Geld für Stadtteilwerbung

Ein Marketing für Blumenthal

Blumenthal soll zusätzlich 10 000 Euro bekommen, um für sich werben zu können. SPD-Politiker Marcus Pfeiff findet es gut, dass es mehr Geld gibt. Er will aber etwas anderes: ein eigenständiges Marketing.
13.08.2020, 05:46
Lesedauer: 3 Min
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Ein Marketing für Blumenthal
Von Christian Weth
Ein Marketing für Blumenthal

Aufblühendes Blumenthal: Der Werbeslogan ist einige Jahre alt, jetzt soll es mehr Geld fürs Stadtteil-Marketing geben.

Christian Kosak

Blumenthal. Manche Stadtteile sollen künftig mehr Geld bekommen, um für sich werben zu können. Stadtteile wie Blumenthal zum Beispiel. Zuletzt gab es 5000, jetzt will Rot-Grün-Rot zusätzlich 10 000 Euro an Marketingmitteln für das nördlichste Gebiet des Bremer Nordens bereitstellen. So steht es in einer Haushaltstabelle für nächstes Jahr. Stadtteilpolitiker Marcus Pfeiff findet es gut, dass es mehr Geld geben soll. Noch besser hätte er es allerdings gefunden, wenn Blumenthal bekäme, was Vegesack längst hat: ein eigenständiges Marketing.

Auch Pfeiff wirbt seit Jahren für den Stadtteil. Der Chef der SPD-Beiratsfraktion gehört der Initiative Blumenthal an – einem Bündnis von Bürgern, die auf ihre Weise versuchen, das Image der einzelnen Quartiere aufzupolieren: ehrenamtlich. Und damit ohne ein Budget zu haben, das von der Stadt finanziert oder bezuschusst wird. Pfeiff sagt, dass für Veranstaltungen der Initiative stets Sponsoren gesucht werden müssen. Und dass Bremens Entscheider ruhig mehr machen und auch mehr Geld in ein Stadtteilmarketing investieren könnten, wenn sie Blumenthal voranbringen wollen.

Fritz-Dieter Regensdorff sieht das ähnlich. Der Mann ist Kassenwart bei Blumenthal Aktiv – einem Verein, der dasselbe Ziel hat wie die Initiative. Mit dem Unterschied, dass er über Jahre 3000 und für dieses Jahr 5000 Euro bekommen hat, um sie in Werbung und Veranstaltungen des Stadtteils zu investieren. Regensdorff sagt, dass mit dem Geld beispielsweise die Elektromobilitätsmesse E-Day unterstützt wurde – eine Besucherschau, die mittlerweile so groß geworden ist, dass es statt ehrenamtliche Planer eigentlich einen hauptamtlichen Organisator bräuchte. So wie ihn das Vegesack Marketing mit Fritz Rapp hat, der das Festival Maritim plant.

Die Summe, die der benachbarte Stadtteil für Imagepflege, Feste und Personal zur Verfügung hat, ist wesentlich höher als der Blumenthaler Betrag. Oder den Burglesum erhält, wo an die Interessengemeinschaft für Einzelhandel und Gewerbe laut Schatzmeister Lothar Wessels 1000 Euro vom Wirtschaftsressort pro Jahr gezahlt werden. Das Vegesack Marketing bekommt von der Behörde jährlich 220 000 Euro an Grundförderung, dazu kommen noch Zuschüsse für das Festival am Weserufer. Außer Rapp gehören noch vier weitere Mitarbeiter zum Marketing-Team.

SPD-Politiker Pfeiff weiß, dass das Festival Maritim mit 100 000 Besuchern größer ist als etwa die Mobilitätsmesse auf dem Woll-Kämmerei-Gelände, zu der zwischen 2000 und 3000 Menschen kommen. Und dass nicht Blumenthal, sondern eben Vegesack das Mittelzentrum ist. Dennoch findet er, dass 5000 Euro an Marketingmitteln schnell ausgegeben sind – und 10 000 Euro nicht wesentlich langsamer. Nach seiner Rechnung reicht der Betrag vielleicht gerade für ein paar Broschüren über den Stadtteil oder für Anzeigen in Medien, wenn man denn Broschüren oder Anzeigen wollte. Eine Marketing-Kampagne, meint er, kostet dagegen mehr.

Pfeiff glaubt, dass es für eine hauptamtliche Stelle, die sich wie in Vegesack darum kümmert, für leere Läden neue Pächter zu finden, Arbeit genug in Blumenthal gäbe. Auch Regensdorff ist davon überzeugt. Der Vereinsfunktionär von Blumenthal Aktiv findet, dass es schon ein Vollzeitjob wäre, allein den alten Ortskern beim Marktplatz wiederzubeleben. Wenn man es denn richtig machte – und nicht so wie vor einigen Jahren, als sogenannte Standortmanager Blumenthal zum Aufblühen bringen wollten und am Ende an der Mühlenstraße genau das hinterließen, was sie eigentlich beseitigen sollten: ein weiteres leeres Büro.

Kai Stührenberg kennt das Problem, das Blumenthal in seinem Zentrum, aber auch andernorts mit verwaisten Läden hat. Der Sprecher von Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) sagt, dass die 10 000 Euro ein weiterer Ansatz sind, um den Stadtteil voranzubringen. Ihm zufolge sollen demnächst Gespräche geführt werden, wer über das Geld entscheiden wird – der Verein Blumenthal Aktiv, die Initiative Blumenthal oder der Beirat. Stührenberg rechnet mit einem Ergebnis im Herbst. Dass Blumenthal und Burglesum nicht die Marketing-Summen bekommen, die Vegesack bekommt, begründet er mit der Funktion des Stadtteils als Mittelzentrum.

SPD-Beiratspolitiker Pfeiff will trotzdem Gespräche über ein eigenständiges Marketing für den Stadtteil führen. Er kündigt an, das Thema mit den übrigen Fraktionsspitzen diskutieren zu wollen – und sowohl mit den Mitstreitern der Initiative Blumenthal als auch des Vereins Blumenthal Aktiv. Viele von ihnen wissen ihm zufolge sowieso, was in dem einen und was in dem anderen Zusammenschluss läuft: Weil viele beide unterstützen. Die Initiative kommt auf 60 Mitglieder, der Verein auf knapp zehn mehr.

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