15 000 Euro für Eigenheime in Lüssum Eigenheimzuschuss zieht nicht

Der Eigenheimzuschuss des Bremer Senats ist in Bremen-Nord kaum genutzt worden. In Lüssum-Bockhorn beantragten lediglich zwei Familien die Förderung von 15 000 Euro. Das hat jetzt Folgen.
08.09.2020, 06:54
Lesedauer: 3 Min
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Von Mario Nagel

Lüssum-Bockhorn. Familien mit Kindern, die zwischen Mai 2018 und Dezember 2019 in Lüssum-Bockhorn ein Haus zur Eigennutzung gebaut haben, konnten bei der Bremer Aufbau-Bank (BAB) eine Förderung in Höhe von 15 000 Euro beantragen. Der Eigenheimzuschuss, wie das Förderprogramm vom Bremer Senat genannt wurde, galt für Neubauten bis zu einem Kaufpreis von 330 000 Euro und nur in einem der elf weniger begehrten Ortsteile Bremens. Dieser Anreiz sollte Familien mit mittleren Einkommen dazu bewegen, dorthin zu ziehen und so zur sozialen Durchmischung der Gebiete beizutragen. Das Problem: Kaum jemand machte von dem Zuschuss Gebrauch.

Lediglich zwei Familien beantragten die Förderung in Lüssum-Bockhorn, weitere 15 waren es in ganz Bremen - obwohl der Senat insgesamt vier Millionen Euro für bis zu 266 Familien bereitgestellt hatte. „Als wesentlicher Grund wird eingeschätzt, dass die (Kaufpreis-) Höchstgrenze von 330 000 € durch gestiegene Baukosten häufig überschritten wird“, heißt es aus dem Bauressort. Das Förderprogramm wurde deshalb nun auf die gesamte Stadt ausgeweitet. Der Kaufpreis für Neubauten wird dazu auf 360 000 Euro angehoben, auch der Kauf von alten Immobilien kann künftig mit dem 15 000-Euro-Zuschuss subventioniert werden. Bei solchen Objekten soll die Wertgrenze bei 260 000 Euro liegen.

Neben Lüssum-Bockhorn galten im Programm des Senats auch Blumenthal, Gröpelingen, Grohn, Hemelingen, Kattenturm, Lindenhof, Neue Vahr-Nord, Ohlenhof, Oslebshausen und Tenever zu den Ortsteilen mit einem besonderen Förderbedarf. Sie haben im Vergleich zu den anderen Bremer Ortsteilen einen höheren Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund, viele soziale Brennpunkte und eine höhere Arbeitslosigkeit. Kay Bienzeisler (SPD), Mitglied im Beirat Blumenthal Beirat und dort stellvertretender Sprecher des Bau-Ausschusses, sieht die geringe Nutzung der Eigenheimförderung allerdings auch als Folge der wirtschaftlichen Entwicklung in Bremen-Nord. „Wir brauchen wieder einen größeren Arbeitgeber. Dann ziehen auch mehr Menschen hierher, die eine Arbeit haben.“

Nach der Schließung des Bremer Vulkan (1997) und der Bremer Woll-Kämmerei (2009) seien viele Arbeitnehmer weggezogen, neue berufliche Anreize seien nicht geschaffen worden. „Dazu ist vor allem Blumenthal geografisch abgehängt, die Infrastruktur schreckt viele Arbeitnehmer ab. Deshalb ziehen vor allem Menschen ohne Arbeit hierher. Diese Entwicklung ist dramatisch“, sagt Bienzeisler. Charakterisierungen durch die steigende Vermüllung im Stadtteil und den hohen Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund will Kay Bienzeisler nicht gelten lassen: „Blumenthal war schon immer multikulturell, der hohe Ausländeranteil ist deshalb an sich kein Problem." Die wachsende Zahl an Wirtschaftsflüchtlingen und ihre Integration im Stadtteil hingegen sei schwierig.

In dieselbe Kerbe schlägt auch Immobilienmakler Uwe Niemeyer vom gleichnamigen Immobilien- und Sachverständigenbüro: „Im Stadtteil Blumenthal gibt es viele soziale Brennpunkte.“ Seine Firma habe in Blumenthal zwar insgesamt eher weniger Probleme, Immobilien zu vermitteln. „Aber gerade in Lüssum-Bockhorn läuft der Verkauf nicht immer optimal“, sagt Niemeyer. Viele potenzielle Käufer schrecke neben der schwierigen Anbindung nach Bremen-Stadt auch der hohe Ausländeranteil ab. „Viele Immobilien werden deshalb von Menschen mit Migrationshintergrund gekauft.“ Das stehe der sozialen Durchmischung, die der Senat mit der Eigenheimförderung bezwecken wollte, entgegen.

Dass diese in Lüssum-Bockhorn kaum genutzt wurde, hängt laut Uwe Niemeyer auch mit den niedrigen Immobilienpreisen zusammen. In Lüssum-Bockhorn und Blumenthal kann ein unbebautes Grundstück ab 90 Euro je Quadratmeter erworben werden, in Farge sogar ab 75 Euro. In Aumund sind unbebaute Grundstücke dagegen erst ab 150 Euro je Quadratmeter, in Lesum sogar erst bei rund 200 Euro je Quadratmeter zu erwerben. Dass nun auch bereits bebaute Grundstücke gefördert werden können, dürfte nicht zu einer sozialen Durchmischung beitragen, glaubt Uwe Niemeyer: „Wer es sich leisten kann, zieht nicht nach Lüssum-Bockhorn, Farge oder Blumenthal.“

Dass die Eigenheimförderung vom Bremer Senat nun auf die gesamte Stadt ausgeweitet wurde, sieht der Immobilienmakler zudem kritisch. „Mit dem Zuschuss sollen doch strukturschwache Gebiete gefördert werden. Außerdem soll die Förderung denen helfen, die es sich sonst nicht so leisten könnten“, sagt Niemeyer. Der Bremer Senat hält jedoch an seinem Ziel fest, vor allem jene Teile der Mittelschicht mit dem Förderprogramm anzusprechen, die sich etwas oberhalb der Einkommensgrenze des sozialen Wohnungsbaus befinden. Familien, die häufig ihren Wohnsitz nach Niedersachsen verlegen, will man in Bremen halten.

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