Blumenthals Ortsamtsleiter im Interview „Nachhaltigkeit ist ein riesiges Thema“

Nach fast 100 Tagen im Amt sieht Blumenthals neuer Ortsamtsleiter Oliver Fröhlich eine Chance in den E-Days für den Stadtteil. 2021 soll die Elektromobilitätsmesse größer als bisher ausfallen, hofft er.
05.09.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
„Nachhaltigkeit ist ein riesiges Thema“
Von Patricia Brandt
Herr Fröhlich, Sie haben am 1. Juni ihren Dienst im Ortsamt Blumenthal aufgenommen. Die 100 Tage im Amt sind fast um: Wie sieht Ihre Problemanalyse für Blumenthal aus?

Oliver Fröhlich: In den ersten 100 Tagen bin ich vorrangig damit beschäftigt gewesen, viele Menschen kennenzulernen. Ich habe jeden Tag drei bis vier Termine, hier vor Ort, bei Initiativen, in der senatorischen Dienststelle in Bremen. Mit dem ein oder anderen spreche ich natürlich über Probleme, aber eben auch mit anderen über anstehende Projekte. Ich habe mir sechs Monate Zeit gegeben, mich zu sortieren.

Wo liegen Ihre Schwerpunkte?

Ich will keine Prioritäten hervorheben. Es gibt große Projekte wie den geplanten Berufsschulcampus auf dem Gelände der früheren Woll-Kämmerei, aber auch kleinere Probleme wie illegale Müllentsorgung auf der Bahrsplate oder an der Fresenbergstraße. Dann werden das Tanklager Farge und das Kraftwerk Farge weiterhin Themen sein. Das sind alles Schwerpunkte für mich. Zudem stellt sich für mich derzeit die Frage, was wir tun können, um Blumenthals kulturelle Seite mehr herauszustellen. Ich tue mich schwer damit, über ungelegte Eier zu reden, aber ich würde mir wünschen, dass wir mehr im kulturellen und musikalischen Bereich machen. Auch hier bestehen bereits Ideen wie zum Beispiel für eine musikalische Woche unter Einbindung aller Ortsteile mit einem Abschluss-Highlight ‚Folk im Park‘. Eine andere Möglichkeit ist auch, ob wir Vereinen eine Plattform bieten können, damit diese ihre Sportarten präsentieren können. Falls es etwas nicht gibt, das sich Jugendliche wünschen, könnte man externe Akteure nach Blumenthal holen. Es gibt viele neue Ideen, dieses sind nur ein paar.

Blumenthal Aktiv wollte Sie zum Rundgang einladen, um Ihnen den Stadtteil aus Sicht der Gewerbetreibenden zu präsentieren. Was halten sie von einer Bündelung der Marktaktivitäten?

Noch hat der Rundgang aus Zeitgründen nicht stattgefunden. Es werden sicherlich auch noch andere daran teilnehmen, wenn wir einen genauen Termin abgestimmt haben. Es ist ein Anliegen von mir, die Akteure zusammenzubringen, damit wir die verschiedenen Ideen zusammentragen und daraus eine gute Idee entwickeln.

Diese Woche haben Sie mit dem SPD-Ortsverein über das Sanierungsgebiet Zentrum-Blumenthal gesprochen. Was sind Ihre Ideen dazu?

Ich möchte definitiv nicht noch die gefühlt 16. Idee einbringen. Wir werden aber insgesamt darüber sprechen müssen. Es muss eine gemeinsame Variante aus Blumenthal heraus entwickelt werden. Das versuche ich zusammenzubringen. Wohnraum ist ein großes Thema. Auch kleinere Geschäfte und ein Café wären wünschenswert.

Bleiben wir im Ortskern: Die Planungen zur Stadtteilbibliothek Blumenthal kommen nicht voran. Geld soll frühestens 2021 zur Verfügung stehen, einen Standort gibt es auch noch nicht. Was unternehmen Sie, um die Sache zu beschleunigen?

Mir ist wichtig, dass diejenigen, die es später betreiben werden, sagen was sie benötigen und wie groß etwas sein soll. Ich trage nun die verschiedenen Ideen, zum Beispiel das derzeitige Sparkassengebäude und das alte Rathaus, zusammen, um Eckdaten zu haben. Aber auch auf dem Campus ist so etwas für die Berufsschüler geplant. Mir ist es derzeit wichtig, die verschiedenen Projekte in Blumenthal aufeinander abzustimmen, so dass nachher eine Einzelentscheidung nicht wieder ein anderes Projekt umwirft. Bezüglich der Stadtteilbibliothek geht es mir nicht um „schnell“, sondern um „vernünftig“.

Hakt es beim Ausbau des Campus?

Es kommen immer wieder Leute zu mir, die mir vorschlagen, schon mal die eine oder andere leer stehende Hallen abzureißen, aber erst mal muss das Konzept stehen. Ich habe vergangene Woche mit Bildungssenatorin Claudia Bogedan ein Gespräch gehabt, um den Stand der Dinge zu erfahren, und mein Eindruck ist: Es geht voran. Man setzt sich bereits mit der ersten Berufsschule auseinander.

Ist die Kriminalität im Stadtteil ein Thema für Sie?

Mir wird viel berichtet, und das nehme ich auch ernst. Selbst augenscheinlich wahrgenommen habe ich das Problem bisher aber noch nicht. Aber es bestehen scheinbar Problemfelder und damit werde ich mich auch auseinandersetzen. Wir haben zwar die Gewaltenteilung, dennoch habe ich auch schon die Gelegenheit genutzt, um zum Beispiel mit der Quartiersmanagerin die Personen und die Situation in der George-Albrecht-Straße kennenzulernen.

Lesen Sie auch

Sie haben vorhin bereits das Müllproblem angesprochen ...

Das ist ein Thema, das ich ernst nehme. Wo ich Zugriff darauf habe, das sind die Umweltwächter, die den Müll auf der Bahrsplate beseitigen können. Hier finden sich ständig gelbe und blaue Mülltüten, die aufreißen und dann sieht es dort aus, wie es aussieht. Eine Paradelösung habe ich nicht, aber das ist ein Problem, was sich über Jahre entwickelt hat. Es wird Zeit in Anspruch nehmen, das zu lösen.

Im September 2019 wurde in Blumenthal der zweite E-Day ausgerufen. Wird es eine dritte Auflage der Elektromobilitätsmesse geben?

Der E-Day wird dieses Jahr aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden. Ich werde aber demnächst mit den Initiatoren des bisherigen E-Days ins Gespräch kommen, weil ich das Projekt klasse finde. Ich stelle mir die Frage, wie wir zukünftig mit der Veranstaltung umgehen. Soll sie klein- bis mittelgroß bleiben oder ist das zukünftig das Pferd, auf das Blumenthal setzen sollte, um über die Stadtgrenzen hinaus zu ragen? Nachhaltigkeit ist ein riesiges Thema. Ich möchte bei den Initiatoren abklopfen, ob wir einen hauptamtlichen Akteur brauchen, um hier vielleicht sogar eine große Nachhaltigkeitsmesse hinzubekommen.

Das Interview führte Patricia Brandt.

Info

Zur Person

Oliver Fröhlich

hat im Juni 2020 Ortsamtsleiter Peter Nowack abgelöst. Der 38-jährige Diplom-Verwaltungswirt lebt mit seiner Frau und einem Kind in Beverstedt, wo er zuvor für den Bereich Bürgerservice zuständig war.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+