20 Jahre Verein Lagerstraße

Erinnern an die Opfer des Bunkerbaus

Seit 1999 hält der Verein Lagerstraße die Erinnerung wach an das Schicksal der Menschen, die für den Bunkerbau in Farge zur Arbeit gezwungen wurden, so bietet er Führungen über einen Geschichtslehrpfad an.
18.10.2019, 19:02
Lesedauer: 2 Min
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Von Gabriela Keller
Erinnern an die Opfer des Bunkerbaus

In der Baracke 27 zeigt der Verein die von ihm entwickelte Ausstellung "Leidensweg Lagerstraße".

Christian Kosak

Einst wollten die Nationalsozialisten hier in ihrem Rüstungswahn eine „Wunderwaffe“ bauen, heute ist der ehemalige U-Boot-Bunker Valentin in Farge eine Gedenkstätte. Zwischen 10 000 und 12 000 Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge und Kriegsgefangene mussten von Sommer 1943 bis Frühjahr 1945 auf der Bunker-Baustelle am Weserufer für die NS-Kriegsmarine schuften, rund 4000 kamen dabei zu Tode.

Der Verein mit dem langen Namen „Dokumentations- und Gedenkstätte Geschichtslehrpfad Lagerstraße/U-Boot-Bunker Valentin“ hat es sich seit nunmehr 20 Jahren zur Aufgabe gemacht, dieses Kapital der Geschichte aufzuarbeiten und die Erinnerung wachzuhalten an das Schicksal der Menschen, die zur Arbeit auf der Bunker-Baustelle gezwungen wurden.

Der Verein hat mit seiner Arbeit die lange totgeschwiegene Geschichte des Bunkers und seiner Lager als Stätte des Leidens ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht und dazu beigetragen, dass der Betonkoloss seit 2015 ein Denkort ist. Kernprojekt des Vereins mit seinen aktuell 36 Mitglieder ist der Geschichtslehrpfad entlang der ehemaligen Lagerstraße an der Hospitalstraße in Rekum. Über sie wurden die Zwangsarbeiter von den Lagern zur Bunkerbaustelle getrieben.

Zwischen 2001 und 2008 sind fünf Gedenkstelen errichtet worden: an einem früheren Massengrab für 783 Opfer, am ehemaligen Außenlager des KZ Neuengamme und am KZ-Bahnhof, am früheren Arbeitserziehungslager sowie am Standort des ehemaligen Marinegemeinschaftslagers I und dem Lager für sowjetische Kriegsgefangene.

Der Verein bietet Führungen über den Lehrpfad an. Sie starten und enden jeweils in der „Baracke 27“ in Neuenkirchen, die der Verein bereits seit 1999 für seine Aktivitäten nutzt. Eigentümer des heute denkmalgeschütztes Gebäudes an der Straße An der Kaserne 127 ist er seit 2004. In der NS-Zeit gehörte die Baracke zum Marinegemeinschaftslager II, das 1939 zum Bau des Kriegsmarine-Öllagers Farge in der Neuenkirchener Heide errichtet wurde. Nach dem Krieg nutzte die Innere Mission den Lagerkomplex in Neuenkirchen als Hospital, in der Baracke 27 waren eine Schusterei und eine Tischlerei untergebracht. 1963 übernahm die Bundeswehr das Gebäude, bis es schließlich der Verein Lagerstraße kaufte.

Besucher der Gedenkstätte können hier die Ausstellung „Leidensweg Lagerstraße“ sehen. In der Baracke bietet der Verein Vorträge, Lesungen und Workshops an. Zeitzeugen wie der kürzlich verstorbene Ire Harry Callan sowie die ebenfalls verstorbenen Franzosen André Migdal und Lucien Hirth sprachen hier über ihr Schicksal als ehemalige Zwangsarbeiter auf der Bunker-Baustelle.

Sie sind Ehrenmitglieder des Vereins, der am 11. Oktober 1999 gegründet wurde. Hervorgegangen war er aus einer Bürgerinitiative, die sich Ende der 1990er-Jahre gegen die geplante Ansiedlung eines Zementwerkes und eines Gewerbegebietes an der Hospitalstraße wehrte. Als Vorläufer des Vereins wurde ein Runder Tisch ins Leben gerufen, er entwickelte die Idee eines Geschichtslehrpfads.

Früh schon setzte sich der Verein Lagerstraße dafür ein, aus dem U-Boot-Bunker einen Erinnerungsort zu machen, wirkte mit an der Konzeption der künftigen Gedenkstätte. Am 8. November 2015 wurde der Denkort Bunker Valentin eröffnet.

Sein 20-jähriges Bestehen feiert der Verein Lagerstraße unter seinem Vorsitzenden Rolf-Dieter von Bargen am Sonntag, 20. Oktober, mit geladenen Gästen in der Baracke 27. Grußworte sprechen die ehemaligen Bremer Bürgermeister Karoline Linnert und Jens Böhrnsen, beide sind Vereinsmitglieder, sowie Bernd Neumann. In seiner früheren Funktion als Kulturstaatsminister trug er dazu bei, dass der Bund den Ausbau des Bunkers zu einer Gedenkstätte mit 1,9 Millionen Euro unterstützte.

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