wandern, nur mit den Armen

Wolfgang Laging, Hans-Jürgen Otten und Jugendwartin Sonja Schanno (von links) sind auf der Weser unterwegs.

Christian Kosak

Im vergangenen Jahr hat der Kanu-Club Rönnebeck (KCR) sein 60-jähriges Bestehen gefeiert. Aber bereits im Jahr 1935 hatten sich 15 Rönnebecker Wassersportler zusammengetan, deren Boote in einem Wirtschaftsgebäude der Jugendherberge am Rönnebecker Weserufer lagerten. Die Wassersportler konnten bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ungestört ihrem Hobby nachgehen, waren aber noch nicht in einem Verein verbunden.

Als sich nach dem Krieg die Lage stabilisierte, waren auch die Rönnebecker Kanuten wieder vor Ort. Die Jugendherberge wurde wieder ihr Domizil und Heimathafen. Im Jahre 1959 mussten die Rönnebecker Kanuten ihr Domizil an der Jugendherberge jedoch räumen, da das Wirtschaftsgebäude abgerissen wurde und der Neubau der Jugendherberge begann. Die Kanuten mussten sich also anderweitig umsehen, da alle weiterhin aktiv Wassersport betreiben wollten.

In dieser Notsituation erhielten sie damals Hilfe durch Karl Marx vom Kreissportbund Bremen-Nord sowie von Fritz Piaskowski vom Landessportbund. Nach langen und schwierigen Verhandlungen durften die Rönnebecker Kanuten einen Teil des ehemaligen Strandbades an der Bürgermeister-Dehnkamp-Straße in Rönnebeck als Bootshaus nutzen, wobei der hierfür erforderliche Umbau in Eigenleistung erfolgen sollte. Somit herrschte wieder Leben im seit Jahren brachliegenden Strandbad. Der erste Schritt zur Vereinsgründung, die am 16. Januar 1960 mit 18 Mitgliedern erfolgte, war getan. Erster Vorsitzender wurde Heinz Czech.

„Wir betreiben in erster Linie das Kanu-Wandern“, informiert Rönnebecks heutiger Vorsitzender Hans-Jürgen Otten. Dieser ist seit 31 Jahren Mitglied im Kanu-Club, geht seinem Sport aber bereits seit 1970 nach. Die Kanu-Wanderer im Verein werden ergänzt durch die Motorbootsport-Gruppe. „Es gibt auch welche, die beides machen“, teilt Hans-Jürgen Otten mit. Besonders moderne oder populäre Varianten des Kanu-Sports wie das Stand-up-Paddeln, Wildwassersport oder Kanu-Polo werden hingegen nicht angeboten.

Vor der KCR-Haustür liegt die Unterweser, ein Tidengewässer, bei dem die Gezeiten mit Ebbe und Flut walten. Um die wechselnde Fließrichtung optimal nutzen zu können, benötigt man einen Tidenkalender. Hilfreich für die Planung von Fahrten sind zudem der Wetterbericht und ein aktueller Blick auf die Weser durch die Vegesacker Webcam. Paddeln heißt für den Verein in erster Linie Wander-Paddeln mit der Beachtung der Befahrungs-Regelungen.

Dies ist das Naturerlebnis auf dem Wasser, das die rund 80 Mitglieder des Vereins zumeist in größeren oder kleineren Gruppen genießen. Es lassen sich Fahrten flussauf und -ab unternehmen, beispielsweise Richtung Nordenham oder über die Lesum zu den Blockland-Gewässern.

Sogar eine Rundfahrt durch Bremen vom KCR über Weser, Lesum und Blocklandgewässer in die Innenstadt zur Weser und zum Verein zurück ist möglich. Dabei müssen die Boote allerdings in der City auf Bootswagen gehievt und gezogen werden.

Die Mitglieder unternehmen aber auch gerne Touren auf großen Seen oder an die Ostsee. „Das Küstenpaddeln an der Ostsee macht besonders viel Spaß“, verrät Hans-Jürgen Otten, der auch bereits in Schweden, Frankreich, den Niederlanden und Tschechien gepaddelt ist. Durch die Vertiefung der Weser im Jahre 1965 drohte der Verein die Verbindung zum Fluss zu verlieren. Mit der Schaffung einer neuen Steinböschung wurde eine Beton- und Holzrampe fällig, um die Boote noch ins Wasser lassen zu können.

„Über die Steine hätten wir das nicht hinbekommen“, räumt Otten ein. Neuer Schwung in die sportlichen Aktivitäten kam Mitte der 1980er-Jahre mit dem Aufbau einer Jugendgruppe unter dem damaligen Jugendwart Thomas Rutka. Zahlreiche Ferienfahrten sowie die regelmäßige Teilnahme an Veranstaltungen wie dem Weser-Marathon sorgten für Spaß und Abwechslung. Der Mauerfall im Jahre 1989 eröffnete den Nordbremern mit der Elbe und den Mecklenburger Seen zudem ganz neue Perspektiven.

Der Kanu-Club stellt Gästen auch eine Zeltwiese oder seinen Jugendraum zur Übernachtung zur Verfügung. „Viele Leute nutzen unseren Verein gerne als Standort für Touren. Wegen der Corona-Pandemie sind aber derzeit keine Übernachtungen erlaubt“, lässt Hans-Jürgen Otten wissen. Auch die Einnahmen aus Privatfeiern von Mitgliedern fielen derzeit weg.

Die Preise für die Boote fallen sehr unterschiedlich aus. Diese fangen bei rund 1000 Euro für ein Einer-Kajak an. „Nach oben gibt es aber keine Grenzen. Es kommt stets darauf an, ob man sich einen Fiat 500 oder einen Mercedes kaufen möchte“, so Otten. Für ein gutes und leichtes Zweier-Kajak müssten dann auch schon einmal 5000 Euro angelegt werden.

Ottens Klubkollege Wolfgang Laging teilt sich ein solch leichtes Zweier-Kajak mit seinem Sohn Arne Laging. Der Filius fährt ansonsten auch Drachenboot bei Tura Bremen und war früher Mitglied im Junioren-Nationalteam. Rennen tragen die KCR-Mitglieder nicht aus. „Bei uns kommt es nicht auf die Zeit an. Wir sind vielmehr mit Wanderern im Wald zu vergleichen. Nur benutzen wir unsere Arme und nicht unsere Beine“, erklärt Hans-Jürgen Otten. Der Kanu-Sport hat als Individualsportart den Vorteil, dass er auch während eines Corona-Lockdowns weiter ausgeübt werden kann. So können sich die Mitglieder auch nach wie vor immer mittwochs um 16.30 Uhr in Kleingruppen an der Bürgermeister-Dehnkamp-Straße treffen, um mit ausreichend Abstand gemeinsame Touren zu unternehmen. Pausieren müssen aber dennoch die beiden Heimkinder aus Neuenkirchen, die ansonsten regelmäßig an den Treffen teilnehmen. „Die Heimleitung möchte jedes Risiko vermeiden und lässt die beiden deshalb derzeit nicht zu uns kommen“, berichtet Hans-Jürgen Otten. Er teilt mit, dass die Mitgliederzahlen in den vergangenen Jahren relativ konstant geblieben seien.

„Auch durch Corona sind aber zuletzt ein paar Leute mehr ausgetreten als neu hinzugekommen“, berichtet der ehemalige Wanderwart, der früher in Bremen-Osterholz beziehungsweise Sebaldsbrück gewohnt hat und wegen seines damaligen Arbeitsplatzes bei der Firma Thyssen-Krupp in Farge Ende des Jahres 1989 nach Rönnebeck zog. Eine Hochzeit erlebte der Verein Mitte der 1980er-Jahre, als dieser sogar mehr als 100 Mitglieder zählte, von denen damals ein Drittel der Jugend angehörten. Somit waren die Weichen für eine vielversprechende Zukunft des Klubs gestellt.

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