Denis Spitzer

Denis Spitzer plädiert für Saisonende

Er tanzt auf zwei Hochzeiten, ohne wirklich dabei zu sein. Denis Spitzer steht zwar als Noch-Trainer des Blumenthaler SV und künftiger Coach des TuS Schwachhausen in Kontakt mit Spielern beider Fußball-Teams.
03.04.2020, 16:23
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Von Klaus Grunewald
Denis Spitzer plädiert für Saisonende

Denis Spitzer

Jens Pillnick

Er tanzt auf zwei Hochzeiten, ohne wirklich dabei zu sein. Denis Spitzer steht zwar als Noch-Trainer des Blumenthaler SV und künftiger Coach des TuS Schwachhausen in Kontakt mit Spielern beider Fußball-Teams, allerdings nur telefonisch oder visuell per Smartphone. Das Coronavirus lässt nichts anderes zu. Und weil niemand weiß, wie lange noch, plädiert der 33-Jährige für die Beendigung der Bremen-Liga-Saison und einen Neustart, wenn die Gesundheitsgefährdung vorbei ist.

Der Blumenthaler SV hat zuletzt am 8. März ein Punktspiel absolviert, bei der Leher Turnerschaft mit 4:2 gewonnen und rangiert nach 21 von 30 Punktspiele auf dem siebten Tabellenplatz der Fußball-Bremen-Liga. Seit vier Wochen ruht der Ball in den Stadien, müssen sich auch die Spieler der Burgwall-Elf individuell in Form halten. Denis Spitzer hat für sie Trainingspläne erarbeitet, damit sie sich individuell fit halten können. Beispielsweise mit Läufen über eine Distanz von sechs Kilometern, die innerhalb von 30 Minuten zu bewältigen sind. Die Leistungsdaten jedes Einzelnen kann er per Handy abrufen, und damit dessen körperliche Fitness kontrollieren. Darüber hinaus, so Spitzer, sei jeder aufgefordert worden, Kraft und Schnelligkeit auch per Videotraining zuhause zu tanken. Schließlich sollen die Spieler problemlos 90 Minuten lang in gewohnter konditioneller Verfassung dem Ball nachjagen können, wenn er denn an einem Wochenende wieder rollen sollte.

Daran ist allerdings momentan kaum zu denken, hat die Bundesregierung doch gerade erst verordnet, dass die Kontaktsperre gegen die Ausbreitung des Coronavirus bis zum 19. April andauert. Und deshalb kann sich der 33-jährige Coach des Blumenthaler SV, der am 1. Januar 2017 vom TB Uphusen als Abwehrspieler zum Burgwall wechselte und am 1. Juli 2018 das Amt des verantwortlichen Trainers übernommen hat, auch nur notdürftig auf seine künftige Aufgabe vorbereiten. Natürlich telefoniere er häufig mit Benjamin Eta, der nach Saisonende vom TuS Schwachhausen als Trainer zum Bremer SV wechselt, und bisweilen auch mit dem einen und anderen Spieler des gegenwärtigen Tabellenzweiten, erklärt Spitzer. Aber wenn es beispielsweise um Neuzugänge gehe, seien für ihn das persönliche Gespräch und auch der persönliche Eindruck beim Probetraining sehr wichtig, unterstreicht der noch amtierende Coach des Blumenthaler SV und konstatiert: „Sich nur von Hörensagen über die Qualitäten eines Spielers zu informieren, reicht mir nicht.“

Der Blick in die Zukunft des Amateurfußball ist aus Spitzers Sicht mit vielen Fragezeichen versehen. Das gelte auch für die finanzielle Seite. Niemand wisse zum Beispiel, ob die bisherigen Sponsoren sich weiterhin engagieren würden oder ob neue zu gewinnen seien. Eine Ungewissheit, die nach Einschätzung des 33-Jährigen auch so manchen Regionalligisten umtreiben dürfte. Möglicherweise würden Vereine das Handtuch werfen, die gar nicht abstiegsgefährdet sind und den Platz für Teams frei machen, die gegenwärtig keine Aufstiegschancen hätten.

Diese Gemengelage und die Perspektive, dass nach Abschwächung der Virusgefahr, wann auch immer, vielleicht alle drei Tage Punktspiele anberaumt werden, lässt aus Spitzers Sicht eigentlich nur einen Schluss zu: „Weil das für die Aktiven unzumutbar wäre, macht es keinen Sinn, die Saison zu Ende zu Ende zu spielen.“

Wie die Auf- und Abstiegsfrage zu regeln sei, müssten die Verbände klären, meint der BSV-Coach und bekräftigt: „Wichtig ist es doch für alle Vereine, sich eingehend auf die neue Saison vorbereiten und dann vernünftig starten zu können.“ Momentan allerdings sieht der Familienvater, der in der Merchandise-Branche tätig ist und zurzeit wegen der Corona-Krise Kurzarbeitsgeld bezieht noch viele offene Fragen.

„Baustellen“, hinter die man keinen Harken machen könne, wie er die Ungewissheit im Amateurfußballsport bezeichnet. Ob zum Beispiel bisherige Spieler dem TuS Schwachhausen den Rücken kehren wollen oder Neuzugänge fest einzuplanen sind, sei gegenwärtig nicht zu klären. Und letztlich auch nicht die Frage, ob es vielleicht den einen oder anderen Blumenthaler Akteur an die Konrad-Adenauer-Allee zieht. Spitzer wörtlich: „Davon habe ich jedenfalls bislang keine Kenntnis.“

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