Mit dem BSV durch dick und dünn

Der Loyale im Hintergrund

Als der Blumenthaler SV 2002 mit dem Abstieg in die Fußball-Bezirksliga am sportlichen Tiefpunkt angekommen war, begann die Karriere des Trainers Rainer Raute. Genau genommen des Co-Trainers.
09.07.2018, 10:32
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Von Jens Pillnick
Der Loyale im Hintergrund

Rainer Raute (links) ist jetzt die rechte Hand von Denis Spitzer, der kürzlich das Traineramt beim Bremen-Ligisten Blumenthaler SV übernommen hat.

Christian Kosak

Blumenthal. Als der Blumenthaler SV 2002 mit dem Abstieg in die Fußball-Bezirksliga am sportlichen Tiefpunkt angekommen war, begann die Karriere des Trainers Rainer Raute. Genau genommen des Co-Trainers. Denn in der ersten Reihe stehen wollte der am gestrigen Sonntag 52 Jahre alt gewordene nie: "Ich will keine Reden halten und muss auch nicht in der Presse auftauchen." In der zweiten Reihe steht er seitdem aber fast ununterbrochen und war ein Baustein der Wiederauferstehung des Blumenthaler SV.

Zum Zeitpunkt des Abstiegs aus der Landesliga bildete Rainer Raute gemeinsam mit Thomas Lutzke, Kai Seemann und Hans-Jürgen "Jacky" Schwaab ein Sportwart-Quartett, das Peter Moussalli (damals für die SAV spielend) als Spielertrainer für den Neuaufbau verpflichtete. Und wenig später sei Raute "wie die Jungfrau zum Kinde" zum Co-Trainer-Posten beim Blumenthaler SV gekommen. Peter Moussalli hätte ihn um Unterstützung gebeten, und er sei da so reingerutscht. Reingerutscht und geblieben. Abgesehen von einer kurzen Pause. Denn als Peter Moussalli zum FC Oberneuland wechselte (Moussalli: "Ich ärgere mich, dass ich Rainer nicht mitgenommen habe"), war er unter den Kurzzeittrainern Michael Müller und Björn Reschke nicht tätig.

Die Talfahrt des BSV endete mit dem Abstieg 2002 in die Bezirksliga, die totale Umkehr gelang in der ersten Saison als Vierter dann nicht. Aber dann holte der BSV Luft und blies die Konkurrenten weg. 2003/04 stiegen die Nordbremer in die Landesliga auf und legen den Durchmarsch in die Bremen-Liga direkt oben drauf. Im ersten Bremen-Liga-Jahr etablierte sich der BSV gleich als Fünfter. Was folgten waren gute bis sehr gute Platzierungen in der Liga und im Pokal, nur der Titel im Pokal oder in der Liga fehlten zum vollkommenen sportlichen Glück.

Mit der Rückkehr von Peter Moussalli vom FC Oberneuland an den Burgwall stieg auch Rainer Raute wieder ein, das Tandem (Moussalli: "Wie ein altes Ehepaar") war wieder vereint. Und auch als Moussalli den Trainerstuhl an "Mitch" Kniat weitergab, hieß der Co-Trainer Rainer Raute. Nach dem abrupten Ende der Ära Kniat, den es in der Sommerpause 2017 zum SC Paderborn II zog, sprang Teammanager Moussalli für ein halbes Jahr wieder ein – natürlich mit Rainer Raute an seiner Seite. Dann folgte ein Kapitel, das Raute an die Nieren ging. Das nur viereinhalbmonatige Gastspiel von Malte Jaskosch, von dem sich beim Blumenthaler SV alle so viel versprochen hatten. "Die Mannschaft hat ihm keine richtige Chance gegeben", stellte Raute anschließend fest und sein weiteres Engagement infrage: "Ich war drauf und dran aufzuhören."

Aber er hörte nicht auf. Er hakte das vergangene Jahr als "nicht so prickelnd" ab und freute sich auf die Zusammenarbeit mit Denis Spitzer. "Das Feuer ist da. Ich bin extrem gespannt auf die neue Saison. Ich bin wieder vom BSV-Virus infiziert", scheint die Aufgabe des bevorstehenden Neuaufbaus geradezu wie ein Jungbrunnen zu wirken. Die Gedanken ans Aufhören sind in ganz weite Ferne gerückt. "Ob ich in fünf Jahren noch dabei bin, muss man mal abwarten", schränkt Rainer Raute vorsichtig ein und bedankt sich bei dieser Gelegenheit bei seiner Partnerin dafür, dass sie seinen großen Aufwand in Sachen Fußball mitmacht.

Das Mitmachen ist auch das, was Rainer Raute an seiner Aufgabe seit Jahren Freude bereitet. Das Mitmachen als Teil eines Trainerteams. Er sei nie einer gewesen, der nur die Hütchen hingestellt habe. Oft hätte er das Training geleitet und sich der Cheftrainer um etwas Spezielles gekümmert. So wie beispielsweise gerade Denis Spitzer, der sich so ganz der taktischen Schulung widmen könne. Rainer Raute spricht sich selbst eine ausgeprägte Beobachtungsgabe zu, dank der er dem letztlich verantwortlichen Trainer Tipps geben könne. Überhaupt wisse er alles über jeden Spieler, "ich bin sehr gut vernetzt." Und so fällt es ihm nicht schwer, Spielern immer mal wieder hilfreich unter die Arme zu greifen. Entweder, um sie "zu ihrem Besten zu zwingen" oder sie auch schon mal vor einem Rauswurf zu retten. Peter Moussalli habe sich bei ihm auch schon bedankt, dass er einen Rauswurf verhindert habe und der Spieler später auf den gewünschten Weg gefunden habe.

Für Peter Moussalli, den heutigen Sportwart des Blumenthaler SV und Teamchef des Bremen-Liga-Teams, gehört Rainer Raute schlichtweg zum Inventar. Und das hat einen Grund. "Er ist 100 Prozent loyal zum Cheftrainer. Ich habe ihn nie ein schlechtes Wort über einen Trainer sagen hören", erklärt Moussalli und verneint, dass das daran liegen könne, dass Raute gar nicht selbst Cheftrainer werden wolle. Peter Moussalli: "Das ist sein Wesenszug."

Zu Rautes Wesen gehört aber eben auch die Verbundenheit mit dem Blumenthaler SV. "Der BSV ist ein fester Bestandteil meines Lebens", bekennt er und erinnert sich an privat nicht so rosige Zeiten, als der Verein ihm Halt gegeben hätte. Was der Verein ihm bedeutet, hatte er aber schon viel früher gespürt. Als ihn sein Vater als Kind zum Training der ersten Herren mitgenommen hatte, da hätte er Burgwall-Luft geschnuppert. Zum Fußballspielen von Karl Reichelt, der für den BSV Kinder von der Straße zum Verein holte, animiert, lernte er das Fußball-ABC unter den Brüdern Lothar, Hans-Jürgen und Uwe Böhm, später "diente" er unter dem "General" Günther Hansen in der C-Jugend.

Um hochklassig zu spielen, wurde er dem BSV als B-Junior untreu und schloss sich dem TSV Lesum-Burgdamm an, nach einer halben Saison bei den Herren ging es schließlich zurück zum Burgwall: "Das war das, was mein Herz wollte." Und immer noch will.

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