Nordbremer Dehoga-Vorsitzender im Interview „Für Restaurants sieht es nicht gut aus“

Durch den Lockdown fällt das Weihnachtsgeschäft für Gastronomen in diesem Jahr aus. Was das für die Branche bedeutet, erläutert der Nordbremer Dehoga-Vorsitzende Raimund Stöver im Interview.
10.12.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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„Für Restaurants sieht es nicht gut aus“
Von Aljoscha-Marcello Dohme

Herr Stöver, was bedeutet die erneute Verlängerung des Lockdowns für Ihre Branche?

Raimund Stöver: Dadurch fällt das Weihnachtsgeschäft vollkommen weg, wobei viele Betriebe über die Feiertage sowieso geschlossen hätten. Dieses Hin und Her macht es für uns doppelt schwer, weil wir jedes Mal wieder die Kühlhäuser anschmeißen und Ware einkaufen müssen. Was am Ende übrig bleibt, müsste entsorgt werden. Deswegen ist es für uns uninteressant geworden, zu öffnen. Leider. Das bedeutet allerdings auch, dass wir keine Umsätze machen können.

Aber die Einnahmeausfälle werden Ihnen doch zum Teil von der Bundesregierung ersetzt.

Die ganzen Versprechungen der Politik wurden bisher noch nicht in die Tat umgesetzt. Als die Pandemie im März nach Deutschland kam, haben wir eine sehr geringe Abschlagszahlung bekommen. Danach flossen keine Gelder mehr. Die Kosten laufen aber trotzdem weiter, Pachten müssen bezahlt und Häuser geheizt werden. Fassbiere waren angestochen und mussten weggeschüttet werden, weil sie sich nicht über die Schließzeit halten. Das sind katastrophale Zustände für die Gastronomie.

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Wie decken Nordbremer Gastronomen dann ihre Kosten?

Die Hilfen, die wir aktuell haben, sind im Großen und Ganzen Kredite. Während andere Branchen in der Vergangenheit zumindest zinslose Kredite bekamen, sieht das für die Gastronomie nun anders aus. Wir müssen kräftig Zinsen zahlen. Zudem rechne ich auch zeitnah mit einer Steuererhöhung, um die Pandemie zu finanzieren. Aller Voraussicht nach steigt ja schon zum kommenden Jahr die Mehrwertsteuer wieder. Die Gastronomie muss dann nicht nur die Kredite abzahlen, sondern muss auch wieder mehr Steuern abführen. Das sieht für die ganze Branche nicht gut aus.

Wie lohnenswert ist eine Öffnung über die Feiertage für Gastronomen?

Es muss alles in Betrieb gesetzt und Lebensmittel eingekauft werden. Wir können pandemiebedingt keine kleine Karte anbieten, die Auswahl muss schon vernünftig sein. Selbst wenn es Anmeldungen gibt, wissen wir nicht, wie viele Gäste tatsächlich kommen. Dass sich das am Ende finanziell rechnet, glaube ich nicht.

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Das heißt, Sie werden Ihr Restaurant im Fährhaus Farge definitiv zu den Feiertagen nicht öffnen?

Wir haben definitiv geschlossen, auch über Silvester. Wir sind sogar schon so weit, dass wir wahrscheinlich die Kohlfahrt-Saison im kommenden Jahr absagen werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Situation so schnell ändert. Damit wird es auch nicht genügend Anmeldungen geben. Die Planung ist einfach zu teuer. Deshalb verzichten wir im Moment darauf, weil das Risiko für uns einfach zu hoch ist.

Wie wichtig ist das Weihnachtsgeschäft insgesamt für die Gastronomie?

Für uns fängt es schon in der Adventszeit mit den ganzen Weihnachtsfeiern an. Egal, ob mit vier oder 400 Personen, diese Einnahmen fehlen durch den Lockdown natürlich komplett. Die Weihnachtsfeiertage selbst sind neben Silvester normalerweise die umsatzstärksten im ganzen Jahr. Für gewöhnlich bieten wir am ersten oder zweiten Weihnachtsfeiertag Brunch an und sind regelmäßig komplett ausgebucht. Auch bei unseren Kollegen ist die Situation an Weihnachten ähnlich, da wurde in den vergangenen Jahren in mehreren Schichten gearbeitet, weil die Nachfrage so hoch war. Und das fehlt dieses Jahr natürlich.

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Welche Erwartungen haben Sie an die Politik?

Von der Politik erwarte ich, dass die versprochenen Hilfen endlich ankommen. Zu Beginn der Pandemie haben wir als Deutscher Hotel- und Gaststättenverband bereits gefordert, auf den Umsatz des vergangenen Jahres zu schauen, wenn es um finanzielle Unterstützungen geht. Das Finanzamt verfügt über entsprechende Informationen und somit können die Hilfen auch nicht missbräuchlich beantragt werden. Die Politik darf nicht vergessen, dass wir in normalen Zeiten sehr viele Steuern zahlen und zu den Branchen gehören, die die meisten Angestellten beschäftigen. Deshalb sollte der Bund nun auch Geld für die Gastronomie in die Hand nehmen und nicht warten, bis die meisten Betriebe pandemiebedingt aufgeben mussten.

Der Lockdown soll dazu führen, die Zahl der Infizierten zu senken. Haben die Nordbremer Gastronomen Verständnis für diese Maßnahme?

Selbstverständlich haben wir Verständnis für die Maßnahme. Was wir aber nicht verstehen ist, dass wir schließen müssen, obwohl wir alle Hygienevorschriften einhalten. Wir haben viel Geld für Trennwände, Lüftungsanlagen, Hinweisschilder, Hygieneartikel wie Einmalhandschuhe, Mund- und Nasenmasken sowie Desinfektionsspender ausgegeben und dürfen den Betrieb trotzdem nicht aufrechterhalten.

Das Interview führte Aljoscha-Marcello Dohme.

Info

Zur Person

Raimund Stöver

ist seit fast 20 Jahren Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Bremen-Nord. Hauptberuflich ist er geschäftsführender Gesellschafter des „Fährhaus Farge“.

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