Ausstellung auf Burg Blomendal

Zuspruch für Kunst aus dem Knast

Am Wochenende ist auf Burg Blomendal Kunst aus der Bildhauerwerkstatt der Justizvollzugsanstalt gezeigt worden. Der Verein „Mauern öffnen“ ist mit der Resonanz zufrieden.
29.06.2020, 06:10
Lesedauer: 3 Min
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Von Friedrich-Wilhelm Armbrust
Zuspruch für Kunst aus dem Knast

Diese Pinguin-Gruppe wartete gemeinsam mit vielen weiteren Skulpturen auf Käuferinnen und Käufer.

Christian Kosak

Blumenthal. „Der Ritter ist so was von irre.“ – „Die Steinarbeit ist Hammer.“ – „Toll.“ So lauteten am Wochenende einige Kommentare zu den ausgestellten Skulpturen in der Burg Blomendal. Schnell füllten sich am späten Sonnabendmorgen das ehemalige Kutscherhaus und der Burghof mit Gästen. Zu sehen waren hier Werke aus Holz, Ton und Stein – in Form von Autos, Pinguinen, Fuchs, verschiedenen Menschen, Krokodilen, Bremer Stadtmusikanten und mehr.

Eingeladen hatten dazu der Verein „Mauern öffnen“ beziehungsweise die Bildhauerwerkstatt in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bremen. Entworfen und angefertigt haben die an die 300 Skulpturen JVA-Insassen und Langzeitarbeitslose. Angeleitet wurden sie dabei von professionellen Künstlerinnen und Künstlern. „Immer wieder staunen wir über die Kreativität, die hinter den Mauern entsteht“, sagt Stefanie Supplieth vom Verein. Sie selbst leitet auch die JVA-Insassen in Sachen Bildhauerei an. Das sei wirklich lobenswert und prima, schwärmt sie über deren Engagement. Die Bildhauerin selbst ist noch bei dem kürzlich verstorbenen Worpsweder Waldemar Otto in die Schule gegangen.

Die Ausstellung in der Burg war eine Verkaufsausstellung. Mit dem Verkauf sei sie total zufrieden, sagt Stefanie Supplieth. „Ich bin erstaunt, und wir alle sind erfreut, dass so viele Menschen an diesen doch abgelegenen Ort gekommen sind.“ Die Besucher und Käufer sind ihr zufolge Privatpersonen, ein paar Fans und stille Unterstützer. Einige kämen jedes Jahr, um immer wieder neue Kunstwerke zu entdecken, und erstünden Skulpturen zum Beispiel für den eigenen Garten. Oder um sie zu verschenken.

Der Erlös der Ausstellung fließt in die Werkstatt. Das Geld ist bestimmt für Material und Honorare. Unterstützt wird die Arbeit von „Mauern öffnen“ von der Senatorin für Justiz und Verfassung, dem Senator für Kultur und der Hollweg-Stiftung. Auch Bußgelder fießen laut Stefanie Supplieth in das Projekt. Elf Künstler arbeiten mit und für die JVA-Insassen und mit den Langzeitarbeitslosen in drei Werkstätten. Es gibt eine Erwachsenen-Gruppe, eine Gruppe mit Jugendlichen und die Gruppe der Langzeitarbeitslosen. „Das geht acht Stunden am Tag“, sagt Stefanie Supplieth. Die Erwachsenen bevorzugen nach ihren Worten als Material Stein und Holz, die Jugendlichen dagegen Ton. Beim Stein handele es sich um Thüster Kalkstein und Oberkirchener Sandstein. „Und das Holz kommt aus dem Bürgerpark.“

„Das ist das Handwerk der klassischen Bildhauerei und kein therapeutisches Arbeiten“, ist der Künstlerin wichtig. Teamfähigkeit, Konzentration und Durchhaltevermögen seien dabei gefragt. Bei den Hobbybildhauern löst nach der Erfahrung von Stefanie Supplieth die Arbeit mit Stein, Holz und Ton zwei Effekte aus. „Einmal sehen die sich selbst positiv. Zum anderen können sie der Gesellschaft etwas zurückgeben.“

Im Innenhof fällt die Skulptur eines Ritters auf. Dazu kennt Bildhauerin Supplieth die Hintergrundgeschichte. „Den hat ein ehemaliger Straßenmaler und Langzeitarbeitsloser gemacht“, weiß sie. „Der ist irgendwie bei uns in der Außenwerkstatt gelandet.“ Dem Betreffenden verhelfe das regelmäßige Gestalten zu einer stabilen Alltagsstruktur.

Einen Blick in die Ausstellung warf auch Hans-Henning Hoff. Er war von 1989 bis 1997 Leiter der Justizvollzugsanstalt und hat den Verein 1997 mitgegründet und war dessen langjähriger geschäftsführender Vorstand. „Das ist mir ans Herz gewachsen“, bekräftigt Hoff.

Angefangen hat alles 1978 mit einem Wettbewerb zur Kunst im öffentlichen Raum, initiiert der von Bremer Kulturbehörde. Den Zuschlag erhielt der Kunst-Professor Siegfried Neuenhausen aus Braunschweig. Er wollte Kunst ins Gefängnis bringen. Neuenhausen hat die Bildhauerwerkstatt in den ersten drei Jahren mit seinen Studenten betreut. Bis zum Jahr 1997 lag die Verantwortung für die Werkstatt bei der Kulturbehörde. Unterstützt wurde das Projekt von Anfang an durch das Justizressort und das Gefängnis selbst. Dann wurde der Verein „Mauern öffnen“ gegründet. Der Verein ist bis heute Träger der Bildhauerwerkstatt. Unter www.mauern-oeffnen.de gibt es weitere Informationen im Internet.

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