Lesung in Blumenthal Von Freundschaft, Integration und Wahnsinn

Im Rahmen des Literaturfestivals "Gastgeber Sprache" lesen Dietmar Horbach, Salim Ali und Gerhard Koopmann im Blumenthaler Kulturtreff Nunatak aus ihren Werken.
18.10.2021, 21:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Fritz Armbrust

Aufmerksam lauschen die Zuhörer und Zuhörerinnen den Worten von Dietmar Horbach. Im Blumenthaler Kulturtreff  Nunatak liest der 78-Jährige an diesem Spätnachmittag aus seinem Buch „Da wird der Freund zum ärgsten Feind“. Schauplatz ist Springfield in Massachusetts in den USA. Es ist die Geschichte einer Freundschaft zwischen Timothy Brookman und Luke Travorney, die im Kindesalter begann und später zerbricht, als sich die zwei Männer in dieselbe Frau verlieben. Horbach erzählt aus der Sicht von Brookmann, dessen Zuhörer im Buch sind Brookmanns Ehefrau Mary, sein Sohn David und dessen Freund Mortimer.

Horbach liest im Rahmen des Literaturfestivals „Gastgeber Sprache“ neben zwei weiteren Autoren, Salim Ali und Gerhard Koopmann. Alle drei gehören der Literaturpforte an. Das ist ein Kreis von zwölf schreibenden Frauen und Männern. Einmal im Monat trifft sich die Gruppe zum Austausch.

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Er sei in den 1980er-Jahren mit einem Roman über die Ölpest zum Schreiben gekommen, erzählt Horbach im Gespräch mit dem Publikum. „So fing es an.“ Dann habe er ein zweites Buch geschrieben und Kurzgeschichten. „Das ging so ganz langsam, Stück für Stück.“ Seine Geschichten seien fiktiv. Der Schauplatz für das Buch, aus dem er an diesem Nachmittag liest, hat aber schon mit seiner Biografie zu tun: „Ich war anderthalb Jahre mit der Marine in den USA. Ich bin Fan der USA“, erklärt der Autor.

Auf die Lesung von Salim Ali, einem gebürtigen Inder, reagiert eine Zuhörerin mit den Worten, dass er so „leidenschaftlich und betont“ vortrage. Das habe er von seiner Großmutter gelernt, die gerne Geschichten erzählte, war die Antwort des Autors. Die Geschichte, die er im Nunatak vorlas, handelte vom Brief eines Integrationswilligen an dessen Mutter.  Er beginnt mit den Worten: „Wow, es funktioniert hier alles wie im Bilderbuch“. Pünktlich fahrende Busse, Meldepflicht, Schulpflicht, Sauberkeit – all das beeindruckt den Neuankömmling im fremden Land. Am Ende schließt der Brief mit den Worten: „Ich bin hier jetzt integriert, aber für euch verdorben.“

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Der 67-jährige Autor erzählt in dem Zusammenhang: Er wisse von einer Firma, dass sie ihre Mitarbeiter nie länger als fünf Jahre ins Ausland schicke, weil sonst die Mitarbeiter die Bindung an ihre Heimat verlieren würden. Eine weitere Geschichte, die das Publikum zu hören bekommt, handelt von einem Mädchen und einer Frau namens Emily, die sich als Kapitänin durchbeißt.

Der 78-jährige Gerhard Koopmann ist nach eigener Aussage eigentlich eher an lokal-historischen Themen interessiert. So habe er sich in der Vergangenheit literarisch mit der Flucht seiner Familie auseinandergesetzt und eine historische Dokumentation zum Bunker Valentin verfasst. Im Nunatak hat er diesmal keinen historischen Stoff dabei. Das Werk, aus dem er liest, ist eine Art Parabel. Diese Geschichte sei ihm „so zugefallen“, sagt der Blumenthaler. Sie handelt davon, wie der Wahnsinn verschiedene Eigenschaften, Befindlichkeiten und Tugenden wie die Trägheit, den Glauben, den Stolz und mehr und eben die Liebe zu einem Versteckspiel aufruft. Alle sollen sich verstecken und der Wahnsinn will sie finden. Die Liebe findet er zuletzt, sie hat sich in einer Rosenblüte versteckt. Die Dornen haben ihr die Augen ausgestochen, deshalb weicht der Wahnsinn nicht mehr von ihrer Seite. Woraus Koopmann schließt: „Die Liebe macht blind, und der Wahnsinn ist ihr ständiger Begleiter.“

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