Fußball-Bremen-Liga

Das große Missverständnis

Der Blumenthaler SV hat sich von seiner Starverpflichtung Yves Mfumu bereits wieder getrennt
25.09.2019, 15:55
Lesedauer: 3 Min
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Von Jens Pillnick

Blumenthal. Der Blumenthaler SV und Yves Mfumu – das hat nicht gepasst. Der Neuzugang von Viktoria Köln hat nie die sportlichen Erwartungen des Fußball-Bremen-Ligisten erfüllt und wirkte auf dem Spielfeld wie im Training oft wie ein Fremdkörper. Das Missverständnis ist beendet, der 21-Jährige bestritt am 31. August beim 3:0-Erfolg bei der SG Aumund-Vegesack seine letzte Partie für den Blumenthaler SV und will sich jetzt in Ruhe Gedanken über seine Zukunft machen.

Eine Zukunft, die laut Yves Mfumu die Rückkehr in die Regionalliga oder den Beginn eines Dualen Studiums vorsehen könnte, die aber offenbar auch beim FC Oberneuland liegen kann. Denn Yves Mfumu hatte trotz seines gerade erst begonnenen Engagements beim Blumenthaler SV Gespräche mit anderen Vereinen geführt, darunter eben auch eines mit FCO-Trainer Kristian Arambasic, der den BSV darüber informierte. „Das kam negativ rüber“, erklärt Mfumu, der am Burgwall nie so richtig angekommen ist, rückblickend und beschreibt seine Zusammenarbeit mit dem Nordbremer Traditionsverein so: „Es war nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. Nichts Bösartiges, aber blöd gelaufen. Es waren kleine Sachen, die sich summiert haben.“

Aber auch auf der Gegenseite gab es Sachen, die sich summierten. Trainer Denis Spitzer suchte folglich den Dialog mit dem Spieler, das Gespräch mit der Sportlichen Leitung und berief den Mannschaftsrat ein. Und entschied schließlich, dass der Blumenthaler SV und Yves Mfumu getrennte Wege gehen müssen. „Letzte Saison hätte ich es vielleicht noch einmal mit ihm versucht. Aber jetzt haben wir gewisse Ambitionen und ich habe nicht die Zeit und die Kraft, mich darum zu kümmern“, begründete Denis Spitzer seine Entscheidung.

Hohe Vorschusslorbeeren

Dass es zur Trennung gekommen ist, findet Spitzer allerdings „mega-schade“. Denn an den Qualitäten des ehemaligen A-Junioren-Bundesliga-Spielers von Werder Bremen, dem VfB Stuttgart und Eintracht Frankfurt gibt es keine Zweifel. Da er sie aber in Blumenthal nicht abgerufen habe und zudem die Bindung zur Mannschaft fehlte, wurde aus vielen Problemchen irgendwann ein Problem. „Ich habe gewartet, dass er auf dem Platz explodiert. Aber der Brustlöser ist nicht gekommen“, sagt Spitzer, der sich aber auch in die nicht einfache Lage des Spielers hineinversetzt: „Aus seiner Sicht war es auch schwierig, denn er ist mit vielen Vorschusslorbeeren gekommen. Die Mannschaft und das Umfeld hatten hohe Erwartungen an ihn, denen er nicht gerecht geworden ist.“ Mfumu stand in der Bremen-Liga knapp 400 Spielminuten auf dem Feld und erzielte dabei einen Treffer bei der 2:6-Niederlage gegen den TuS Schwachhausen.

Bei Vereinspräsident Peter Moussalli, der Yves Mfumu mithilfe einer Jobzusage zum BSV gelotst hatte (Moussalli: „Da ist er nach vier Wochen schon nicht mehr hingegangen“), hören sich die Gründe für die Trennung etwas greifbarer an: „Ich habe von Starallüren gehört. Es hat viel Unruhe im Team gegeben.“ Moussalli sei erschrocken gewesen, dass Kristian Arambasic ihn angerufen und darüber informiert habe, dass Mfumu Kontakt zum FC Oberneuland aufgenommen habe. Moussalli: „Wir haben viel für Yves getan.“ Und auch rein sportlich zeigte sich der BSV-Chef enttäuscht: „Er hat nicht das gebracht, was wir erwarten konnten.“ Auf ähnliche Experimente mit auswärtigen Spielern will Moussalli künftig verzichten, in keinem Fall hätte sich das bislang bezahlt gemacht. Moussalli gesteht ein, dass er mit der Personalie Mfumu die Hoffnung verbunden hatte, beispielsweise im Lotto-Pokal einen Mann für die besonderen Momente auf dem Feld zu haben.

Werder-Gastspiel in 2020?

Von weiteren unerfüllten Erwartungen spricht der BSV-Präsident auch hinsichtlich des Freundschaftsspiels gegen den SV Werder Bremen, das anlässlich des 100-jährigen Bestehens in diesem Jahr geplant war. „Ich gehe davon aus, dass das nichts mehr wird“, sagt Moussalli, der per Mail in Kontakt zu Frank Baumann (Geschäftsführer Sport) und Teammanager Tim Barten gestanden hatte und das Event im Rahmen eines großes Vereinsfestes zelebrieren wollte: „Das hätte zum 100. Geburtstag perfekt gepasst.“ Die Hoffnung darauf, es in der nächsten Länderspielpause zu terminieren, ist mittlerweile auch geplatzt, denn da hat Werder ein Testspiel beim FC St. Pauli (11. Oktober) vereinbart. „Ich hoffe, dass es nur aufgeschoben ist“, will Moussalli das Werder-Vorhaben aber keineswegs abhaken.

Hoher Besuch am Burgwall im Sommer 2020 und damit im 101. Jahr des Vereinsbestehens wäre ja schließlich auch nicht zu verachten. Dass Werder-Auftritte beim Blumenthaler SV ein Spektakel sind, zeigt der Rückblick ins Jahr 2015. Da war das Burgwall-Stadion mit rund 6000 Besuchern ausverkauft. Werder gewann unter seinem damaligen Trainer Viktor Skripnik mit 9:0 (2:0).

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