Fußball-Bremen-Liga Der Königstransfer

Yves Mfumu ist zum Bremen-Ligisten Blumenthaler SV gewechselt. Der 21-Jährige spielte zuletzt für den gerade in die 3. Liga aufgestiegenen FC Victoria Köln und in der U19-Bundesliga auch schon für Werder.
07.07.2019, 16:54
Lesedauer: 4 Min
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Von Jens Pillnick

Blumenthal. Der Königstransfer ist perfekt. Yves Mfumu (das „M“ wird nicht ausgesprochen) wird in der Saison 2019/20 für den Fußball-Bremen-Ligisten Blumenthaler SV auflaufen. Der 21-Jährige spielte zuletzt für den gerade in die 3. Liga aufgestiegenen FC Victoria Köln und stand vor knapp einem Jahr bei der 1:3-Niederlage im DFB-Pokal gegen den Finalisten RB Leipzig noch in der Startelf. „Wir haben sogar geführt“, blickt Yves Mfumu auf dieses Highlight zurück.

Heute, rund ein Jahr später, bereitet er sich beim Bremen-Ligisten Blumenthaler SV auf die Saison vor. Was für Yves Mfumu ein Karriereknick ist, ist für den Blumenthaler SV wie ein Sechser im Lotto. Offensivmann Mfumu ist für die Nordbremer das i-Tüpfelchen auf eine Transferphase, die eine unglaubliche Dynamik entwickelte und Verstärkungen wie Sebastian Kurkiewicz (TB Uphusen), Mario Vukoja (VfL Oldenburg) oder Malte Tietze und Tim Pendzich (zurück vom Bremer SV) an den Burgwall spülte.

Und eben Yves Mfumu, der sich vor gar nicht allzu langer Zeit auf dem Weg Richtung Profi-Laufbahn befand. Bei Eintracht Frankfurt, Werder Bremen (unter Trainer Mirko Votava) und dem VfB Stuttgart hatte er in der U17 und U19 in der Bundesliga gespielt, dann warfen ihn jedoch private Probleme aus der Bahn. „Ich war mental nicht in der Lage, Profi zu sein“, gibt der 21-Jährige offen zu. Schließlich erlitt er einen Muskelbündelriss und zog gewissermaßen die Notbremse. Die Freude am Fußball war dem Hochbegabten, der in Kinshasa in der Republik Kongo geboren wurde und der als Vierjähriger mit seiner Mutter und Schwester nach Deutschland (Großraum Frankfurt) kam, verloren gegangen.

Eine Entwicklung, die nach Veränderung schrie. Angebote, nach den Herren-Stationen VfB Stuttgart II, FSV Frankfurt und FC Victoria Köln weiterhin in der Regionalliga zu spielen, gab es laut Yves Mfumu. Doch er lehnte ab. Der junge Mann, der sich selbst als Sprintertyp bezeichnet, zudem technisch gut, stark im Eins-gegen-eins und abschlussstark ist, brauchte mehr als irgendeine Veränderung. Er befand sich auf der Suche nach einer Wohlfühl-Oase. Von der berichtete ihm Mechak Nankishi, den es vom Bremer SV zum Blumenthaler SV gezogen hatte. Ihm nahm er die Einschätzung ab, schließlich ist Mechak Nankishi sein Cousin. „Er ist eine Vertrauensperson für mich“, sagt Yves Mfumu, der mit Freunden kicken und den Spaß am Fußball zurückfinden will.

Also griff Yves Mfumu zum Telefon und bot sich bei BSV-Trainer Denis Spitzer an. Der zögerte. In den vergangenen Wochen hatten sich unzählige Spieler beim Blumenthaler SV angeboten, um Teil dieses offensichtlichen Aufwärtstrends zu werden. Damit Denis Spitzer sich ein Bild von Yves Mfumu machen könne, empfahl der ihm, sich Videos auf YouTube anzuschauen. Das machte Denis Spitzer. Zehn Minuten später griff der BSV-Trainer zum Telefon und lud Yves Mfumu ein. Darauf, einen Termin für ein Probetraining zu vereinbaren, verzichtete er. Yves Mfumu sollte ein Teil des Projektes 2019/20 werden. „Obwohl er leicht verletzt ist, hat man schon in Ansätzen gesehen, wozu er in der Lage ist. Das macht Lust auf mehr“, ist Denis Spitzer froh, den jungen Mann, den er als nett, intelligent und bodenständig beschreibt, in seinem Kader zu wissen.

Dass es einen solchen Transfer nicht zum Nulltarif beziehungsweise ohne Gegenleistungen gibt, liegt auf der Hand. Es ging allerdings nicht um Bares. Yves Mfumu brauchte einen Job („Eine Absicherung ist immer gut“), BSV-Präsident Peter Moussalli vermittelte ihm diesen. Auch wenn die Konkurrenz von der sich hinauszögernden Unterschrift unter den Passantrag Wind bekommen hatte und ebenfalls Interesse an einer Verpflichtung bekundete, setzte Yves Mfumu seinen Namen unter das Dokument beim Blumenthaler SV – und der Königstransfer war perfekt.

„Wenn man arbeitet, freut man sich mehr aufs Fußballspielen“, hat der 21-Jährige, der derzeit bei seinem Cousin in Hemelingen lebt, bereits festgestellt. Demnächst will er nach Blumenthal, wo sich sein neues sportliches Zuhause befindet, umziehen. Und wann wird es ihn in die Demokratische Republik Kongo ziehen? „Irgendwann wird die Zeit kommen, dass ich die DR Kongo gehe. Aber nicht für immer“, sagt Yves Mfumu, der keine Erinnerungen an das zentralafrikanische Land hat.

Obwohl Yves Mfumu als A-Junior ja bereits ein halbes Jahr in Bremen lebte, gesehen hat er von der Hansestadt seinerzeit nicht viel. „Nur Schule und Training“, beschreibt er seinen damaligen Tageslauf im Werder-Internat. Klar, dass ihm die Bremen-Liga bis vor Kurzem kein Begriff war, gleiches gilt für den Blumenthaler SV. Mit dem er nun aber einiges vor hat. „Wir können und werden oben mitspielen“, ist er sich nach etwas mehr als einer Woche Training mit dem neuen Kader sicher. Und er ergänzt: „Vielleicht steigen wir ja auch in die Regionalliga auf. Ganz Bremen würde sich über einen zweiten Regionalligisten freuen.“

Yves Mfumu will aber nicht nur mit dem Blumenthaler SV angreifen. Er will auch einen zweiten Anlauf in eigener Sache unternehmen: „Ich will Kraft tanken und definitiv noch einmal durchstarten.“ Der Traum vom Profi-Fußball lebt. Und mit ihm auch der Traum vom großen Geld. Sollte dieser Traum in Erfüllung gehen, dann will Yves Mfumu seiner großen Familie („Meine Mutter hat viele Geschwister“) unter die Arme greifen. Und seiner Mutter will er ein ganz besonderes Geschenk machen: „Ich träume davon, wovon alle Kinder träumen: Ich möchte meiner Mutter irgendwann ein Haus kaufen.“

Dass die Fußballer-Laufbahn für Yves Mfumu nicht bei Vereinen wie FC Marxheim oder RW Frankfurt enden würde, zeichnete sich mit der beginnenden Pubertät ab. „Bis zwölf war ich pummelig und habe als Innenverteidiger gespielt“, erinnert sich Yves Mfumu. Dann hätte irgendwann das Wachstum eingesetzt und er sei dünner geworden. „Ich habe mir viel selbst erarbeitet und hatte gute Trainer“, blickt Yves Mfumu auf seine Zeit bei den Topklubs im Juniorenbereich zurück. Neben Mirko Votava gehörten Ex-Profis wie Alexander Schur, Uwe Bindewald und Patrick Glöckner zu seinen Coaches. Nun heißt sein Coach Denis Spitzer. Und der macht laut Yves Mfumu das, was ihm zuletzt gefehlt hatte: „Er vermittelt Spaß am Fußball. Wir machen fast alles mit dem Ball.“

Yves Mfumu scheint seine Wohlfühl-Oase beim Blumenthaler SV gefunden zu haben. Wenn er daraus die Kraft schöpft, sein Potenzial zur Geltung zu bringen, dann dürfte die Saison 2019/20 beim Blumenthaler SV für den Spieler und den Verein auf eine Win-win-Situation hinauslaufen. Und Yves Mfumu nicht nur der Königstransfer sein, sondern vielleicht sogar der König vom Burgwall werden. Den richtigen Namen diesbezüglich trägt er jedenfalls. „Mfumu heißt übersetzt König“, sagt der junge Mann mit einem Grinsen.

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