Männer-Handball in Bremen-Nord Der Konkurrenzdruck ist hoch

Die TSV Farge-Rekum ist eine der letzten Bastionen. Unter Trainer André Franke behaupteten sich die Nordbremer mit zwei Teams in einem schwierigen Umfeld.
21.08.2019, 15:50
Lesedauer: 4 Min
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Von Olaf Kowalzik

Farge. Die Männer der TSV Farge-Rekum teilen zurzeit das Schicksal vieler Handball-Kollegen: Sie schuften und rennen in der Saisonvorbereitung, was die Muskeln hergeben. Jeder geht an seine persönliche Leistungsgrenze – und darüber hinaus, alle ächzen und stöhnen. Das Jammern nimmt Trainer André Franke, der 14 Jahre beim TV Grambke beziehungsweise SV Grambke-Oslebshausen das Tor hütete, aber nur bedingt zur Kenntnis. „Handballer weinen nicht, sie schwitzen nur“, sagt der Coach der Farger, grient und geht auch schon wieder zur Tagesordnung über.

Ja, Trainer zählen in dieser Zeit nicht gerade zu den Freunden ihrer Spieler, das liegt in der Natur der Sache. Und doch ist bei der TSV Farge-Rekum etwas anders als beim Rest der Nordbremer Männer-Handballer. Denn während mit der HSG Lesum/St. Magnus gerade wieder ein Traditionsklub seine letzte eigenständige Männer-Mannschaft mangels personeller Masse vom Spielbetrieb abmelden musste (wir berichteten), bieten jetzt nur noch der SV Grambke-Oslebshausen (drei Mannschaften), die HSG Vegesack-Hammersbeck (eine) und eben die TSV Farge-Rekum Männer-Teams im Bremer Norden auf.

Die Farger sind dabei zweifelsohne ein Phänomen, schließlich befindet sich die letzte Männer-Bastion unmittelbar vor der Landesgrenze zu Niedersachsen örtlich gesehen in einer schwierigen Lage. Hier ist die Akquise von Handballern aufgrund der Randlage und der Altersstruktur schon deutlich schwieriger, als anderswo – und der Konkurrenzdruck ist hoch. Denn keine sechs Kilometer von der Turn- und Sportvereinigung entfernt lässt mit der HSG Schwanewede/Neuenkirchen eines der größten Schwergewichte des Bremer Handball-Verbandes seine Muckis spielen.

Die TSV Farge-Rekum überlebt trotzdem und kommt in ihrer Nische erstaunlich gut zurecht. Warum? „Weil ich die Spieler bald besser kenne als ihre Eltern“, witzelt Franke. „Aber Spaß beiseite: Die meisten spielen tatsächlich von klein auf bei mir, sodass wir zu einer gefestigten Einheit geworden sind.“

20 Spieler umfasst der aktuelle Kader des A-Klasse-Fünften der vergangenen Saison, drei Akteure davon sind berufsbedingt aber eher als Back-up einzustufen. Nichtsdestotrotz verfügen die Farger damit über einen äußerst üppigen Kader, dessen Durchschnittsalter knapp 22 Jahre beträgt. Für den Allrounder Robin Lübbert heißt das, dass er beim obligatorischen Spiel „Jung gegen Alt“ mit seinen 24 Lenzen schon bei den Alten mitspielen muss.

„Bei solch einem großen Nachbarn aus Schwanewede ist die Arbeit aber natürlich sehr mühselig“, gibt André Franke im regelmäßigen Überlebenskampf der Farger Handball-Sparte zu. Daher ist der 38-jährige C-Lizenz-Inhaber sichtbar stolz darauf, sein Team nicht nur bis in die Herren durchgebracht zu haben, sondern mit diesem mittlerweile auch in die vierte Männer-Saison zu gehen.

„Mir macht das Training nach fast 20 Jahren bei ihm immer noch Spaß“, betont Maximilian Spliethöver, der Begriff des Ur-Fargers schlechthin. Bei den TSV-Minis hatte der mittlerweile 25-Jährige unter André Franke angefangen und bis heute immer ein und denselben Trainer gehabt: Das riecht förmlich nach einem Rekord. „André schafft es, den Zusammenhalt in der Mannschaft zu stärken und für eine angenehme Atmosphäre zu sorgen. Deshalb war für mich ein Wechsel zu einer anderen Mannschaft auch nie ein Thema“, fährt „Max“ Spliethöver fort.

Womit auch schon die nächste Zutat der Farger Erfolgsmixtur gelüftet wäre: Der Zusammenhalt der Spieler untereinander. Den hat Franke zusätzlich dadurch gefestigt, dass er dieses Team auch im Herrenbereich geschlossen zusammenließ, obwohl eine Auslese seiner besten Akteure mit den 13 vorhandenen Spielern aus der zweiten Vertretung möglich gewesen wäre.

„Wenn man aber Spieler aus dem Gefüge herausreißt, dann fallen ja auch welche durch das Raster. Dann wäre es aus meiner Sicht kein richtiges, gewachsenes Team mehr“, lautet die Philosophie von André Franke. Für Jan Wiechmann war genau dieser Zusammenhalt der Grund, weshalb er nach seinem altersbedingten Ausflug ab der C-Jugend zur HSG Schwanewede/Neuenkirchen und einer späteren Schnupperphase in Lesum/St. Magnus wieder „back to the roots“ – also zurück zu den Wurzeln zur TSV Farge-Rekum gegangen ist: „Damals wie heute es ist immer noch eine super Mannschaft mit viel positiver Energie sowie einer guten Mischung aus Breitensport und Leistungsbereitschaft.“

Dass sich dieser eingeschworene Haufen trotzdem nicht nach außen hin abschottet, beweist Moritz Stellmann, der erst vor einem Jahr zum Team gestoßen ist. „Ich habe ziemlich schnell Anschluss gefunden und muss sagen, dass ich dank André und dieser Mannschaft wieder Spaß am Handballspielen habe“, sagt er.

Die erste Vertretung der TSV Farge-Rekum hatte im ersten Männer-Jahr in der Saison 2016/17 als Vizemeister auf den Aufstieg in die Bremenliga verzichtet. Mittlerweile sieht André Franke sein Team als deutlich gereift an. „Sollten wir uns noch einmal die Aufstiegschance erarbeiten, dann werden wir sie diesmal wohl auch wahrnehmen“, kündigt der Schwarzschopf an.

Info

Zur Sache

Nachwuchsarbeit in der TSV Farge-Rekum

Drei Nachwuchsmannschaften sind aktuell bei der Turn- und Sportvereinigung aktiv, allesamt von André Franke trainiert. Eine männliche D-Jugend, die sich freitags im zusätzlichen offenen Training sogar teilweise etwas von den jungen Herrenspielern abschauen kann. Außerdem hat der TSV-Trainer bei den Jüngsten reichlich Talente am Start, die an einigen Spielfesten, aber noch nicht in der Punktspielrunde mit Begeisterung mitwirken. Von denen sind allein 15 Mädchen bei den Maxis aktiv, sodass die Farger in der Saison 2020/21 voraussichtlich neben den obligatorischen Minis und Maxis auch noch eine weibliche E- und eine männliche C-Jugend ins Rennen schicken werden. „Da steckt unheimlich viel Herzblut drin“, betont André Franke. Daher hat er als Trainer bislang auch selbst jedem Abwerbeversuch widerstanden. „Ich brauche keine fertigen Spieler, ich möchte die Kinder lieber selbst ausbilden“, betont er. Die Minis und Maxis (sechs bis neun Jahre) trainieren freitags von 15.30 bis 17 Uhr, die männliche D-Jugend (Jahrgänge 2007 und 2008) mittwochs von 17 bis 18.30 Uhr, jeweils in der TSV-Vereinshalle Unterm Berg. „Es sind aber alle Jungs und Mädchen willkommen, egal ob Anfänger oder mit Handballerfahrung, egal welchen Alters“, sagt Franke. Näheres unter 0173 - 2 43 36 61

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